Tote Tiere wurden an der Sieg noch nicht entdeckt. Dennoch seien langfristige Folgen nicht auszuschließen, sagen Biologen und Fischereiexperten.
UmweltexpertenGefahr für die Sieg ist nach Öl-Unfall in Windeck noch längst nicht gebannt

Nach dem Ölunfall wiesen Schilder auf die Gefahr hin: Baden war ebenso verboten wie Angeln. Archivfoto.
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Nach dem Öl-Unfall an der Sieg bei Windeck-Imhausen, bei dem bis zu 2000 Liter Heizöl in den Fluss gelaufen waren, beobachten Fachleute die Auswirkungen auf die Natur: Ein Fischsterben sei bislang ausgeblieben, die Auswirkungen seien allerdings erst mittelfristig erkennbar.
Dass ein Naturschutzgebiet und eine große Menge Heizöl nicht zusammengehörten, verstehe sich von selbst. „Wie sich das auf ein Ökosystem auswirkt, kann man trotzdem nicht pauschal sagen, das ist komplex“, sagt Armin Nemitz, Biologe beim Rheinischen Fischereiverband. Dieser hat einen Standort in Siegburg. „Es hängt davon ab, was für ein Öl es war: Altöl, Diesel, Schweröl oder Heizöl. Dann spielen auch die Verdünnung und die Abflussverhältnisse eine Rolle, ebenso der Zeitpunkt, an dem man eingreift“, erläutert er.
An der Sieg bei Windeck ist bisher kein Fischsterben zu beobachten
Ein dichter Ölfilm an der Wasseroberfläche könne den Sauerstoffaustausch im Wasser blockieren und Fische ersticken lassen. „Bei hohen Temperaturen im Sommer geschieht das schneller und in einem Teich schneller als in einem Fluss, weil das Wasser da nicht abfließen kann. Die Fische können aber bereits an verklebten Kiemen oder toxischen Stoffen sterben.“
Was noch zu tun sei, könne er nicht sagen. „Das Öl kann sich auch im Kies ablagern, ebenso die Algen auf Steinen schädigen. Von der Reinigung bis zum Abbaggern des Ufers ist alles möglich, vielleicht hat die große Verdünnung aber schon ausgereicht.“ Auch die Tierwelt an der Sieg könne betroffen sein. „Da leben Vögel und Biber, deren Gefieder und Fell verkleben kann. Dass wir da bisher nichts gefunden haben, muss nichts heißen. Allerdings scheinen die Maßnahmen, um das Öl aufzufangen, zu wirken – sonst wären auch weiter flussabwärts regenbogenfarbene Schlieren aufgekommen.“
„Der Fischbestand ist bisher nicht in Mitleidenschaft gezogen worden, tote Fische konnten wir zumindest nicht entdecken – Entwarnung bedeutet das aber nicht“, bestätigt Stefan Höhner, Geschäftsführer der Sieg-Fischereigenossenschaft (SGF). Er habe sich am Montag die Reinigungsarbeiten angesehen. „Die laufen tipptopp, ich habe kaum noch Ölfahnen im Gewässer gesehen“, bewertet er. Relevant sei das Ergebnis von Gewebeproben. „Momentan besteht geringer Handlungsbedarf, aber wir müssen dem weiter nachgehen. In der Haut des Verursachers möchte ich nicht stecken.“
Öl als tickende Zeitbombe: Alle Kleintiere im Wasser können Schaden nehmen
Die SGF sei in Gesprächen mit den zuständigen Behörden. „Öl ist eine tickende Zeitbombe: Es kann sich in Flachwasserzonen absetzen, in dem zwei bis drei Zentimeter flachen Wasser leben Jungfische.“ Anders als ein Giftstoff, der sich durch das Wasser verdünne, schwimme Öl oben auf, bis es abgefangen werde. Auch der Zoobenthos, also die Gesamtheit aller Kleintiere im Gewässer, könne Schaden neben. „Wie sich das auf Schnecken, Würmer, Larven oder Asseln auswirkt, sehen wir erst mittelfristig“, sagt Höhner.
Wie die Situation für Anglerinnen und Angler sei, könne er nur schwer bewerten. „Es gibt ja keine Warnung für den Fang von Fischen hinter der Sperrzone. Die Kontamination war ja nur kurz, darum könnte man sie auch verzehren. Wir wissen aber nicht, ob sich das Öl langfristig im Gewebe ablagert“, erklärt er. „Wenn wir Glück haben, kommen wir mit einem blauen Auge davon.“
