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Verhandlungen mit VermieternNun droht die Schließung aller drei Kölner Galeria-Standorte

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Galeria-Kaufhof an der Hohe Straße.

Galeria-Kaufhof an der Hohe Straße.

Am Mittwoch veröffentlichte der Konzern eine neue Liste, auf der erstmals auch die Filiale in Nippes steht.

Die Luft für die Kölner Galeria-Kaufhäuser wird dünner. Der schwer angeschlagene Warenhauskonzern erwägt die Schließung aller drei Kölner Standorte, sollte es in Verhandlungen mit Vermietern nicht zu tragfähigen Lösungen kommen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Zur Disposition stehen das legendäre Kaufhaus in der Hohe Straße, Stammhaus der früheren Kaufhof AG, das Haus in der Breite Straße (früher Karstadt) sowie auch die Filiale an der Neusser Straße in Nippes.

40 Prozent der Filialen auf der Kippe

Das wäre das Aus für Kaufhof in Köln nach mehr als 135 Jahren. Leonard Tietz hatte 1891 das erste Kaufhaus in Köln eröffnet.

Alle drei Warenhäuser stehen auf einer am Mittwoch veröffentlichten Liste mit insgesamt 33 potenziell besonders bedrohten Filialen im Bundesgebiet. Insgesamt betreibt der Konzern noch 83 Häuser, damit sind 40 Prozent der Filialen auf der Kippe.

Auf der Liste wird neben den Kölnern auch noch das Haus in Euskirchen genannt. „Wir werden jeden Standort einzeln und ergebnisoffen betrachten“, sagte Geschäftsführer Tilo Hellenbock.

Unternehmen will Fläche und Mieten verringern

„An den Häusern Hohe Straße und Breite Straße besteht aufgrund anstehender vertraglicher Entscheidungen kurzfristiger Handlungsbedarf“, hieß gegenüber unserer Zeitung. Das Unternehmen versuche, die Flächenstruktur beider Häuser an das kompaktere Konzept von Galeria anzupassen und „wirtschaftlich tragfähige Mietkonditionen“ zu vereinbaren.

Außerdem müsse die Stadt die Defizite in der Sicherheit, Sauberkeit und Erreichbarkeit beseitigen, hieß es kritisch zum Zustand der Innenstadt. Einzelhandelsexperten übersetzen das so: Galeria wird kleiner, die Mieten müssen runter und das Umfeld der Einkaufsmeile muss endlich in Schuss gebracht werden.

Mietminderungen in Nippes verlangt

Zum Standort Nippes äußerte sich Galeria noch zurückhaltender: An der Neusser Straße zeige sich, dass die dortige Verkaufsfläche „kein wirtschaftlich effizientes Betriebsmodell“ mehr zulasse. Galeria verlangt nun eine „konsequente Anpassung der Mietkonditionen an die tatsächliche Flächenproduktivität“. Nur so werde es eine tragfähige Grundlage für den Standort geben. Übersetzt: Nur durch kräftige Mietminderungen lässt sich der Standort noch halten.

Auch wenn noch keine endgültige Entscheidung über die Kölner Filialen gefallen ist: Der Druck auf Galeria wächst mit jedem Tag, einschneidende Maßnahmen zu ergreifen. Erst vor wenigen Wochen hatte sich der Konzern durch den Kredit eines US-Investors kurzfristig Luft verschafft. Die Finanzspritze ist aber an einen Sanierungsplan geknüpft, der intern als „hart“ bezeichnet wird.

Der „Karstadt“ an der Breite Straße

Der „Karstadt“ an der Breite Straße

Im Kölner Einzelhandel läuten die Alarmglocken. Stadtmarketing-Geschäftsführerin Annett Polster sagte unserer Zeitung: „Die Galeria-Filialen sind wichtige Konstanten in den Kölner Handelslagen, ganz gleich ob in der Innenstadt oder im Stadtteil Nippes. Mit einer Schließung wären langjährige Leerstände verbunden, die Einfluss auf die Attraktivität des Handels im direkten Umfeld der Filialen, als auch auf den gesamten Standort hätten.“

Dies sei umso bedauerlicher, als sich gerade an der Schildergasse zuletzt erfolgreiche Handelskonzepte angesiedelt hätten. Polster nennt als Beispiel den Flagshipstore der Parfümeriekette Douglas. „Dies zeigt beispielhaft, in welchem Umfeld sich Galerie befindet und wie wichtig ein Weiterbetrieb mit Umsetzung des avisierten Transformationskonzeptes wäre.“

Warenhaus ist kein Zukunftsmodell

Jörg Hamel, Geschäftsführer des Handelsverbandes Aachen-Düren-Köln, sagte: „Wir hätten bei der Schließung auf einen Schlag riesige Handelsflächen, die leer stehen. Dann brauchen wir kluge Ideen, wie diese wieder belegt werden könnten.“

Sicher könne man nicht überall noch ein Fitnessstudio oder gar Seniorenwohnungen einrichten. Außerdem seien die finanziellen Möglichkeiten von Investoren nicht mehr so groß wie früher. Fest stehe aber, dass ein Warenhaus kein Zukunftsmodell ist.

