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Führerscheinprüfung
Jeder Zweite ist im vergangenen Jahr beim Theorietest durchgefallen

Ein Schild mit der Aufschrift „Fahrschule“ ist auf einem Auto befestigt.

Im Durchschnitt nehmen die Fahrschüler etwa 30 Stunden, bevor sie sich zur Prüfung anmelden.

Bei den praktischen Prüfungen fällt etwa ein Drittel der Fahrschüler im Rheinland durch. Im Jahr 2021 haben etwa 102.000 Unter-Zwanzigjährige in NRW den Führerschein für Pkw erhalten.

Fast die Hälfte der theoretischen Pkw-Führerscheinprüfungen (47 Prozent) im Rheinland wurden im vergangenen Jahr nicht bestanden, bei den praktischen Prüfungen sind mehr als ein Drittel (35,5 Prozent) der Fahrschülerinnen und Fahrschüler durchgefallen. Dies geht aus Zahlen hervor, die der TÜV-Rheinland dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ zu Verfügung gestellt hat.

Während die Durchfallquoten bei den praktischen Prüfungen für die Fahrzeugklasse B in den vergangenen Jahren bis in die Vor-Corona-Zeit relativ stabil waren, sind sie bei der Theorie von 2019 bis 2022 kontinuierlich um insgesamt fünf Prozent gestiegen.

Dafür gebe es sicherlich mehrere Gründe, so Arne Böhne vom „Competence Center“ des TÜV. Einer sei, dass die Motivation eines Teiles der Prüfungsteilnehmer wohl etwas gesunken sei. Hinzu komme eine „verbesserungswürdige Verkehrserziehung“ in den Schulen, die „mit dem komplexer werdenden Verkehr nicht Schritt gehalten“ habe und „nach wie vor mit dem Fahrradführerschein nach der vierten Klasse“ ende. „Zusätzlich trauen Eltern ihren Kindern seltener als früher zu, kurze Strecken zur Schule oder zum Sportverein selbst zu bewältigen“, so Böhne. „Stattdessen werden die Heranwachsenden vom Elterntaxi gefahren, nehmen nicht aktiv am Straßenverkehr teil.“ Diese Defizite bei der Fahrschulausbildung dann immer vollständig zu kompensieren, sei schwierig und bedürfe „zusätzlicher Ressourcen“.

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Menschen aus Nicht-EU-Ländern müssen den „Lappen“ neu machen

Zudem müssten Menschen aus Nicht-EU-Ländern, die dauerhaft nach Deutschland kommen, spätestens nach einem halben Jahr ihre im Heimatland erworbene Fahrerlaubnis umschreiben lassen. Dafür müssen sie dann wie jeder Fahranfänger die praktische und theoretische Prüfung ablegen. Der Anteil dieser „Umschreiber“ an der Gesamtzahl der Fahrschüler sei „weiterhin hoch“ und mache je nach Standort zwischen sieben und zehn Prozent aller Prüfungen aus, so Böhne. „Zwar werden insgesamt zwölf Fremdsprachen bei der theoretischen Prüfung angeboten, dennoch ist die Sprachbarriere häufig ein Hindernis und das Verkehrsverständnis nicht groß.“

Die NRW-weite Durchfallquote zumindest in den praktischen Prüfungen überrascht Kurt Bartels vom Fahrlehrerverband Nordrhein jedoch nicht. „Die lag im Durchschnitt immer schon bei einem Drittel.“ In Großstädten sei sie meist höher als auf dem Land. „In der Stadt sind die Verhältnisse auch schwieriger: Höheres Verkehrsaufkommen und höhere Verkehrsdichte bedeuten zwangsläufig auch größere Anforderungen an die Prüflinge“, so Bartels. „Die Unwägbarkeiten bis hin zu möglichen Fehlern anderer Verkehrsteilnehmen sind im städtischen Verkehrsdschungel deutlich wahrscheinlicher als im ländlichen Bereich.

Ansprüche sind während der Fahrprüfung drastisch gestiegen

Zudem seien die Prüfungsanforderungen deutlich gestiegen. War man vor einigen Jahrzehnten gelegentliche gerade mal eine Viertelstunde mit dem Prüfer unterwegs, dauert die Prüfung heutzutage mit Vor- und Nachbesprechung mindestens 55 Minuten. „Darin sind 30 Minuten reine Fahrzeit, mir Rangieren oder Einparken ist man dann schnell bei 40 Minuten im Einsatz: Das ist schon eine enorm lange Zeit“, betont Bartels. Und bei dem „heutigen Gewühl auf den Straßen“ könne dann schnell auch mal ein Fehler gemacht werden.

Nicht am Stoppschild oder vor einem Grünpfeil-Schild stehen bleiben beispielsweise, Fahrstreifen-Wechsel ohne den Verkehr zu beobachten, länger als drei Sekunden mit 55 Kilometern die Stunde in einer 50er-Zone fahren: „Auch das sind sozusagen Fehler mit Sternchen, für die man sofort durchfällt“, erklärt der Verbandsvorsitzende: „Einmal in der Prüfung gemacht und sofort ist Ende.“ Zwar schreibe der Gesetzgeber lediglich zwölf Pflichtstunden in Fahrschulen vor, bevor die Prüfung absolviert werden dürfe. „Aber was in Summe so um die 30 Fahrstunden liegt, ist heutzutage normal – im Großstadtbereich eher noch mehr“, so Bartels. Insgesamt koste der Führerschein deshalb durchschnittlich etwa zweieinhalbtausend Euro.

Verbandssprecher: Fahrschulen im Rheinland sind „brechend voll“

Obwohl die Branche mit Problemen gerechnet habe, seien die „Fahrschulen im Rheinland seit Corona brechend voll“ gewesen. „Wir haben den Eindruck, dass viele Menschen den Führerschein gemacht haben, auch weil sie sich während der Pandemie nicht in den öffentlichen Verkehr setzen wollten“, berichtet Bartels.

Ein Trend, der sich landesweit zumindest bei den Jüngsten nicht durchgesetzt hat. Denn deren Zahl hat in den vergangenen Jahren stetig abgenommen, wie einem Papier der Landesregierung zu entnehmen ist. Wurde 2016 beispielsweise noch 130.856 Unter-Zwanzigjährigen die Fahrerlaubnis für Pkw erteilt, waren es 2018 nur noch 118.050 und 2021 lediglich 102.081.

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