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Steigende KostenMachen immer weniger Menschen im Rhein-Sieg-Kreis den Führerschein?

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ILLUSTRATION - Unterricht am Steuer: Auch wer Schule nicht so mag - in der Fahrschule passt man besser konzentriert auf, das spart am Ende auch Geld. (zu dpa: «So lässt sich beim Führerschein sparen») Foto: Christin Klose/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Vor allem in Städten gehen die Anmeldezahlen für Führerscheine zurück. 

Der Führerschein ist teuer wie nie. Sinken die Anmeldezahlen in Rhein-Sieg? Das sagen Fahrschulen, Fahrlehrerverband und junge Menschen. 

Der Führerschein galt lange als selbstverständlich. Doch die Preise steigen, nicht nur der Führerschein ist in den vergangenen Jahren um einiges teurer geworden. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat im Oktober 2025 angekündigt, die Fahrschulausbildung reformieren zu wollen, um sie wieder günstiger und weniger bürokratisch zu machen. Entscheiden sich immer mehr junge Menschen aktuell gegen einen Führerschein - und gehen die Anmeldungen im Rhein-Sieg-Kreis zurück?

Berenike Wiegers (24) hat nie einen Führerschein gemacht. Die Orthopädie-Schuhmacherin ist in Königswinter aufgewachsen, heute lebt sie in Köln und arbeitet in Troisdorf. „Damals, als die Entscheidung mit 16 anstand, wollte ich das nicht, weil zeitgleich der Realschulabschluss anstand. Dann kam ein Umweltdenken dazu – und ich dachte, ich komme ja gut mit Bus und Bahn zurecht.“ Zur Arbeit kommt sie mit der S-Bahn, „aber wenn die mal nicht fährt, denke ich schon, dass ein Führerschein praktisch wäre – oder auch, um in den Urlaub zu fahren“. Sie hofft, dass die Kosten für den Führerschein in Zukunft wieder sinken. „Hätte ich den Führerschein früher gemacht, hätte es vielleicht 1000 Euro weniger gekostet als heute. In der Ausbildung konnte ich es nicht bezahlen, heute wäre das möglich, aber dann müsste ich an anderen Ecken sparen.“

Andeutungen des Verkehrsministers: Viele hoffen, dass die Preise wieder sinken

Für Leandro Radu (18) aus Eitorf stellte sich die Frage nach dem Führerschein nie: „Hier bei uns im Dorf fährt einmal in der Stunde der Bus. Dass man den Führerschein macht, war bei mir und meinen Freunden einfach klar.“ Die Freiheit und Unabhängigkeit, die das Autofahren mit sich bringe, seien für ihn der wichtigste Grund. Außerdem möchte er in Köln studieren und möglicherweise erst einmal pendeln. „Steigende Preise sind da tatsächlich relativ egal“, so Leandro Radu. „Alle meine Freunde haben einen Führerschein gemacht. Auch wenn jemand aus einer sozial schwächeren Familie kommt: Dafür ist dann Geld da.“

Die 15-jährige Diné aus Hennef ist noch unsicher, ob sie einen Führerschein machen möchte. Nach ihrem Abitur möchte sie zum Studieren nach Berlin ziehen, „dort würde sich ein Führerschein nicht unbedingt lohnen, auch weil es eben sehr teuer ist“. Eigentlich wäre sie aber gern in der Lage, Auto zu fahren. „Auszubildende bekommen den Führerschein ja je nach Berufsfeld oft bezahlt oder bezuschusst“, sagt die Schülerin, „ich denke, es wäre eine gute Idee, wenn auch Studierende da finanzielle Unterstützung bekommen könnten.“

Bei uns im Dorf fährt einmal in der Stunde der Bus. Dass man den Führerschein macht, war bei mir und meinen Freunden einfach klar.
Leandro Radu (18) aus Eitorf

Die Andeutungen des Verkehrsministers, dass das Fahrschulsystem umgebaut werden solle, um den Führerschein günstiger zu machen, hätten regional teilweise dazu geführt, dass die Nachfrage nach Führerscheinen nachgelassen habe, sagt Kurt Bartels, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands NRW. Viele potenzielle Kundinnen und Kunden würden darauf hoffen, weniger zahlen zu müssen, wenn sie ein paar Jahre warten. „Das spüren aber vor allem Fahrschulen im städtischen Bereich; im ländlichen Bereich weniger.“

