Fällarbeiten im SiegtalDas passiert an der gesperrten L333 zwischen Eitorf und Hennef

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Ein Mann in Arbeitskleidung und mit Helm steht an einer von Bäumen gesäumten Straße. Links ist ein mit einem Drahtnetz gesicherter, szteiler Fels zu sehen EIn Bagger hält einen Baumstamm.

Auf der gesperrten L333 transportiert der Fällbagger einen gekappten Baum aus dem Hang auf die Straße.

Die L333 zwischen Hennef-Bülgenauel und Eitorf-Bach ist wegen Baumfällungen voll gesperrt. Wir schauten bei den Arbeiten zur Hangsicherung zu.

Kracks. Die große Schere des Fällbaggers mit den scharfen Zähnen schließt sich und schneidet die Baumspitze durch wie Butter. In weitem Bogen hebt der Kranarm sie auf die Straße, wo schon die Kettensägen bereit liegen, um sie zu zerstückeln.

Seit Dienstag arbeitet der Eitorfer Forstbetrieb Schumacher im Auftrag des Landesbetriebs Straßen im Steilhang an der Landesstraße 333. Rund 500 Bäume sollen auf dem elf Kilometer langen und für die Arbeiten voll gesperrten Abschnitt zwischen Bülgenauel und Bach gefällt werden, um die Straße zu sichern.

Im Hang an der L333 werden nur Bäume gefällt, die eine Gefahr darstellen

Dabei bedeute Fällen nicht immer, dass der ganze Baum dran glauben müsse, erläutert Anja Neuhaus, die als Diplom-Ingenieurin in Landschaftsbautechnik für Straßen NRW im Siegtal im Einsatz ist. Die Wurzeln bleiben, Markierungen an den Stämmen zeigen an, ob Totholz und Äste entfernt, ob nur die Spitze abgeschnitten oder der Baum ganz gekappt wird.

„Die Stämme bleiben im Wald und werden hinter den Stümpfen und Bäumen gesichert, um neue Biotope zu schaffen“, erläutert Neuhaus. Nur wenn dies nicht gefahrlos möglich sei, würden sie entnommen. „Kein Kahlschlag“ sei im dicht bewaldeten Hang geplant, versichert Mohamed Abodahab, Abteilungsleiter Bau.

Drei Männer und eine Frau in Arbeitskleidung stehen vor einem mit einem schweren Stahlnetz gesicherten Fels.

Markus Klein, Mohamed Abodahab, Simon Josten und Anja Neuhaus diskutieren an einer mit einem Stahlnetz gesicherten Felswand.

Nur sogenannte Gefahrenbäume würden gefällt, die durch ihren Wuchs oder Krankheiten umzufallen oder abzubrechen drohten. Schließlich gehe es darum, die stark befahrene L 333 zu sichern. Eine sechsmonatige Sperrung wie nach dem großen Hangrutsch im Januar 2021 wolle man verhindern, so Abodahab.

30 Kilometer Wald entlang der L333 müssen kontrolliert werden

Im Mai 2022 seien die Bäume im Steilhang unterhalb von Blankenberg kontrolliert worden, parallel habe man ein geologisches Gutachten erstellen lassen. „Nach den Fällarbeiten muss der Geologe diese Bereiche aber noch einmal kontrollieren. Wahrscheinlich werden wir noch einmal Netze anbringen müssen“, so der Fachmann, der auch 2021 die Sicherungsmaßnahmen betreute.

„Es war ja Forderung der Politik, die Straße langfristig sicher zu machen.“ 30 Kilometer Waldbewuchs entlang der Strecke gilt es zu kontrollieren. „An manchen Stellen müssen wir bis zu 50 Meter tief in den Hang hinein fällen“, beschreibt Neuhaus die aufwändigen Arbeiten. Parallel sind Fachleute unterwegs, die besonders gekennzeichnete Bäume begutachten.

Simon Josten von der Firma Ecotone untersucht, ob Nester, Horste oder gar Fledermaushöhlen in den Bäumen sind. Aber: „Die Bäume, die hier gefällt werden, sind Totholz oder zu dünn“, beruhigt Josten. Ein Greifvogelhorst könne einen Durchmesser von über einem Meter haben; bevor Fledermäuse in eine Baumhöhe einzögen, vergingen um die 20 Jahre.

Eine Frau mit einem Sicherheitsgeschirr und Helm hängt an Seilen an einem Baumstamm.

Lisa Stegmeyer klettert auf eine Ulme und überprüft eine Höhle.

Dennoch hat Baumpflegerin Lisa Stegmeyer ihr Sicherungsgeschirr angelegt und klettert behände an einer Ulme hoch, an deren Stamm eine Höhle erkennbar ist. Mit einem Endoskop schaut sie, was dort drin ist. „Blätter!“ Sicherheitshalber entnimmt sie eine Probe.

Die Sicherungsarbeiten im Siegtal gehen auch nach der Sperrung weiter

Ist diese ausgewertet, entscheidet Abodahab, ob der Baum wie geplant gefällt oder anderweitig gesichert wird. „Artenschutz ist uns sehr wichtig“, betont er. Ein Umweltverträglichkeitsgutachten sei selbstverständlich vor dieser Aktion erstellt worden.

Richtung Bach, hoch oben an einer Klippe, musste eine Gruppe Douglasien gefällt werden. „Die ganze Gruppe hatte die Stabilität verloren“, erklärt Forstwirtschaftsmeister Markus Klein aus Windeck. „Die Bäume hatten an der Felskante keine Chance, in die Tiefe zu wurzeln.“ Viel zu hoch sei Gefahr eines Absturzes gewesen, „90 Prozent der nicht standsicheren Bäume kippen auch runter“, weiß Klein aus Erfahrung.

Gut voran gehen die Arbeiten: Vielleicht schon Ende dieser Woche, ganz sicher aber Ende Februar sollen sie beendet sein. Dann wird auch die Straßensperrung wieder aufgehoben. Die Sicherungsarbeiten mit großen Stahlnetzen an der Verkehrsader zwischen Hennef und Eitorf aber gehen weiter. Nach der Auswertung der geologischen Gutachten „wird es noch in diesem Jahr eine Ausschreibung geben“, sagt Abodahab.

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