Es ist eine Hiobsbotschaft, die viele Pendlerinnen und Pendler ins Mark trifft. Die Arbeiten an der Rothenbachbrücke zwischen Siegburg und Lohmar dauern noch deutlich länger als ursprünglich angekündigt. Die Auswirkungen der Maßnahmen sind täglich zu spüren. Auch am Mittwoch (4. November) reicht der Stau weit zurück. Die Sperrungen betreffen einen neuralgischen Punkt im Verkehr im Rhein-Sieg-Kreis. Die B484, die über den Rothenbach führt, verbindet nicht nur Lohmar und Siegburg. Tausende Autofahrerinnen und Autofahrer nutzen die Bundesstraße, um von oder zur Autobahn 3 zu gelangen.
Verkehrsfreigabe erst im Herbst 2027
Wie der Landesbetrieb Straßen.NRW nun mitteilt, ist mit einer Verkehrsfreigabe erst im Herbst 2027 zu rechnen. Das geht aus einer Antwort auf eine schriftliche Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Sascha Lienesch hervor, der sich nach den Ursachen der Verzögerungen und dem weiteren Zeitplan erkundigt hatte. „Die erneute Verzögerung ist für die vielen Pendlerinnen und Pendler sowie die Menschen in Lohmar und Siegburg eine schlechte Nachricht. Die täglichen Einschränkungen belasten die Bürgerinnen und Bürger ebenso wie die örtliche Wirtschaft“, erklärt Lienesch.
Straßen.NRW über unerwartete Schwierigkeiten
Mehrere Faktoren hätten zu den Verzögerungen geführt, teilt Straßen.NRW mit: mehrfach überarbeitete Ausführungspläne des Bauunternehmens, unerwartete Schwierigkeiten bei der Tiefgründung, zusätzliche Kampfmitteluntersuchungen, schwierige Baugrundverhältnisse sowie Anpassungen der Statik und des Gründungskonzeptes. Aktuell seien zudem Nachbesserungen an Bewehrungsteilen erforderlich. Bei sicherheitsrelevanten Bauteilen dürften keine Abstriche bei der Ausführungsqualität gemacht werden. „Die Sicherheit der neuen Brücke muss oberste Priorität haben“, betont auch Lienesch.
Arbeiten kaum wahrnehmbar

Die Verbindung führt zur A3.
Copyright: Voß
Derzeit werden die Kopfbalken des ersten Teilbauwerks hergestellt, danach folgen Betonarbeiten, Überbau sowie Abdichtungs- und Fahrbahnbauarbeiten – voraussichtlich bis Mitte Januar 2027. Anschließend wird die Verkehrsführung für die zweite Bauphase angepasst, bevor das zweite Teilbauwerk sowie restliche Arbeiten folgen.
Auch die zeitweise kaum wahrnehmbare Bautätigkeit hatte Lienesch thematisiert. Straßen.NRW verweist auf Planungsanpassungen und Arbeiten im Bereich der Tiefgründung, die in tiefen Baugruben von außen nicht sichtbar seien. „Jetzt kommt es darauf an, den Zeitplan einzuhalten und die Öffentlichkeit transparent zu informieren“, betont Lienesch.
Unmut über Informationspolitik
Besonders deutlich wird in diesen Tagen aber auch ein anderer Konflikt: der Umgang mit Information. Dass die Verschiebung nicht von Straßen.NRW selbst öffentlich kommuniziert wurde, sondern erst auf Lieneschs Anfrage hin bekannt wurde, sorgt auch in der Lohmarer Kommunalpolitik für Unmut. Die CDU-Fraktion im Lohmarer Rat erklärt dazu im Auftrag ihres Vorsitzenden Florian Westerhausen: „Mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen – Nordbrücke Bonn, Brücke A4 Höhe Eifeltor, marode Rheinbrücken in Köln, Sperrung der Abfahrt A3 Richtung Hennef/Siegburg – wäre dies eine spürbare Entlastung gewesen. Eine proaktive Mitteilung wäre hilfreich gewesen.“
Kommunalpolitik fordert bessere Kommunikation
Dass Kampfmitteluntersuchungen und Baugrundprobleme die Bauzeit verlängern, überrascht die Fraktion nur bedingt: „Als ehrenamtlich tätige Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker sind uns Bauverzögerungen nicht unbekannt“, heißt es weiter. Zur Informationspolitik wird die Fraktion deutlicher: „Die Nachfrage erfolgte in enger Absprache mit unserem Landtagsabgeordneten Sascha Lienesch und hätte seitens Straßen.NRW besser – oder überhaupt – kommuniziert werden können. Diese Nachricht ist nicht glücklich.“ (jv)

