Der Brühler Rentner Gottfried Michels hütete 45 Jahre lang eine Platte der letzten Bleidruckausgabe des Kölner Stadt-Anzeiger in seinem Keller.
Ein Stück ZeitgeschichteRentner aus Brühl hütete 45 Jahre lang eine besondere Druckerplatte

Eine der Bleidruckplatten, mit der das letzte Titelblatt des Kölner Stadt-Anzeiger in der alten Drucktechnik gedruckt wurde, bewahrte Gottfried Michels 45 Jahre lang im Keller auf.
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Als Gottfried Michels den Keller seines Hauses in Brühl-Ost gemeinsam mit der Tochter aufräumte, stieß er auf ein flaches Paket, das 45 Jahre lang dort gelegen hatte, eine blitzblanke Bleidruckplatte und Kunststoffmatritzen für den Guss der Druckplatte mit einigen Exemplaren des Kölner Stadt-Anzeiger vom 12. Mai 1981.
Michels erinnert sich: um ein Stück vom Blei für den Druck des letzten Titelblattes des Kölner Stadt Anzeigers im Bleidruckverfahren hatte er damals die Kollegen in der Druckerei gebeten. Denn mit diesen letzten Druckplatten für das Titelblatt war im Zeitungshaus in der Kölner Breite Straße die Ära des Bleidrucks zu Ende gegangen, das bekannte Verlagshaus wurde später abgerissen.
Mit großem technischem Aufwand hatte der Verlag die Druckerei am neuen Standort des DuMont-Hauses an der Amsterdamer Straße auf die neue, elektronisch gesteuerte Drucktechnik, den Lichtsatz umgestellt.
Erinnerungsstück wurde zunächst dem Pförtner anvertraut
„An dem Tag war ich aber nicht in der Druckerei tätig. Die Drucker hatten das Erinnerungsstück sorgfältig verpackt und dem Pförtner anvertraut.“, schilderte Gottfried Michels. Mit den Worten „Ich habe was für dich“, habe ihm der Pförtner das Geschenk der Drucker überreicht. Zunächst sollte die Platte einen Ehrenplatz in der geplanten Kellerbar seines Hauses finden. Dann hätten seine Frau Anna und er den Plan für den Partyraum fallen lassen, das gute Stück sei im Schrank verschwunden.
Der mittlerweile 88-jährige Rentner entschloss sich, das sichtbare Zeichen für das Ende der Bleidruckära im Zeitungsverlag der Brühler Redaktion dieser Zeitung zurückzuschenken, dort soll es doch noch zu Ehren kommen, so seine Idee.
Vom 1. Juni 1970 bis 31. Dezember 1997 war Michels als Meister im Installationshandwerk Gas-, Wasser und Heizungstechnik beim Verlag angestellt. Zu seinen Aufgaben in der Druckerei gehörte es, die Maschinenanschlüsse für Druckluft, Farbe und Öl in Stand zu halten. Darüber hinaus sei er Herr über die Trinkwasserquelle gewesen, die das Leitungssystem des Hauses neben einer städtischen Wasserversorgung versorgt habe. Um Heizungen habe er sich gekümmert und als Sicherheitsmeister für Unfall- und Arbeitsschutz um Sprinkleranlagen und rund 800 Feuerlöscher im großen Haus.
Michels erinnert sich gerne an jene Zeit und an einen großzügigen Arbeitgeber. „Wer bei DuMont angestellt war, der rühmte das Druckhaus als „et joldene Hüsje“, erzählte Gottfried Michels. Zu einigem Wohlstand habe ihm die Arbeit verholfen. „Anna du musst nicht arbeiten gehen“, habe er seiner Frau gesagt, sie habe sich statt dessen ehrenamtlich im Kreis der „Grünen Damen“ des Marienhospitals im Gespräch mit Patienten einsetzen können.
Die Titelseite zeugt von unruhigen Zeiten
Ein Blick auf die damals gedruckte Seite verrät, die Zeiten waren damals nicht viel ruhiger als heute. Aufmacher waren die tödlichen Schüsse auf den hessischen FDP-Wirtschaftsminister Heinz Herbert Karry und ein verhindertes Bomben-Attentat nordirischer Terroristen auf Königin Elisabeth II.. Auch der letzten Titelseite und dem Ende des Metteurs, der Bleizeilen aus der Setzmaschine zusammenstellte, widmete sich der Kölner Stadt-Anzeiger mit einem zweispaltigen Solobild. Nur den Lokalteil, damals noch „Zwischen Rhein und Erft“ genannt, suchte Michels in der mitgegebenen Druckausgabe der Zeitung vergebens – er hatte die Stadtausgabe geschenkt bekommen.
