Simon Batta und Carsten Stahl werfen Heike Jüngling üble Nachrede und Verleumdung vor. Es geht um die Reaktionen nach der Gewalttat gegen einen 14-Jährigen.
„Beleidigung“Jugendcoaches gehen juristisch gegen Königswinters Bürgermeisterin vor

Simon Batta bei der Demo unter dem Motto „Haltung statt Schweigen“auf dem Markt in Königswinter.
Copyright: Ralf Klodt
Die Jugendcoaches Simon Batta (Königswinter) und Carsten Stahl (Berlin) haben juristische Schritte gegen Königswinters Bürgermeisterin Heike Jüngling eingeleitet. Sie werfen dem Stadtoberhaupt unter anderem Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung vor, zählt die von den beiden eingeschaltete Rechtsanwältin Magdalena Markic auf.
Sie hat nach eigenen Angaben einen Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft in Bonn gestellt. Außerdem strebe sie im Eilverfahren eine gerichtliche Verfügung an, um der Bürgermeisterin bestimmte Äußerungen über die Coaches zu untersagen.
Jüngling selbst betont auf Anfrage, ihre in ihrem Whatsappkanal gemachten Angaben könne sie belegen beziehungsweise ihre Aussagen seien von der Meinungsfreiheit gedeckt. Eine zuvor schon von der Anwältin verlangte Unterlassungserklärung hat die Bürgermeisterin nach eigener Aussage nicht unterschrieben. „Warum sollte ich?“
Alles zum Thema Siebengebirge
- „Beleidigung“ Jugendcoaches gehen juristisch gegen Königswinters Bürgermeisterin vor
- Auffahrunfall Autobahn 3 bei Köngswinter nach Kollision von drei Fahrzeugen zeitweise gesperrt
- Schwerer Unfall in Königswinter 22-Jähriger ohne Führerschein prallt gegen Strommast
- Lebensbedrohliche Verletzungen Endurofahrer prallt in Königswinter gegen Strommast
- Vernachlässigt und abgemagert Kreisveterinäramt beschlagnahmt in Königswinter 28 Pferde
- Ehrenamtspreis Die Stadt Königswinter würdigt ehrenamtliches Engagement mit Auszeichnung
- Hoffnung für Wesselinger Nach dem Baulärm kommt der Flüsterasphalt auf der A555
Gewaltvideo ist Gegenstand der Ermittlungen der Polizei
Hintergrund ist der Fall eines 14-Jährigen aus Königswinter, der Ende Januar von einer Gruppe Jugendlicher geschlagen, getreten und gedemütigt worden war. Die mutmaßlichen Täter haben von den Übergriffen ein Video gemacht, das über Instagram verschickt wurde und das unter vielen Jugendlichen im Siebengebirge kursieren soll. Die Bonner Staatsanwaltschaft und das auf Jugendkriminalität spezialisierte Kommissariat 14 der Bonner Polizei ermitteln gegen mehrere Tatverdächtige. Das Gewaltvideo sei Gegenstand der Ermittlungen, teilten die Behören dieser Tage mit.
Simon Batta und Carsten Stahl hatten den Fall öffentlich gemacht. Der Bürgermeisterin hatten sie Tatenlosigkeit vorgeworfen. Vor Kurzem hatten sie zudem eine Demo unter dem Motto „„Haltung statt Schweigen – Königswinter steht auf gegen Gewalt und Mobbing“ sowie eine Infoveranstaltung organisiert.
„Die Familie des Opfers wollte keine mediale Aufmerksamkeit"“
Zum Rechtsstreit hat nun ein Post Jünglings in ihrem Whatsappkanal geführt, der 461 Follower hat. Darin weist sie – was die Ermittlungen angeht – auf die Zuständigkeit der Polizei hin und erklärt unter anderem, dass sie den Fall nicht öffentlich gemacht habe, weil es um den Schutz eines 14-jährigen Opfers gehe und desen Familie „keine mediale Aufmerksamkeit“ gewollt habe.
„Dennoch wurde ich von Anfang an von einem ,Jugendcoach' (den ich früher unterstützt hatte) persönlich unter Druck gesetzt und aufgefordert, öffentlich Stellung zu beziehen“, so Jüngling, die selbst niemanden namentlich nennt, über Simon Batta.
Mutmaßlich über Carsten Stahl schreibt die Bürgermeisterin: „Eingeschaltet hat sich dann auch ein Berliner Laienschauspieler, der meinte, man müsse nur genug öffentlichen Druck machen und dann bekäme man gemeinsam lukrative städtische Aufträge zur ,Gewaltprävention'“.
Es gehe jedoch „nicht um Gewaltprävention und schon gar nicht um das Opfer, sondern um reine Selbstinszenierung und Aufträge (Stundenlohn 375 Euro).“ In einem auf Youtube geposteten Video werfen Stahl und Batta der Bürgermeisterin vor, in ihrem Whatsappkanal, gelogen und betrogen zu haben.