Zeitungsausriss: In einer Verlagsbeilage des Kölner Stadt-Anzeiger wurde die Geschichte des Kaufhofs dargestellt.

Zeitungsausriss: In einer Verlagsbeilage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ wurde die Geschichte des Kaufhofs dargestellt.

Boris Hedde, Geschäftsführer des in Köln ansässigen Instituts für Handelsforschung (IFH), sieht keine großen Erfolgsaussichten für Galeria in Köln. Der Kaufhof sei sicherlich ein Prestigeobjekt. Doch das reiche nicht mehr. Denn trotz guten Besuchs auf Hohe Straße und Schildergasse sei die Nachfrage nach einem Warenhaus nicht mehr gegeben. „Ein Haus für alles wollen die Menschen nicht mehr, diese Entwicklung sehen wir schon seit Jahren.“

Laut IFH liegt der Umsatzanteil der Kauf- und Warenhäuser für 2025 bei 0,6 Prozent am Einzelhandelsumsatz, im Jahr 2000 waren es 3,3 Prozent. Das Handelskonzept funktioniere nicht mehr. Jetzt müsse man vielmehr die Frage stellen, wie die Gebäude wirtschaftlicher genutzt werden können, da gebe es schon gute Ansätze. Köln könne einen solchen Verlust sicher besser verkraften als etwa eine Ruhrgebietsstadt mit weniger Anziehungskraft.

Stadt sieht Zukunft, aber auf weniger Fläche

Auf Verhandlungen setzt der städtische Wirtschaftsdezernent Andree Haack: „Wir beobachten gerade, dass sich die Situation im Handel weiter stabilisiert und sich neue Mix-Used-Konzepte in der Innenstadt etablieren. Und in diesem Sinne stehen wir auch in Kontakt mit den Eigentümern der beiden Galeria-Karstadt-Kaufhof Standorte in der Innenstadt. Das Konzept Warenhaus hat eine Zukunft, aber auf verringerter Fläche.“

Die Stadt sieht für die City bewusst Mischnutzungen von Handel, Freizeit, Gastronomie und Wohnen vor. Für das Kaufhof-Haus an der Breite Straße etwa hat der Eigentümer Aroundtown bereits Mitte 2025 entsprechende Umbaupläne vorgelegt. Danach soll es nur im Erdgeschoss und in einem Teil des ersten Obergeschosses noch Flächen für Handel geben. Im anderen Teil des ersten Geschosses bis inklusive des vierten Geschosses soll ein Hotel einziehen.

Zahlreiche Umbauten auf Hohe Straße und Schildergasse

In weiteren Gebäuden in der City ist die Mischnutzung ebenfalls geplant oder umgesetzt. So eröffnete nach jahrelangem Leerstand und Zwischennutzung im großen Eckhaus Schildergasse/An St. Agatha Ende 2025 ein Douglas-Flagshipstore. Darüber zog ein Fitnessstudio ein.

Neugebaut wurde an der Ecke Schildergasse/Herzogstraße. Hier zog unten das Schuhhaus Deichmann ein, das dafür seinen wesentlich größeren Stamm-Standort an der Schildergasse verließ. Darüber befinden sich Büroflächen.

Umbaupläne gibt es auch für den Riegel vom ehemaligen Uniqlo-Sitz an der Ecke Gürzenichstraße bis zum seit Langem leer stehenden ehemaligen Wempe-Sitz an der Hohe Straße, also in unmittelbarer Nähe zum Galeria-Gebäude. Der Kölner Projektentwickler Art-Invest, dem der gesamte Riegel gehört, will hier teilweise abbrechen und dann im Stil des Uniqlo-Gebäudes für eine Mischnutzung neu bauen. Der Abbruch soll Ende dieses Jahres beginnen. Fertig sein soll das Ensemble nach jetziger Planung 2029.

Auch das ehemalige Mantelhaus Görtz an der Ecke Hohe Straße/ Brückenstraße soll demnächst umgebaut werden. Neben Gewerbe und Büroflächen soll es auch Platz für Gastronomie geben. Der größte Brocken: Das Mediamarkt-Gebäude an der Hohe Straße soll ab 2027 komplett neu gestaltet werden. Im Erdgeschoss wird es Einzelhandel geben, darüber Büros und in den oberen Etagen Appartements und sieben Maisonette-Wohnungen mit Domblick. Die Immobilie ist mit fast 15.000 Quadratmetern das größte Grundstück zwischen Dom und dem Kaufhof.

Trotz aller Neubaupläne: Für die Einkaufsstadt Köln würde die Schließung des Galeria-Hauses an der Hohe Straße trotzdem einen historischen Einschnitt bedeuten. Das 1912 bis 1914 vom renommierten Architekten Wilhelm Kreis gebaute Warenhaus galt damals als eines der herausragenden Gebäude seiner Art und war über Jahrzehnte ein Aushängeschild der in Köln beheimateten Kaufhof AG und Magnet der Kölner City. Auch der „Karstadt“ an der Breite Straße, wie ihn die Kölner immer nennen, ist als Nachfolger des 1891 hier gegründeten Kaufhaus Carl Peters mit seiner denkmalgeschützten Fassade ein Fixpunkt in der Innenstadt.