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Rüde auf WanderschaftWolf vom Leuscheider Rudel aus Rhein-Sieg reißt Tier bei Olpe

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Ein Wolf läuft durch den Wald.

Ein Wolf läuft durch den Wald. (Symbolbild)

Ein Schäfer kritisert das Wolfsmonitoring in NRW als zu langsam, begrüßt aber die Aufnahme ins Jagdrecht. Der BUND zieht Berufsjagd vor.

Zum Jahresende und im Frühjahr tut sich etwas bei den Wölfen. Der Nachwuchs hat das Alter erreicht, in dem er das Rudel verlässt. Das Revier kann nicht mehr alle Familienmitglieder ernähren. Die Jungtiere suchen deswegen einen neuen Lebensraum. Doch nicht nur das: Alte Rüden müssen nach Kämpfen mit neuen Konkurrenten unter Umständen das Revier wechseln.

Das Rudel von der Leuscheid macht da keine Ausnahme. Der Rüde dort hat im vergangenem Jahr die Gegend verlassen und wurde im Kreis Olpe gesichtet. Dort riss er im Dezember 2025 Nutztiere. Das ist jetzt bekannt gegeben geworden.

Deswegen kommt es nun zu Kritik. „Erst im März 2026 wurden die Nutztierhalter nach der Auswertung von Genproben informiert, dass es dieser Rüde war“, so Schäfer Simon Darscheid aus Hennef. Für ihn sei diese „zu späte Meldung“ der klare Beweis, dass das Wolfsmonitoring in Nordrhein-Westfalen „das Schlechteste in ganz Deutschland ist.“ Inzwischen sei wertvolle Zeit vergangen, in der die Weidetierhalter nicht vor diesem Problemwolf gewarnt werden konnten. Dieser Rüde überspringe mühelos Zäune, um an Beute zu gelangen, und sei inzwischen wieder verschwunden.

Wenn Wölfe ihre Beute im Wald finden, dann ist das artgerecht und passt ins Ökosystem.
Simon Darscheid, Schäfer

Deshalb begrüße es Darscheid, dass der Bundestag beschlossen hat, Wölfe ins Jagdrecht aufzunehmen. Dann hätte der problematische Rüde schon längst entnommen werden können und keinen Schaden mehr angerichtet.

Damit ist gemeint, dass das Tier erschossen wird. Darscheid sei aber nicht generell dafür, dass Wölfe einfach gejagt werden, weil sie Raubtiere sind. „Wenn sie ihre Beute im Wald finden, dann ist das artgerecht und passt ins Ökosystem“, so Darscheid. Schafe seien jedoch Kulturtiere, für die ein anderer Maßstab gelte. Sie bräuchten Schutz. „Wölfe, die sich auf die Jagd von Herdentieren spezialisiert haben, müssen entnommen werden“, fordert er. Darscheid hofft nun, dass auch der Bundesrat der Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht noch zustimme. 

Schäfer Simon Darscheid mit seinen beiden Herdenschutzhunden fordert den Abschuss von Wölfen, die sich auf Nutztiere als Nahrung spezialisiert haben.

Schäfer Simon Darscheid mit seinen beiden Herdenschutzhunden fordert den Abschuss von Wölfen, die sich auf Nutztiere als Nahrung spezialisiert haben.

Achim Baumgartner vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) betont, dass der Wolf „naturschutzfachlich im Ökosystem benötigt wird.“ Er trage mit dazu bei, Paarhufer wie Reh, Rothirsch oder Wildschwein in ihrem Bestand zu regulieren. Derart verfolgt, blieben die auch weniger standorttreu und richteten entsprechend weniger Fraßschäden durch Verbiss an. „Wölfe können sogar den Waschbären, der erhebliche Naturschutzkonflikte auslöst und schwer zu regulieren ist, in seinem Bestand reduzieren“, so Baumgartner.

Die Aufnahme ins Jagdrecht sei allerdings nicht hilfreich, sagt er. Der Wolf passe mit seinen großen Revieren und seinem Verhalten nicht in das deutsche Revierpachtsystem, in dem die Jagd vor allem ehrenamtlich erfolge. Passgenauer sei für ihn eine Bestandslenkung durch Berufsjägerinnen und -jäger im Zuge des Wildtiermanagements durch Naturschutzbehörden jenseits der Jagd, so Baumgartner auf Nachfrage der Redaktion.

Achim Baumgartner vom BUND setzt auf wirksamen Herdenschutz gegen Angriffe durch Wölfe.

Achim Baumgartner vom BUND setzt auf wirksamen Herdenschutz gegen Angriffe durch Wölfe.