Immer mehr Fahrschulen schaffen sich Fahrsimulatoren an: Hier in der Fahrschule Neukirchen in Neunkirchen-Seelscheid

Immer mehr Fahrschulen schaffen sich Fahrsimulatoren an: Hier in der Fahrschule Neukirchen in Neunkirchen-Seelscheid

Im Rhein-Sieg-Kreis höre er von zurückgehenden Anmeldezahlen in den größeren Städten wie Siegburg und Troisdorf, der Rückgang sei aber nicht dramatisch. Die explosionsartig gestiegenen Ölpreise seien für Fahrschulen aktuell natürlich ein großes Problem, sagt Kurt Bartels. „Die Preise können Fahrschulen nicht an die Kunden weitergeben, weil es ja Verträge gibt, die sechs bis zwölf Monate laufen.“ Viele Fahrschulen passten ihre Preise für neue Kunden bereits an.

Fahrschulen in Städten bemerken einen Rückgang an Anmeldungen

Aus dem Rhein-Sieg-Kreis gebe es gesicherte Daten, dass ein Führerschein im Schnitt etwa 2500 Euro koste; nicht etwa 3000 bis 4000 Euro, sagt Kurt Bartels. Er empfiehlt Kundinnen und Kunden, nach einer Fahrschule zu suchen, die offen mit den Kosten umgeht, „das sind meistens die familiengeführten Fahrschulen, von denen es im Rhein-Sieg-Kreis ja viele gibt“. Außerdem sei es sinnvoll, sich von Anfang an ein Konzept zu machen, was man in welcher Zeit erreichen wolle, und dieses mit der Fahrschule zu besprechen.

„Mit dem Krieg sind die Preise natürlich total hochgegangen, aber die Leute melden sich noch genauso an, wie vorher; weil sie hoffen, schnell durch zu sein. Günstiger wird ja leider gar nichts mehr“, sagt Sandra Braun, die „Sandras Fahrschule“ in Eitorf leitet. Da Eitorf eher ländlich sei, seien die Menschen hier auch mehr darauf angewiesen, so Braun. Die Anmeldungen für Zweirad-Führerscheine seien in den letzten Jahren sogar stark gestiegen.

Mit dem Krieg sind die Preise natürlich total hochgegangen, aber die Leute melden sich noch genauso an, wie vorher
Sandra Braun, Fahrschulleiterin

Zu ihrer Fahrschule kommen allerdings auch Schülerinnen und Schüler aus Bad Honnef oder Köln, da sie damit wirbt, in einer Woche mit der Theorie fertig zu sein. Sie bemühe sich, die Fahrschülerinnen und Fahrschüler möglichst günstig mit wenigen Fahrstunden durchzubringen, so die Fahrschulleiterin. Allerdings falle ihr auf, dass diese zunehmend wenig Erfahrung mitbrächten, bevor sie sich zum ersten Mal ans Steuer setzten.

„Früher kamen die Schüler und konnten schon etwas – heutzutage schauen sie ihren Eltern vielleicht nicht mehr beim Fahren zu, sondern schauen aufs Handy“, überlegt Sandra Braun. „Vielleicht haben die Eltern auch weniger Zeit, mal vorab auf einen Übungsplatz zu fahren.“ Außerdem werde der Führerschein für Fahrschüler, die kein oder wenig Deutsch sprächen, schnell teuer; durch das notwendige Übersetzen seien mehr Fahrstunden nötig.

Seit etwa einem Jahr gibt es in „Sandras Fahrschule“ einen Fahrsimulator. Dessen Nutzung für 45 Minuten kostet lediglich die Hälfte des normalen Fahrstundenpreises, der aktuell bei 73 Euro liege, so Braun. „Wir haben gemerkt, dass die Schüler wesentlich weniger Fahrstunden insgesamt haben, seit sie den Simulator nutzen können“, sagt die Fahrschulleiterin. „Wenn sie dann ins Auto einsteigen, haben sie schon einen Grundstock an Wissen – und keine Angst mehr.“