Der Kinder- und Jugendring Leverkusen e. V. hat gemeinsam mit der Stadt Leverkusen im März erstmalig an Leverkusener Schulen eine Jugendbefragung durchgeführt. Das sind die Ergebnisse.
JugendbefragungShopping und Mobilität stehen bei Leverkusener Jugendlichen hoch im Kurs

Präsentieren die Ergebnisse der Jugendbefragung: Florian Korb (v. l.), Oliver Weierstall, David Nelson, Michaela Bolz sowie Uli Deinet und Maria Icking vom Institut für sozialraumorientierte Praxisforschung und Entwicklung
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1.140 Jugendliche haben bei der ersten Leverkusener Jugendbefragung mitgemacht. Zur Teilnahme aufgerufen waren Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren. Die meisten Teilnehmenden waren allerdings unter 18 Jahren, sie gingen zu 90 Prozent noch in die Schule. „Die Altersgruppe 18 bis 21 Jahre haben wir nicht so gut erreicht“, sagt Maria Icking vom Institut ISPE, das das Projekt wissenschaftlich begleitet hat. Allerdings haben fast 500 Teilnehmende ihr Alter gar nicht angegeben. „Das kenne ich so aus anderen Befragungen nicht“, sagt Icking. Insgesamt ist sie zufrieden mit der Beteiligung.
2,956 ist die Gesamtnote, die die Teilnehmenden Leverkusen geben. Eine „gute Drei“, stellen die Verantwortlichen fest. Besonders erfreulich: Mehr als ein Drittel der Befragten gibt Leverkusen die Note 1 oder 2. Fazit: Eine Grundzufriedenheit ist da, aber viele Themen im Alltag sind offenbar so relevant, dass sie die Bewertung nach unten ziehen. „Viele Jugendliche in Leverkusen sind grundsätzlich zufrieden. Aber wir wollen, dass sie Leverkusen auch als lebenswerte Stadt erleben“, sagt David Nelson, Leiter der städtischen Jugendhäuser und Initiator der Jugendbefragung.

Jugendliche vergeben Schulnoten zur Frage: "Bist du gerne in Leverkusen"
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25 Prozent der Mädchen vergeben insgesamt die Note 4 oder schlechter. Insgesamt seien Mädchen unzufriedener als Jungen, heißt es. Die Ursache liege laut Auswertung oft in fehlenden oder schlechten Shoppingmöglichkeiten.
46 Prozent klagen über fehlende oder schlechte Shoppingmöglichkeiten in ihrem Stadtteil – das ist damit der häufigste Kritikpunkt. Interessanterweise schneiden auch die Stadtteile, in denen es zumindest einige Shoppingmöglichkeiten gibt, schlecht ab: Opladen mit 54,8 Prozent auf dem vorletzten Platz vor Quettingen (55,4), auch Wiesdorf mit der Rathausgalerie erreicht nur 45,9 Prozent. Weniger Unzufriedenheit darüber äußern Jugendliche in Bürrig (30,4) und Hitdorf (33,3).
45,6 Prozent wünschen sich bessere Bus- und Bahnverbindungen. Der Kinder- und Jugendring deutet das als klaren Auftrag an die Stadtentwicklung: Mobilität ist für Jugendliche ein Kernfaktor – nicht nur für Schule, sondern auch für Freizeit, Treffen und Teilhabe im ganzen Stadtgebiet. Der Zustand der Radwege wurde relativ wenig kritisiert, nur 17 Prozent wünschen sich hier Verbesserungen. „Da kennen wir aus anderen Städten ganz andere Werte, in Kaarst etwa waren es 70 Prozent“, sagt Icking.
43,7 Prozent vermissen Spiel- und Sportflächen in der Stadt. Damit steht Sportinfrastruktur sehr weit oben – noch vor mehreren klassischen „Freizeitangebot“-Kategorien. Diesen Wunsch haben mehrheitlich männliche Teilnehmer geäußert.

Frage: "Was wünschst du dir für deinen Stadtteil am meisten?"
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34,6 Prozent wünschen sich mehr kostenlose und wetterunabhängige Räume als Treffpunkte. Fast gleichauf: altersgerechte Angebote und Veranstaltungen (34,5 Prozent). Es wird klar: Jugendliche suchen Orte und Angebote, bei denen sie zwanglos unter sich sein können. „Der minimale Anspruch ist, dass sie dort nicht vertrieben werden“, sagt Oliver Weierstall vom Kinder- und Jugendring. Und dass keine Erwachsenen da sind – ergänzt ein Jugendlicher. Wenn Jugendliche sich einen Wunschort bauen könnten, bräuchte der auf jeden Fall verfügbares WLAN, Toiletten, eine Überdachung und die Möglichkeit, etwas zu essen und zu trinken zu kaufen.
16- bis 17 Jahre alte Jugendliche sind am wenigsten zufrieden mit den Angeboten in Leverkusen. In dieser Altersgruppe vergaben nur 8,5 Prozent die Note 1, fast 16 Prozent dagegen die Note 5 oder 6. Der Großteil pendelte sich auf einer 3 ein (34,4 Prozent). Nach Stadtteilen ist die Unzufriedenheit in Hitdorf am größten, allerdings haben hier auch nur 12 Jugendliche teilgenommen.
80 Prozent der Teilnehmenden gaben „Zuhause“ als einen Ort an, an dem sie gerne ihre Freizeit verbringen. „Das ist seit Corona eine ganz klare Tendenz“, sagt Icking. Aber auch die Ausbreitung der sozialen Medien hat dazu beigetragen, dass Jugendliche seltener das Haus verlassen. So steht an Platz zwei der Freizeitorte auch „Bei Freunden“. Die beliebtesten öffentlichen Orte sind die Rathausgalerie (40,8 Prozent) und Parks und Grünanlagen (28 Prozent). Knapp zehn Prozent gaben Bibliotheken an. „Dieser Wert rutscht immer weiter nach vorne“, sagt Icking aus ihrer Erfahrung mit Befragungen aus anderen Städten. Der Wunsch nach ruhigen Orten, an denen man nichts konsumieren muss, wachse bei Jugendlichen.
22 Jugendeinrichtungen gibt es in Leverkusen. Warum zieht es Jugendliche hierhin? „Chillmöglichkeiten“ (47,9 Prozent) und Freunde treffen (44,9 Prozent) sind die beiden wichtigsten Kriterien. Aber auch „elternfreie Zone“ und „günstiges oder kostenfreies Essen“ werden von mindestens jedem fünften Befragten genannt. Allerdings gab auch rund jeder vierte Teilnehmende an, die Jugendeinrichtungen der Stadt nicht zu kennen. Ein klarer Auftrag an diese, ihr Angebot besser bekannt zu machen und attraktiver zu werden, auch für über 16-Jährige.
119 Mal gaben Jugendliche an, sich an Bahnhöfen und Bushaltestellen besonders unsicher zu fühlen. Angsträume zu minimieren war eines der Kernthemen in einem Workshop zur Auswertung der Ergebnisse, an dem Jugendliche mitgewirkt haben.
4 Jahre gilt der Kinder- und Jugendförderplan, den David Nelson für die Stadt aufstellt. Die Ergebnisse der Jugendbefragung sollen in den neuen Plan einfließen. Es sollen Ideen entwickelt werden, wie mehr Jugendbeteiligung gelingen kann und mehr Treffpunkte verankert werden können, die nicht kommerziell sind.