Abo

Nostalgie und ErinnerungsstückeViel Andrang beim Ausverkauf an der alten Schule in Lohmar-Birk

3 min
Tilda hat zwei Holzkisten gefunden, in denen ihre Bücher gelagert werden sollen.

Tilda hat zwei Holzkisten gefunden, in denen ihre Bücher gelagert werden sollen.

Es durfte alles mitgenommen werden. Kurz vor dem Abriss des Gebäudes verkaufte der Förderverein die alten Möbel aus dem Schulgebäude.

Die Schlange vor der alten Gemeinschaftsgrundschule in Lohmar-Birk macht deutlich: Der Ansturm zum Möbelausverkauf ist unerwartet groß. Mehrere Generationen sind hier zur Schule gegangen und wollen sich nun unbedingt ein Erinnerungsstück sichern, kurz vor dem Abriss.

Ob Stühle, Schränke oder die Uhr aus der alten Klasse, es darf alles mitgenommen werden. Seit April 2025 werden die Schülerinnen und Schüler bereits in einem modernen Neubau am Ortsrand von Lohmar-Birk unterrichtet, das alte Gebäude im Dorfzentrum steht seitdem leer. Der Förderverein möchte so viele Möbel wie möglich loswerden, bevor sie den Abrissarbeiten zum Opfer fallen, alles auf Spendenbasis.

Hier bricht ein ganzes Stück Dorfgeschichte weg.
Tanja Fellmann, hat sich die Uhr aus der Klasse ihrer Tochter gesichert.

Die Besucherinnen und Besucher können dafür frei durchs Gebäude laufen und sich alles aussuchen. „Es steht alles noch so wie nach der Schließung. Wichtige Unterlagen und Vertrauliches sind natürlich aus den Räumen raus“, schildert Kerstin Geyer, stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins der Gemeinschaftsgrundschule Birk. In den neun Monaten Leerstand hat vor allem das Untergeschoss Vandalismus-Schäden davongetragen. Scheiben wurden eingeschlagen, Klassenräume verwüstet.

Stillstand seit neun Monaten: Kurz vor dem Abriss konnten die Besucher alles mitnehmen, was sie im alten Schulgebäude vorfanden.

Stillstand seit neun Monaten, die Klassenräume sind leer und verwahrlost: Kurz vor dem Abriss des Gebäudes konnten die Besucher alles mitnehmen, was sie im alten Schulgebäude vorfanden.

Das verwinkelte Gebäude wurde in den 1950er-Jahren errichtet und seitdem ständig um Anbauten erweitert, zuletzt 2004. „Es ist ein komisches Gefühl, hier bricht ein ganzes Stück Dorfgeschichte weg“, sagt Tanja Fellmann, die sich die Uhr aus der Klasse ihrer Tochter gesichert hat. Auch ein Bücherregal und eine Bank nimmt sie mit. Die achtjährige Tilda hat sich für zwei Holzkisten entschieden. Bücher möchte sie darin aufbewahren.

Achtjährige Tilda nimmt zwei Holzkisten mit, um Bücher zu verstauen

Schon jetzt hat sie weit mehr als 200 zu Hause, und es werden immer mehr. Die Leseratte hängt nicht gerade an dem alten Schulgebäude selbst. Sie freut sich im Neubau vor allem über die neuen, sauberen Toiletten. „Die alten haben immer gestunken“, erklärt sie. Die Spielgeräte vom Schulgelände fehlten ihr allerdings.

Auf eine große Werkbank hat es Anne Jung abgesehen. Sie und ihre Kinder haben die Schule besucht. Jung war bis vor kurzem Mitglied der Schulpflegschaft und hat den Bau des neuen Gebäudes mitgeplant. Da sie Kurse auf einem Bauernhof gibt, kann sie auch Werkzeug gut gebrauchen. Zum Glück ist in den Kunsträumen der Schule noch etwas davon zu finden.

Sven Klose tobt sich als Tischler beim Ausverkauf richtig aus

Auch die Kopfhörerhalterungen aus dem PC-Raum gefallen ihr gut, darauf könne man Sachen trocknen. Diese Kreation stammt übrigens von Sven Klose, er hat die Teile alle selbst gebaut. Der gelernte Tischler ist Mitglied der Schulpflegschaft.

Anne Jung nimmt eine Kopfhörerhalterung und Werkzeug mit.

Anne Jung nimmt eine Kopfhörerhalterung und Werkzeug mit.

So viele Dinge, die ihm gefallen, und so viele Ideen, was man daraus machen könnte. „Ich bin Jäger und Sammler“, flachst der kreative Vater, der für seinen Sohn Jonas noch ein Hochbett mit kleiner Höhle bauen soll. Die vielen Bänke aus den Fluren kommen da gerade recht, sie sollen das Bett aufbocken. Besser, als ein neues zu kaufen, findet auch Sohn Jonas, der gern eine kleine, gemütliche Höhle hätte. Er ist mit seinem Freund Carlo in der vierten Klasse ins neue Gebäude gewechselt.

Jonas (rechts) und sein Freund Carlo haben den Wagen mit Erinnerungsstücken und nützlichen Möbeln vollgeladen.

Jonas (rechts) und sein Freund Carlo haben den Wagen mit Erinnerungsstücken und nützlichen Möbeln vollgeladen.

Nach etwa vier Stunden schließt der Förderverein die Türen endgültig, glatt 2000 Euro sind zusammengekommen. „Mit so viel haben wir bei weitem nicht gerechnet“, resümiert Kassenwart Uwe Geyer. Die restlichen Möbel werden entweder verschrottet oder von kleinen Vereinen oder Hilfsorganisationen abgeholt, die sich im Vorhinein angekündigt haben.

Das andere Gebäude auf dem Schulgelände bleibt den Birkern erhalten, das denkmalgeschützte Haus ist immerhin gut 100 Jahre älter als sein Nachbar, 1846 wurde es errichtet. Was dort in Zukunft passiert, ist noch offen.