Doppelte Verlegungen, etliche Anbieter: Der Glasfaser-Ausbau sorgt in Lohmar bei Bürgerinnen und Bürgern für Verwirrung. Wir klären einige Fragen.
Warum werden Straßen doppelt aufgerissen?Fragen und Antworten zum Glasfaser-Ausbau in Lohmar

Der Glasfaser-Ausbau wirft bei vielen Bürgerinnen und Bürgern immer wieder Fragen auf (Archivfoto aus Niederkassel).
Copyright: Peter Freitag
In Lohmar und anderen Teilen des Rhein-Sieg-Kreises wird aktuell im großen Stil Glasfaser verlegt. Ziel ist flächendeckend schnelleres Internet im gesamten Stadtgebiet. Der Prozess sorgt jedoch immer wieder für Verwirrung unter Bürgerinnen und Bürgern: Verschiedene Anbieter verlegen innerhalb eines Ortes, in Wahlscheid öffnet die Telekom Straßen, in denen die Deutsche Glasfaser bereits Glasfaser verlegt hat. Warum ist das so?
Welche Firmen sind in Lohmar mit dem Glasfaserausbau beauftragt?
Insgesamt sind neun beauftragte Baufirmen der vier Glasfaserversorger GlasfaserPlus, Telekom, Vodafone und Deutsche Glasfaser im Stadtgebiet tätig, außerdem ist ein Planungsbüro an der Verlegung beteiligt. Das bedeutet einen hohen organisatorischen Aufwand für die Lohmarer Stadtverwaltung, teilt diese mit.
Warum sind so viele unterschiedliche Baufirmen in Lohmar beauftragt?
Netzbetreiber oder Tiefbauunternehmen beauftragt die Stadt Lohmar nicht selbst, teilt die Stadtverwaltung mit: „Wir versuchen die Netzbetreiber für Lohmar zu interessieren und befürworten den eigenwirtschaftlichen Ausbau durch die Netzbetreiber.“ Den Netzbetreibern obliegt dann auch die Auswahl der Tiefbauunternehmen. Die Kapazitäten für den Tiefbau können jedoch nicht immer von einem Unternehmen bereitgestellt werden, weswegen die Netzbetreiber auch hier mit verschiedenen Anbietern arbeiten müssen.
Warum sind auch innerhalb einzelner Ortschaften verschiedene Baufirmen mit der Verlegung von Glasfaser tätig?
Da Teile der Glasfaser eigenwirtschaftlich von den Anbietern und andere durch Steuergelder gefördert umgesetzt werden, unterscheiden sich hier auch die Bauphasen, unter anderem bedingt durch Ausschreibungsverfahren. So komme es dazu, dass teilweise innerhalb einer Ortschaft verschiedene Unternehmen eingesetzt werden, teilt die Stadtverwaltung mit. Für die Bereiche, in denen kein eigenwirtschaftlicher Glasfaserausbau erfolgt, beteiligt die Stadt Lohmar sich an den Förderprogrammen „weiße Flecken“, „Sonderaufruf Schulen“, „Sonderaufruf Gewerbe“ und „graue Flecken“.
Warum werden in Wahlscheid aktuell wieder Straßen aufgerissen, in denen bereits Glasfaser verlegt wurde?
Wenn Netzbetreiber eigenwirtschaftlich, also ohne öffentlichen Auftrag Glasfaser verlegen, entscheiden diese selbst, in welchen Gebieten sie das tun. Wie die Stadt Lohmar mitteilt, habe sich die Deutsche Telekom dazu entschieden, in Wahlscheid ein eigenes, zusätzliches Glasfasernetz zu installieren: „Nach dem Telekommunikationsgesetz hat die Stadtverwaltung keine Möglichkeit, diesen Ausbau zu untersagen.“ Das verbaute Netz der Deutsche Glasfaser bleibe parallel im Betrieb.
Wie weit ist Lohmar beim Glasfaser-Ausbau?
Nach Angaben der Stadtverwaltung wurden bereits rund 500 Kilometer Glasfaserleitungen in Lohmar verlegt, etwa 500 Netzverteiler-Stationen wurden errichtet. Die FTTC-Versorgung („Fiber to the Curb“, also die Verlegung von Glasfaser bis zum Verteilerkasten in der Straße) wurde 2025 in Büchel, Deesem (südwestlicher Teil), Dorpmühle, Gammersbacher Mühle, Grimberg, Grünenborn, Hohn, Holl, Höngesberg, Ingersauel, Jexmühle, Katharinenbach, Kern, Kirchbach, Kuckenbach, Mackenbach, Mailahn, Naaf, Oberstesiefen, Peisel, Saal, Stolzenbach, Unterstesiefen und Weeg abgeschlossen. Die Versorgung mit FTTH („Fiber to the House“, also Glasfaser bis in die Wohnungen der Nutzer) ist mittlerweile durchgeführt in Bloch, Durbusch (nördlicher Teil), Grünenborn, Hausdorp, Hausen, Honsbach, Höfferhof, Muchensiefen, Oberscheid, Oberstehöhe, Scheid, Schönenberg und Stolzenbach. Weitere Ortsteile seien in großen Teilen erschlossen, ebenso die Schulen und die Gewerbegebiete „An der Burg Sülz“ und „Lohmar-Zentrum“.
Wann soll der Glasfaserausbau in Lohmar abgeschlossen sein?
Nach aktueller Einschätzung der Stadtverwaltung kann ein flächendeckender Glasfaserausbau im gesamten Stadtgebiet frühestens in zwei Jahren realisiert werden.
Mit welchen Beeinträchtigungen müssen Bürgerinnen und Bürger aktuell rechnen?
Die laufende Bauarbeiten gehen oft mit Einschränkungen in der Straßennutzung einher. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger haben sich in den vergangenen Monaten an die Verkehrsabteilung der Stadt Lohmar gewandt mit Fragen zu Baustellenabläufen, Oberflächenwiederherstellungen oder Verkehrsführungen. Das Fachamt gehe Hinweisen aus der Bevölkerung umgehend nach und kontrolliere die Bauabschnitte regelmäßig. „Die Verwaltung ist bestrebt, berechtigte Anliegen zeitnah zu klären und mögliche Beeinträchtigungen so schnell wie möglich zu beheben“, heißt es von der Stadt Lohmar.

