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„Man denkt nicht mehr normal“Seniorin aus Königswinter berichtet von Schockanruf

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Eine Seniorin aus Königswinter erhielt einen Schockanruf und möchte andere vor der Masche warnen. (Symbolbild)

Königswinter – Bereits dreimal hatte Klara S. (Name geändert) im Lauf der letzten zwei Jahre sogenannte Fake-Anrufe, bei denen Enkel und Sohn angeblich in Unfälle verwickelt seien und ihre finanzielle Unterstützung benötigten. „Aber was am letzten Freitag passiert ist“, sagt die 81-jährige Dame im Gespräch mit der Redaktion, „das setzt dem allen noch einen drauf.“ Sie möchte ihren wahren Namen nicht in der Zeitung sehen, aber den Fall schildern, auch um andere zu warnen.

Weinen und Hilfe-Rufe am Telefon

Denn da begann das Gespräch mit fürchterlichem Gejammere, Weinen und Hilfe-Hilfe-Rufen einer Frau, an deren Stimme sie ihre Tochter zu erkennen glaubte. „Mutter, Mutter hier ist alles voll Blut – ich habe einen Mann angefahren und der ist jetzt tot“, tönte es laut Klara S. aus dem Telefonhörer und das Schluchzen wollte nicht aufhören. „Wo bist Du denn“, fragte sie und erhielt zur Antwort: „Auf der Polizeistation.“ Auf die Bitte hin, mit der Polizei zu sprechen, war die Leitung plötzlich tot, das Gespräch unterbrochen.

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Aber schon wenige Augenblicke später meldete sich eine „Polizistin vom 23. Kommissariat“, die der „Mutter“ erklärte, ihre Tochter habe einen schweren Unfall verschuldet, bei dem ein 28-jähriger Vater eines Kleinkindes ums Leben kam. Der Staatsanwalt sei informiert, aber eine Gerichtsverhandlung könne nicht in Deutschland durchgeführt werden, da die Witwe des Unfallopfers, darauf bestehe, dass der Prozess in Rumänien stattfindet.

„Man denkt da nicht mehr normal“

„Besonders gemeine Strategie“

„Der Schock-Anruf“, weiß die Polizei, „ist eine besonders gemeine Strategie, denn sie spielt mit unseren größten Ängsten: Dass einem uns nahestehenden Menschen etwas Schlimmes passiert ist.“ Da werde zum Beispiel geschildert, dass ein naher Verwandter in einen Unfall verwickelt sei, man in Haft sitze und Geld etwa für eine Kaution brauche. „Das Geld wird wie auch beim Enkeltrick von angeblichen Freunden abgeholt (...)“, weiß die Polizei.

Die Kripo rät unter anderem: „Geben Sie Fremden (am Telefon) keine persönlichen Informationen über finanzielle oder familiäre Verhältnisse. Lassen Sie nur von der Hausverwaltung angekündigte oder selbst bestellte Handwerker ins Haus. Überprüfen Sie Dienstausweise genau oder vergewissern Sie sich durch eine Abfrage bei der jeweiligen Behörde über die Rechtmäßigkeit des Besuches. Beenden Sie sonderbare Telefonate und verständigen Sie in allen Fällen die Polizei unter 110.“ (csc)

„In dem Moment war bei mir alles auf Alarm“, sagt die 81-Jährige, „und vor meinem geistigen Auge spielten sich Szenen ab, wie die Entführung meiner Tochter und ähnliches. Man denkt da nicht mehr normal und ich war nervlich völlig runter und habe nur noch geweint.“ Als ihr jedoch die Frage, wo sie anrufen könne, um sich den Sachverhalt offiziell bestätigen zu lassen, nicht beantwortet wurde und nur die Aufforderung kam, eine Kaution zu hinterlegen, habe sie ins Telefon gerufen: „Das geht überhaupt nicht!“ – und der Telefonspuk war beendet.

Erst einige Zeit später konnten Enkelsohn und Tochter vorbeikommen und die Spannung lösen. Jetzt hat Klara S. den großen Wunsch, mit ihrer Schilderung vorbeugend aktiv zu werden. „Die Polizei war hier, hat alles aufgenommen und berichtete mir, dass kürzlich erst ein anderes Opfer, das viel jünger als ich und noch im aktiven Berufsleben stehend, eine mittlere fünfstellige Summe sofort überwiesen hat“, sagte sie kopfschüttelnd. „Aber ich weiß jetzt auch, dass man völlig kopflos wird, wenn einen jemand derart in Angst und Schrecken versetzt.“