Jugendcoach Simon Batta bei einer Demo.
Copyright: Ralf Klodt
So habe die Familie des 14-Jährigen sehr wohl an die Öffentlichkeit gehen wollen; die Mutter habe ausdrücklich ihre Dankbarkeit über diesen Schritt bekundet. Das Video mit Stahl und Batta entstand vor dem Haus Bachem, dem Sitz des Stadtoberhauptes.
Die Vorwürfe Beleidigung und üble Nachrede zielen wohl auf Jünglings Aussage zu angestrebten Aufträgen und dem Stundensatz von 375 Euro. Sowohl Stahl im Video als auch seine Anwältin gegenüber dieser Zeitung betonen, dass man in der Sache ehrenamtlich aktiv sei.„Nicht einmal wurde über Geld geredet“, erklärt Stahl auf Youtube, „wir waren ehrenamtlich hier“.

Bürgermeisterin Heike Jüngling weist die Vorwürfe zurück.
Copyright: Ralf Klodt
Heike Jüngling verweist auf Anfrage in einer Stellungnahme auf einen ihr vorliegenden Brief an die Eltern mehrerer Schüler, in dem Simon Batta ein zweistündiges Coaching für 750 Euro angeboten habe. Dass Stahl und Batta sehr wohl an Aufträgen interessiert gewesen seien, belegten zwei ihr vorliegende Sprachnachrichten, in denen ausgeführt worden sei, dass man „in der Öffentlichkeit Druck machen müsse“ und dass man gemeinsam in die Schulen gehen beziehungsweise für die Stadt als Streetworker tätig sein könne, so die Bürgermeisterin.
Und dass es den Coaches vor allem „um reine Selbstinszenierung geht“, sei eine „zulässige Meinungsäußerung“. Zudem gebe es auf Social Media verschiedene Videos mit Batta und Stahl, „die vornehmlich Sätze mit ,ich', ,mich', ,mir' und eine offensichtliche Selbstbezogenheit enthalten“, so Heike Jüngling.
Jugendcoach Simon Batta: Teil der Tätergruppe ist weiter aktiv
Nachdem die Bürgermeisterin eine von der Anwältin gesetzte Frist zur Abgabe einer Unterlassungserklärung habe verstreichen lassen, stellte die Juristin inzwischen nach eigenen Angaben den Eilantrag. Die Bürgermeisterin dürfe nicht weiter den Eindruck erwecken, die beiden seien lediglich auf lukrative Aufträge aus. Simon Batta seien wegen der Äußerungen schon Gelder gestrichen worden, auch sei er von einer Kinderschutzveranstaltung ausgeschlossen worden, erklärt Magdalena Markic.
Simon Batta betont auf Anfrage weiter, dass es nicht nur den einen Fall von Gewalt gegeben habe, sondern vier oder fünf Fälle. Ein Teil der Tätergruppe sei weiterhin aktiv. Dass nicht weitere Jugendliche beziehungsweise deren Eltern Strafanzeige gestellt hätten, liege daran, dass sie verängstigt und eingeschüchtert worden seien.

