Im Bahnhof Windeck-Au beginnt mit dem neuen Café die Belebung des künftigen Kulturorts „Die Station“.
„Hoffentlich fällt der Zug aus“Bahnhof in Windeck-Au wird mit Stationscafé zum Treffpunkt

Gastgeberin Sarah Jung mit Ehemann und Barista Paul und Mutter Margarete Gross.
Copyright: Sylvia Schmidt
„PS: Hoffentlich fällt der Zug aus!“ Normalerweise treiben ausfallende Züge Bahnkunden die Zornesröte auf die Stirn, am Bahnhof in Windeck-Au könnte das eine Wunschvorstellung von manchem Bahnreisenden werden. Nach Jahren im tiefen Dornröschenschlaf hat jetzt im ersten Schritt das Stationscafé im Testbetrieb eröffnet, die Öffnung weiterer Räume und kultureller Angebote wird bald folgen. Bespielt wird dann das komplette Erdgeschoss unter dem Namen „Die Station“.
Selbstgebackenes Brot und frische Zutaten aus dem Garten
Wie ein Magnet hat das Vorhaben „Die Station“ seit Geburt der Idee ungewöhnliche Strahlkraft entfaltet. Mehrere Dutzend Menschen aus der Umgebung und von überall her kommen vorbei, um als Teil eines großartigen Projektes vorwiegend ehrenamtlich zu helfen. Die Auer Bewohner selbst sind hocherfreut, dass sich in ihrem Bahnhof endlich was tut, sie finden klare Worte: „Das Schandloch wird belebt!“ Die Bedeutung des Bahnhofs entspricht dabei seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 1860 in keiner Weise der Größe des Ortes mit nur 300 Einwohnern. Sechsgleisig ist er die wichtige Brücke, die das Rheinland sowohl mit dem Westerwald als auch mit dem Siegerland verbindet.
Auch die 38-jährige Sozialarbeiterin Sarah Jung, die als Gastgeberin den Cafébetrieb übernommen hat, ist der Faszination des Projektes des gemeinnützigen Vereins, der sich „Stationista“ nennt, erlegen. Seit Baubeginn vor acht Monaten packt sie mit an. „Ich kehre zurück zu meinen familiären Wurzeln“, erzählt sie. Die liegen nämlich nur eine Zugstation entfernt in Wissen/Sieg, wo ihre Großeltern herkommen. „Meine Oma hat immer gesagt, Au Bahnhof ist das Tor zur Welt. Hier hat sie meinen Opa abgeholt, als er nach dem Krieg von der Front kam. Und dieses Tor gestalte ich nun wirklich mit.“ Mit ihrem Mann Paul, der Barista im Café, kehrte sie selbst vor acht Jahren aus Köln in die Provinz zurück.

Mit der Eröffnung des Stationscafés ist am Bahnhof in Windeck-Au die erste Stufe der Bespielung der gezündet. Das komplette Erdgeschoss wird zum kulturellen Ort „Die Station“ ausgebaut.
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Bis Mitte Mai läuft das Café im Testbetrieb, um herauszufinden, was die Gäste möchten. Eine junge Konditorin aus Köln, ein Koch aus Hennef und seine Küchencrew stellen alles selbst aus hochwertigen Produkten her. Eine große Unterstützung ist Sarahs Mutter Margarete Gross, die aus der Landwirtschaft kommt. Von Beruf Ökotrophologin (Ernährungsberaterin) ist sie jüngst in den Ruhestand getreten.
„Sie bewirtschaftet einen riesigen Garten, aus dem viele unserer Zutaten kommen“, freut sich die Tochter. „Meine Mutter backt sogar das Brot für unsere Brotstullen selbst, denn wir wollen die Leute mit hochwertigen, bodenständigen Nahrungsmitteln versorgen.“ In der Glasvitrine auf der Theke locken appetitlich in Pergament eingewickelt Klappstullen mit diversen Aufstrichen, goldbraune Croissants und süße Gebäcke von der Konditorin.

