Dass Feiern wie die auf dem Siegburger Marktplatz nicht mehr stattfinden, ist nachvollziehbar, findet unser Autor - es brauche jedoch Alternativen.
Karneval feiernJugendliche in Rhein-Sieg brauchen Struktur und Angebote


In der Hennefer Halle Meiersheide können Jugendiche feiern. (Archivfoto)
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
Als ich in den Nuller-Jahren zur Schule ging, war „Gehst du Denkmal?“ eine geläufige Frage in den Wochen vor Karneval. Sie bedeutete: „Fährst du an Weiberfastnacht auf den Siegburger Markt?“ Als Lohmarer Schüler war es ungeschriebenes Gesetz, dort zu feiern und nicht in Köln, das weit weg und zu voll war. Stimmung kam auch im Schatten des Michaelsbergs auf.
Allerdings war der Alkoholexzess damals schon ein Thema, die Stadt Siegburg erlebte Auswüchse, wie sie heute auf der Zülpicher Straße in Köln zu sehen sind – und ähnlich hilflos, wie die Verwaltung der Millionenstadt herumlaviert, um das Chaos in Bahnen zu lenkte, agierte vor zehn Jahren auch die Stadt Siegburg. Sie empfahl gar, an Weiberfastnacht nicht nach Siegburg zu kommen – so, wie es die Stadt Köln heute tut. Insofern ist nachvollziehbar, dass diese Party Geschichte ist.
Schulen sollten sich an Weiberfastnacht nicht aus der Verantwortung ziehen
Dass es mittlerweile keine Straßenpartys für Jugendliche mehr gibt, liegt vor allem an den Schulen: Einige nutzen den beweglichen Ferientag, um sich an Weiberfastnacht nicht selbst mit angetrunkenen Jugendlichen auseinandersetzen zu müssen. Damit fehlt nicht nur die Struktur, sondern auch die Möglichkeit, das Brauchtum vorzuleben, etwa in Form einer schulinternen Feier.
Wer stattdessen zu Hause bleiben kann, macht sich womöglich gar nicht erst auf, um Gleichaltrige zu treffen. In Hennef werden Jugendliche dagegen abgeholt, wo sie stehen – im Wortsinn, denn sie können Shuttle-Busse zu einer altersangemessenen Party nutzen. Diese sollte unbedingt kostenlos sein, denn schon kleine Eintrittsgelder schrecken Jugendliche ab. Den wirtschaftlichen Gedanken sollten Organisatoren ausblenden – das hat nun auch die Stadt Siegburg verstanden.
Was eine öffentliche Fete auf den Marktplätzen angeht, so obliegt es auch den Jugendlichen selbst, sie wieder zu etablieren: Auch die Überfüllung des Zülpicher Viertels in Köln ist nicht entstanden, weil es ein tolles Bühnenprogramm gab oder das Kölsch einen Euro billiger war. Sondern weil viele junge Menschen einem Trend folgten. Wenn sie wieder draußen feiern, mit eigener Musik und intrinsischer guter Laune, kommen im nächsten Jahr vielleicht ein paar Gruppen hinzu. Das ist es, was Straßenkarneval ausmacht.