„Die Umsetzung der Jagdrechtsanpassung steht im Widerspruch zum europäischen FFH-Schutzgebot. Die jagdrechtlichen Regelungen sind ungeeignet, das Schutzniveau des Wolfes auf dem Weg zu einem guten Erhaltungszustand sicherzustellen“, betont Baumgartner. Ungeachtet einer Jagd bleibe der wirksame Herdenschutz die einzige Option. Denn es werde weiterhin Wölfe und Wanderwölfe geben. Gefestigte Rudel hätten in der Regel weniger Nutztierrisse zur Folge.

Nutztierrisse nehmen da ab, wo sich Tierhaltende an den Wolf als Partner in der Natur gewöhnt haben und Herdenschutz konsequent angewendet wird.
Achim Baumgartner, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland

Der Umweltschützer setzt auf Herdenschutz. Dieser sei zumutbar und werde auch gesetzlich verlangt. Im Rahmen der Fürsorgepflicht für die Tiere sei er sogar notwendig. „Die Halter dabei auskömmlich finanziell zu unterstützen, ist angemessen und notwendig“, so Baumgartner. „Nutztierrisse nehmen da ab, wo sich Tierhaltende an den Wolf als Partner in der Natur gewöhnt haben und Herdenschutz konsequent angewendet wird.“ Es helfe dem Herdenschutz nicht, den Wolfsbestand durch willkürliche Jagd zu stören.

Der politische Umgang mit dem Wolf zeige exemplarisch, wie sehr Politik inzwischen die Fähigkeit verloren habe, komplexe Themen substanziell und fachlich zu durchdringen und im breiten Dialog sachlich tragfähige Lösungen aufzubauen, so Baumgartner. Mit der Einführung des Jagdrechts auf den Wolf sei eine Lobbygruppe scheinbar befriedigt worden, ohne dass dies zu Konfliktlösung wirklich beitrage. „Der Wolf als Beispiel wird einmal mehr eindrucksvoll aufzeigen, wie sehr sich das bundesdeutsche Jagdpachtsystem in der Krise befindet und dass moderne Lösungen der Bestandsregulation von Wirbeltieren gefunden werden müssen, die sich an naturwissenschaftlichen Grundlagen ausrichten“, fordert er.

Elisabeth Trimborn ist Ehrenvorsitzende der Kreisjägerschaft Rhein-Sieg. Sie kann sich einen Bestandlenkung von Wölfen druch Berufsjäger vorstellen.

Elisabeth Trimborn ist Ehrenvorsitzende der Kreisjägerschaft Rhein-Sieg. Sie kann sich einen Bestandlenkung von Wölfen druch Berufsjäger vorstellen.

Und was sagen Jägerinnen und Jäger? Elisabeth Trimborn ist Ehrenvorsitzende der Kreisjägerschaft Rhein-Sieg. Sie weist darauf hin, „dass mit dem neuen Jagdgesetz eine Grundlage geschaffen worden sei, um Problemwölfe unbürokratisch und schnell zu entnehmen“. Allerdings müsse noch der Bundesrat zustimmen und dann die einzelnen Länder. Das könne dauern.

Nach wie vor werden Jäger, die mit ausdrücklicher Genehmigung einen Wolf entnehmen, von angeblichen Tierschützern verfolgt und bedroht.
Elisabeth Trimborn, Ehrenvorsitzende der Kreisjägerschaft Rhein-Sieg

Der Deutsche Jagdverband fordert, dass künftig in der Zeit von Juli bis Oktober 40 Prozent des jährlichen Nachwuchses auf Basis von Managementplänen der Länder entnommen wird. Grundlage sollten  wildbiologische Erkenntnisse sein – im Gegensatz zu pauschalen Abschussquoten in anderen europäischen Ländern. Dadurch werde beim Bestandsmanagement die Sozialstruktur des Rudels gewahrt, indem Jung- und Altwölfe sicher unterschieden werden können. So könne das Wachstum des Wolfsbestands in Deutschland verlangsamt und gleichzeitig der günstige Erhaltungszustand der Population gewahrt werden. 

Die von Achim Baumgartner vorgeschlagene Bestandslenkung durch Berufsjäger begrüßt Trimborn ausdrücklich. „Nach wie vor werden Jäger, die mit ausdrücklicher Genehmigung einen Wolf entnehmen, von angeblichen Tierschützern verfolgt und bedroht.“ Wenn vom Staat beauftragte Jäger diese Aufgaben übernehmen, würde dies zur Beruhigung in der Szene führen.