„Der alte Bahnhof wird aufgewertet, mit Leben gefüllt und ist ein niedrigschwelliger Treffpunkt für Menschen. Es gibt genügend Parkplätze und ist gut erreichbar“, gefällt Ute Marrazza die neue Anlaufstelle außerordentlich.
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Die schwarz-weißen Bodenfliesen, ein alter Eisenrolladen zur Abtrennung der Räume und die großen Rundbogen-Fenster der einstigen Wartehalle sind erhalten geblieben. Das Mobiliar ist bunt zusammen gewürfelt und aufgearbeitet. Sanftes Grün und Rosa, kombiniert mit Weiß an den Wänden, erzeugt eine beruhigende Atmosphäre. An der Seite zu den Bahngleisen befindet sich der neue Kiosk „Das Fenster“, der zum Café gehört.
Ich glaube hier wird noch viel entspringen, demnächst kann man hier beispielsweise auch malen, töpfern und mehr.
Barista Paul hat alle Hände voll zu tun, die Tische drinnen und draußen füllen sich immer wieder. An einem großen runden Tisch sitzt eine Schar junger Leute. Die 16-jährige Greta kommt aus Wölmersen und findet das Stationscafé richtig toll. „Es ist schön eingerichtet, hier gibt es nicht viel für junge Menschen. Ich schreibe gerne Texte und habe hier Texte zum Mitnehmen aufgehängt“, sprudelt es aus ihr heraus. „Ich glaube hier wird noch viel entspringen, demnächst kann man hier beispielsweise auch malen, töpfern und mehr.“ Draußen sitzen Freundinnen aus Windeck-Rosbach an einen großen Tisch und unterhalten sich angeregt über den neuen Ort. „Der alte Bahnhof wird aufgewertet, mit Leben gefüllt und ist ein niedrigschwelliger Treffpunkt für Menschen. Es gibt genügend Parkplätze und der Ort ist gut erreichbar“, sagt Ute Marrazza und lobt die neue Anlaufstelle.
Bei einem Rundgang mit Anna Mauersberger gibt es Einblicke in weitere Räume, die bereits fertiggestellt sind. Die offizielle Eröffnung, die eigentlich am Tag vor der Eröffnung des Stationscafés geplant war, musste verschoben werden, da eine wichtige Bauabnahme noch fehlte. Sie soll im Sommer nachgeholt werden.
Um zu erfahren, was die Kunden wünschen, ist das Stationscafé bis zur Sperrung der Siegstrecke der Deutschen Bahn im Dezember im Testbetrieb. Die Öffnungszeiten sind donnerstags und freitags von 11 bis 18 Uhr sowie voraussichtlich jedes zweite Wochenende Samstag und Sonntagebenfalls von 11 bis 18 Uhr. Ab Mitte Mai ist dienstags und mittwochs ein Mittagstisch geplant. Weitere Informationen dazu gibt es online.
Visionen für eine neue Nutzung
Hauptprojektleiterin und treibende Kraft hinter „Der Station“ ist Anna Mauersberger. Vor vier Jahren hatte sie mit ihrem Partner Anselm Sellen und mit Steffen Jahn (Projektträger) vom Verein Kulturhafen Au, direkt gegenüber vom Bahnhof gelegen, die Vision für eine neue Nutzung des Bahnhofsgebäudes. Der Kulturhafen und das Förderprojekt „Wir-Dorf-Westerwald-Sieg“ forderten die Wiederbelebung des Bahnhofs und fanden Gehör. Die Deutsche Bahn als Eigentümerin der Räume und die Gemeinde Windeck, in deren Zuständigkeitsbereich der Bahnhof fällt, unterstützten die Idee. Die Fördergelder für das Projekt kommen aus dem Dritte-Orte-Programm des Landes Nordrhein-Westfalen, das die Wiederbelebung leerstehender Gebäude fördert.

