Radfahrer und Fußgänger mit gültigem VRS-Ticket können während der Sperrung der Bahntrasse die Fähre Königswinter kostenlos nutzen
SperrpauseRheinfähre in Königswinter wird in den Schienenersatzverkehr integriert

Am Fähranleger in Königswinter (v.l.) : Jonathan Grunwald, Norbert Reinkober und Michael Birk
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Von einem „Experiment“ sprach Norbert Reinkober, von einer „Premiere für NRW“ Jonathan Grunwald. Gemeint war in beiden Fällen, dass die Rheinfähre Königswinter–Mehlem Bestandteil des Schienenersatzverkehrs wird, wenn die rechtsrheinische Bahntrasse für die „Korridorsanierung“ zwischen Troisdorf und Wiesbaden von Juli bis Dezember voll gesperrt wird. Dann fahren purpurfarbene Busse statt Bahnen der Linien RE8 und RB27 durch die Region.
„Was lag näher, als die Fähren mit in das Konzept einzubeziehen?“, sagte Norbert Reinkober, der Geschäftsführer des für den Schienenpersonennahverkehr Verbands Go Rheinland, als er mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Jonathan Grunwald und dem Fährbetreiber Michael Birk über die Idee informierte.
Regelung gilt nicht für motorisierte Fahrzeuge
Vom 10. Juli bis zum 11. Dezember können Fußgänger und Radfahrer mit einem Ticket des VRS-Verbundtarifs die Fähre zwischen Königswinter und Mehlem kostenlos nutzen. Ein zusätzliches Fahrradticket muss nach Verbandsangaben nicht gekauft werden. Aber: „Motorisierte Fahrzeuge sind von der Integration ausgeschlossen – unabhängig davon, ob die Fahrerin oder der Fahrer über ein gültiges VRS-Ticket verfügt“, teilt Go Rheinland mit.
Nahverkehrsplaner wollen – wie auch die Fährkollegen weiter südlich in Erpel und Linz – von der Sperrung betroffenen Fahrgästen eine „zuverlässige und gleichzeitig flexible Möglichkeit zur Rheinquerung bieten“. Sie können dann auf die linksrheinischen Zugverbindungen ausweichen.
Rheinfähre-Geschäftsführer Michael Birk: „Die Integration unserer Fähre in den Schienenersatzverkehr macht wirklich Sinn, denn so können die linksrheinischen Zugverbindungen am Bahnhof Mehlem schnell und unkompliziert erreicht werden.“ Die Strecke zwischen dem Fähranleger in Mehlem und dem Mehlemer Bahnhof beträgt rund 650 Meter.
Reinkober betonte, beim Schienenersatzverkehr beziehungsweise dem Einsatz von Bussen von der Bahn müsse „ganz viel gemacht“ werden, „um die Masse an Fahrgästen überall gut hinzukriegen“. So wird die Stadtbahnlinie 66 zwischen Bonn-Ramersdorf und Clemens-August-Straße in Königswinter im Zehn-Minuten-Takt fahren.
Die Bahn hatte bereits einen „hochwertigen Ersatzverkehr“ versprochen, mit maximal drei Jahre alten Bussen, Echtzeitinformation über Bildschirmen in den Fahrzeugen und an den Haltestellen sowie einem klaren Leitsystem am Boden. Es werde Regionalbusse und Expressbusse geben, ergänzte Norbert Reinkober.
Go Rheinland erstattet dem Fährunternehmen die Kosten für die Kunden, die während der Trassensperrung mit einem ÖPNV-Ticket über den Rhein fahren. Details zur Vereinbarung wollten Reinkober und Birk nicht verraten. Nach Angaben des Go-Rheinland-Chefs waren die Betreiber der Fähren Bad Honnef –Remagen–Rolandseck und Königswinter–Bad Godesberg nicht zu einer ähnlichen Vereinbarung bereit.

Vorboten des während der Sperrpause geplanten barrierefreien Ausbaus des Bahnhofs in Königswinter: Eine Wasserleitung muss verlegt werden.
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Nach Einschätzung von Jonathan Grunwald müsse man am Ende sehen, ob das „Experiment“ nicht als „Mosaikstein“ dauerhaft zu einem besser vernetzten ÖPNV-Angebot beitragen könne. Er erinnerte daran, dass die Region mit der Fünf-Jahres-Baustelle an der Tunnelkette der B42, mit dem Brückenneubau an der gesperrten L193 bei Niederdollendorf und der nun anstehenden Korridorsanierung der Bahn verkehrlich stark belastet sei.
Laut Go Rheinland „bietet die Integration der Fähre auch die Chance, neue Wege in der Vernetzung verschiedener Verkehrsträger zu erproben. Das Projekt kann daher als Pilotprojekt für eine mögliche zukünftige Tarifintegration betrachtet werden.“

