Es muss weiter bewässert werden: Landwirte und Forstamtsleiter spüren für bestimmte Kulturen eine gewisse Erleichterung, für andere nicht.
Nach der HitzeDer Regen tut gut, doch Landwirte und Wald in Rhein-Sieg brauchen viel mehr

Regen aus dem Düsenwagen - genug, damit das Gemüse tüchtig wachsen kann. Noch reicht der Regen nämlich nicht aus.
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Nach Wochen der Hitze und Trockenheit hat es in den vergangenen Tagen vor allem am Mittwoch endlich geregnet. „Schön“, brachte nach den Regengüssen Landwirt Stefan Grüsgen seine Eindrücke auf den Punkt. Nach Wochen der Trockenheit freute er sich schon am Dienstagnachmittag richtig über das bisschen Nass, dass vom Himmel auf den Rhein-Sieg-Kreis, auf Bornheim und seine Felder fiel.
„So müsste es jetzt jedoch mindestens vier Tage durchregnen“, wünscht er sich. Das könnte dann die aktuelle Situation ein bisschen entzerren. Allerdings mit Einschränkungen. „Wenn nach dem Regen die Sonne auch nur ein bisschen scheint, ist die Feuchtigkeit direkt wieder verdunstet“, erklärt der Landwirt. „Wir brauchen aktuell mindestens 30 bis 40 Liter Landregen auf den Quadratmeter“, so seine Einschätzung. Und es dürfe kein Stark- oder Platzregen sein. „Starkregen zieht ja nicht in den Boden – der läuft ab.“
Künstliche Bewässerung von Feldern trotz Regen noch notwendig, doch Strom ist teuer
Sanfter Landregen hingegen ziehe ins Erdreich ein. „Und bei 30 bis 40 Litern Regen wären wir dann bei etwa 20 Zentimeter im Boden“, schätzt Grüsgen. Davon hätten dann auch seine Kohlkulturen schon was. Auch wenn der Regen die Situation etwas entspannt hat, die Kohlkulturen bei Grüsgen benötigen noch mehr Wasser. „Die müssen wir deswegen zusätzlich beregnen“, erläutert er. Dazu hat er die Wasserfontänen und seinen Düsenwagen im Einsatz. Auch auf vielen anderen Feldern im „Gemüsegarten Vorgebirge“ laufen zurzeit noch die Wasserfontänen und Beregnungsmaschinen.
Doch aus diesem Einsatz ergibt sich ein weiteres Problem: Ohne Energie bekommen die Landwirte das Wasser nicht aus dem Boden. Und die kostet Strom – den die Bauern zu den ohnehin immer teurer werdenden Produktionskosten noch obendrauf zahlen müssen. „Da sind wir inzwischen schon bei Mehrkosten von etwa 20 Prozent“, so Grüsgen. Umso mehr freut er sich, dass der erste Herbst-Feldsalat des Jahres, der jetzt auf seinen Feldern heranwächst, aktuell sogar von dem geringen Niederschlag profitiert. „Der Pflanzen haben sehr kleine und kurze Wurzeln“, schildert der Landwirt. Für sie sei der Regen deswegen bereits ausreichend, um weiter zu wachsen.
„Die ganze Natur schreit nach Regen – und Wasser“, stellt Landwirt Christian Commer aus Sechtem fest. Für seinen Rollrasen aber auch für die nun bevorstehende Raps-Saat sei der Regen deswegen ein wirklicher Segen. Für die Obstbäume von Roland Schmitz-Hübsch im Bornheim-Merten hat der Regen allerdings keinerlei Effekt. „Dieser Regen kommt gar nicht bei den Wurzeln unserer Obstbäume an“, erklärt der Obstbauer. Schmitz-Hübsch hat mehrere Apfel- und Birnensorten im Anbau, und Süßkirschen.
Aktuell bewässert er seine komplette Farm mit Wasser aus seinen Brunnenanlagen – mit Grundwasser. Vorteilhaft für die jetzt voller Äpfel und Birnen hängenden Bäume ist aber auch das kühlere Wetter. „In den kühlen Nächten bekommen die Äpfel jetzt eine schöne rote Farbe“, sagt Schmitz-Hübsch. „Der Regen tut auch unserem Wald gut – sehr gut“, betont Forstamtsleiter Franz van Elsbergen vom Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft über das Nass vom Himmel.
Wir brauchen mehr, viel mehr Regen.
Doch auch ihm ist die aktuelle Niederschlagsmenge schlichtweg zu wenig. „Wir brauchen mehr, viel mehr Regen“, sagt er. So könne die Waldbrandgefahr weiter sinke, so können sich aber auch die Wasservorräte der Böden wieder auffüllen. Aktuell seien die Böden in Teilen des Waldes so trocken, dass sie das Regenwasser noch gar nicht aufnehmen könnten. „Auch deswegen seien lange ergiebige Landregen so wichtig. „Dabei darf es ruhig mehrere Tage durchregnen.“
Mit dem Regen sei nun auch die Luftfeuchtigkeit im Wald angestiegen – zeitgleich sank auch die Gefahr, dass der Wald schon bei einem kleinsten Funkenflug in Brand geraten könne. „Die Gefahr ist zwar noch nicht gebannt“, betont van Elsbergen. Doch ein Feuer könne sich nicht mehr explosionsartig schnell ausbreiten.
Ausmaß der Waldschäden durch Hitze ud Trockenheit noch unklar
Inwieweit jedoch der Wald und die Bäume durch die Dürreperiode Schaden genommen hätten, das könne er noch gar nicht sagen. „Die Hitze und die Trockenheit haben dem Wald aber massiv zugesetzt“, merkt er an. Der Wald sei in Teilen stark in Trockenstress geraten. „Das schwächt die Bäume. Sie wachsen dann weniger, bilden weniger Reservestoffe und können Krankheiten und Schadinsekten weniger entgegensetzen.“
Manche Bäume reagierten unmittelbar, andere zeigten die Schäden erst im Herbst oder sogar im Folgejahr. Nachdrücklich appelliert der Forstamtsleiter an alle Waldbesucher, auf den Wald zu achten und sich vernünftig im Wald zu verhalten. Einen Verzicht auf den Waldspaziergang aufgrund der immer noch angespannten Lage hält er aber für nicht nötig. „Die meisten Menschen sind heute auch im Wald nicht ohne Handy unterwegs“, hat er beobachtet.
Die Waldbesucher seien deswegen für ihn die besten und oft schnellsten Feuermelder, die auch sehr genau den Standort einer möglichen Rauchentwicklung beschreiben können. Er fordert aber auch Zivilcourage von den Spaziergängern: „Wenn Sie einem Menschen sehen, der sich eine Zigarette im Wald anzündet, bitten Sie ihn darum, die Zigarette auszumachen“, appelliert er. Und: „Rufen Sie sich Hilfe, falls diese Personen uneinsichtig sein sollten.“
