Seit über 40 Jahren geht Matthias Bönisch ungewöhnliche Wege beim Hausbau. Möglichst viel Energie, Platz und Verschmutzung soll eingespart werden.
Drittes BauprojektDas Ehepaar Bönisch denkt Nahwärme beim Hausbau in Windeck direkt mit

Hausherr und Architekt Matthias Bönisch vor dem oberen Haus mit Blick auf seine drei Mietshäuser.
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„Wir sind selbst Bauleute“, zeigt sich Ruth Bönisch aus Windeck-Werfen optimistisch, dass ihr aktuelles privates Bau-Abenteuer gut gelingen wird, denn Heizen mit Nahwärme ist auch für sie und ihren Mann Matthias Neuland.
Der 76-jährige Architekt Matthias Bönisch betreibt mit seiner Frau weiterhin als Freiberufler ein Planungsbüro für ökologisches Bauen. „Matz hatte Langeweile“, schmunzelt Ruth Bönisch, als sie erzählt wie es dazu gekommen ist, dass sie derzeit ein neues Haus zwischen ihre beiden benachbarten Mietshäuser bauen, die sie vor über zwanzig Jahren als Altersvorsorge in direkter Nachbarschaft gebaut haben. Das noch freie Grundstück gehörte ihnen schon.
Architekt Bönisch ging schon vor 40 Jahren ungewöhnliche Wege
Damit aber nicht genug, denn der Architekt ist vor über 40 Jahren schon ungewöhnliche Wege gegangen. Damals wollte er mit Leichtlehm und Fachwerk bauen. „Das machen wir heute nicht mehr“, erzählt seine Frau, „die für eine gute Dämmung erforderlichen Wanddicken trockneten bei der in Schalung gestampften feuchten Stroh-Lehm Mischung nicht mehr zuverlässig aus.“
Es war sehr experimentell damals, deshalb bauten wir vor 27 Jahren erstmal für uns selbst ein Strohballenhaus.
Deshalb kam Ihnen die Idee, vor 27 Jahren, ein Strohballenhaus zu bauen, indem der Kern der Dämmung der Strohballen ist und außen und innen ein Stroh-Lehm Putz aufgetragen wird. Literatur dazu gab es nur aus den USA. „Es war sehr experimentell damals, deshalb bauten wir erstmal für uns selbst ein Strohballenhaus“, zeigt Matthias Bönisch auf das obere der drei Mietshäuser.
Strohballenbau erziele hervorragende Dämmwerte
Ein anderes Zweifamilienhaus neueren Datums haben sie im unteren Teil des Ortes gebaut. „Beim Strohballenbau lassen sich hervorragende Dämmwerte erzielen, die Pelletheizung ist super sparsam“, so Bönisch. „Die Heizkosten für 200 die Quadratmeter Wohnfläche belaufen sich dort auf 300 Euro pro Jahr.“ Beim neuen Projekt wollen die Bauleute ebenfalls möglichst viel einsparen: Energie, Platz, Wartung und Verschmutzung.
Die beiden älteren Mietshäuser haben Gasheizungen, die über zwanzig Jahre alt sind. „Wir möchten nicht in jedem Haus eine hoch komplizierte Heizung haben“, zählt Matthias Bönisch einige Gründe für ihre Entscheidung für Nahwärme auf. Inspiriert wurden Bönischs durch die Nähwärme-Initiative Windeck.
Neues Heizsystem: Mietshäuser sollen mit Nahwärme versorgt werden
Der Neubau schreitet fort und gerade hat der Tiefbauunternehmer ein dickes Rohr verlegt, durch das demnächst alle drei Mietshäuser mit Nahwärme versorgt werden sollen. Beim Neubau, wieder ein Strohballenhaus, wird die Windecker Firma „Treibholz“, deren Gründervater Bönisch ist, das Ständerwerk aufstellen. Die österreichische Firma Ökofen berät, aufgrund ihrer Erfahrung mit Pelletheizungen, die Firma Hundhausen Energietechnik aus Windeck-Leuscheider beim Einbau des Pelletkessels und der Wärmeverteilung in die drei Wohngebäude.

Pelletheizung und Heizwasserspeicher versorgen alle drei Häuser mit Nahwärme.
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Dafür wurde im oberen Haus unterhalb eines Überdachs ein zweimal zweieinhalb Meter großer Raum gebaut. Aus einem Textilsack werden die Pellets angesaugt und in die Heizanlage eingebracht. Jedes Haus erhält zudem einen eigenen Warmwasserspeicher. Fällt dort die Wassertemperatur, die etwa bei 60 Grad liegt, kann entweder über Kollektoren, über die jedes angeschlossene Haus verfügt (Photovoltaik und Solarthermie) Heizwasser erwärmt werden oder es geht ein Signal an die Pelletheizung. Auch der Neubau bekommt über die gesamte Dachbreite Kollektoren zur Heizungsunterstützung.
Die Kosten belaufen sich ohne Tiefbau auf 76.000 Euro. Zudem gibt Zuschüsse vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Höhe von 30 Prozent. Erst wenn die alten Gastanks leer sind, darf das neue Heizsystem an den Start gehen. „Wir haben im vergangenen September mit den Erdarbeiten begonnen. Ich möchte in diesem Jahr meinen 70. Geburtstag im Herbst im neuen Haus feiern“, freut sich Ruth Bönisch.

