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Mann über BordTheatergruppe Sankt Remigius aus Hennef-Haüpperschoß brilliert mit Nachwuchs

4 min
Die Theatergruppe Sankt Remigius aus Hennef-Happerschoß spielte zum 30-jährigen Bestehen den Schwank „Mann über Bord“.

Die Theatergruppe Sankt Remigius aus Hennef-Happerschoß spielte zum 30-jährigen Bestehen den Schwank „Mann über Bord“.

Seit 30 Jahren gibt es die Gruppe, ein Gründungsmitglied spielt noch mit, aber auch viele junge Gesichter sind dabei.

Mann über Bord, davon träumen so einige Mitreisende auf dem Flusskreuzfahrtschiff MS Bratislava. Die Theatergruppe Sankt Remigius aus Hennef-Happerschoß hat das gleichnamige Stück von Regina Harlander im Pfarrheim in Szene gesetzt. Michael Clauß und seine Tochter Johanna Adam haben die überaus vergnügliche Komödie in drei Akten inszeniert.

Sie können sich dabei auf ein Ensemble gut aufgelegter Schauspielerinnen und Schauspieler verlassen. Seit 30 Jahren gibt es die Gruppe, 24 Stücke haben sie in dieser Zeit auf die selbst aufgebaute Bühne gebracht. Von Anfang an dabei ist Ingrid Gerhards, die einzige aus der Zeit der Gründung. Als Ernestine Knapp hat sie im jüngsten Stück zwei anstrengende Männer im Gepäck.

Ingrid Gerhards als Ernestine Knapp ist Gründungsmitglied. Georg Pick als ihr Bruder ist nach Jahren wieder dabei, aus der jüngsten Generation kommt Jamiro Putzolu alias Hartmut Knapp.

Ingrid Gerhards als Ernestine Knapp ist Gründungsmitglied. Georg Pick als ihr Bruder ist nach Jahren wieder dabei, aus der jüngsten Generation kommt Jamiro Putzolu alias Hartmut Knapp.

Da ist zum einen ihr älterer Bruder Hans-Georg Schreck, Ex-Offizier und besserwisserischer Muffel, der seinen Spazierstock gern gegen Menschen schwingt. Georg Pick ist nach einigen Jahren Pause zurückgekehrt und hat sichtlich Freude daran, den Schwerenöter zu geben. Der andere ist Hartmut Knapp, Versicherungsvertreter für alle Fälle, ein ängstlicher Mensch, der überall Gefahren lauern sieht. Deshalb kann er auch so gut Policen gegen alle Risiken verkaufen. Jamiro Putzolu spielt ihn überzeugend.

Die jungen Wilden übernehmen die schauspielerische Verantwortung

Seine Mutter Inka Putzolu spielt Luise Müller, die bei ihm eine Versicherung für ihren Mann abgeschlossen hat. Den will sie nämlich bei der Kreuzfahrt „entsorgen“: Madame Mystique hatte ihr schließlich geweissagt, dass sie in Bratislava all ihren Ballast los werde. Erwin Müller ist der klassische Hypochonder, der überall neue Krankheiten wittert, Angst vorm Sitzen genau so wie vor der Farbe Gelb oder der Schwiegermutter hat. Arne Boll, auch einer von den „jungen Wilden“, verleiht ihm nerviges Charisma.  

Steward Lothar (Raffael Rindfleisch) lässt sich von Madame Mystique (Johanna Adam) die Zukunft voraussagen.

Steward Lothar (Raffael Rindfleisch) lässt sich von Madame Mystique (Johanna Adam) die Zukunft voraussagen.

Elli Huber ist noch so eine Frau, die an Madame Mystique glaubt. Astrid Bomm, immer noch eine von den Jungen, aber mit viel Erfahrung, spielt die vermeintlich Einfältige, die wunderbare Wortdreher zaubert - aus Steward wird Schuhwart - ganz entzückend mit naiver Noblesse und hat es dabei doch faustdick hinter den Ohren. Ihr Mann Otto behandelt sie ein wenig herablassend, verbessert sie immer wieder. Benni Vogt kann das herrlich herablassend.

Sie sind eine voll erblühte Dahlie im sanften Abendlicht.“
Henning Pick als Willibald Schneider

Ein Ausbund an Schmierlappigkeit ist Willibald Schneider. Ausgestattet mit einem Selbstbewusstsein bar jeden Realitätsbezugs baggert er jede Passagierin an, bezirzt sie mit dem, was er selbst für Charme hält. Henning Pick, Sohn des anderen Pick, ist dafür die ideale Besetzung. Für jede Angebetete hat er den gleichen Spruch drauf, nur die Blume wechselt: „Sie sind eine voll erblühte Dahlie im sanften Abendlicht.“ Aber es kommt an bei den solchermaßen Verführten.

Mit böser Ignoranz erhebt er sich über seine Frau Helena, die selbst auf dem Schiff einen Plan braucht, um sich zu orientieren. Franzi Clauß, wie Pick Mimin der jüngsten Generation, überzeugt als die Naive, verbündet sich aber mit den Gespielinnen ihres Gatten. 

Elli Huber (Astrid Bomm) lässt sich von Willibald Schneider (Henning Pick) beinah verführen.

Elli Huber (Astrid Bomm) lässt sich von Willibald Schneider (Henning Pick) beinah verführen.

Die eigentlichen Stars des Plots sind aber die Bediensteten an Bord. Da ist die arbeitsscheue Erna Kowalsky, der Martina Clauß einen köstlichen Akzent verpasst. Statt zu reinigen liest sie oder behauptet, die Sauna sauber zu machen, tatsächlich aber schnarcht sie vor sich hin. Das regt Steward Lothar mehr und mehr auf. Raphael Rindfleisch ist die Rolle auf den Leib geschrieben, hat er doch im wahren Leben in der Gastronomie in guten Häusern gelernt. Souverän meistert er alle Herausforderungen seiner alles andere als einfachen Gäste.

Martina Clauß alias Erna Kowalsky benötigte die Souffleuse Sonja Hebold nicht.

Martina Clauß alias Erna Kowalsky benötigte die Souffleuse Sonja Hebold nicht.

Regisseur und Regisseurin teilen sich die Rolle von Monsieur/Madame Mystique an den beiden Wochenenden, an denen das Stück insgesamt fünfmal gespielt wird. Ein bisschen abgewrackt und pleite lässt sich der Wahrsager/die Wahrsagerin mit Champagner voll laufen und weckt Hoffnungen, die sich im Showdown erfüllen - wenn auch anders als erwartet.

Die Inszenierung lebt von der Spielfreude der Darstellerinnen und Darsteller. Das Regie-Duo hat das Ensemble gut eingestellt, jede und jeder ist angekommen in der Rolle. Michael Clauß sorgte zu Beginn noch für einen nachdenklichen Moment. An Karneval war ein Aktiver aus dem Dorfleben bei einem tragischen Hausunfall tödlich verletzt worden. Für die Familie bat Clauß um Spenden, die Theatergruppe selbst hatte schon 1000 Euro bereitgestellt. Das Publikum geizte weder mit Applaus noch mit Geld.