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VerkehrsversuchAnwohner und Geschäftsleute kritisieren neue Einbahnstraßen in Niederkassel

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Beim Verkehrsversuch in Niederkassel-Ranzel wurden mehrere Straßen zu Einbahnstraßen gemacht. Das stößt auf Kritik.

Beim Verkehrsversuch in Niederkassel-Ranzel wurden mehrere Straßen zu Einbahnstraßen gemacht. Das stößt auf Kritik.

Die Stadt Niederkassel will in Ranzel die Verkehrssicherheit erhöhen. Ein sechsmonatiger Verkehrsversuch dazu stößt im Stadtteil auf Kritik. 

Die Stadt Niederkassel hat auf die anhaltende Kritik am Verkehrsversuch im Stadtteil Ranzel reagiert und die Bürgerinnen und Bürger um Geduld, aber auch um Unterstützung gebeten. „Erfahrungsgemäß erfordert es einige Zeit, bis sich verkehrliche Änderungen in den Routinen der Verkehrsteilnehmenden etabliert haben, bis sich Wege neugeordnet und Unsicherheiten abgebaut haben“, heißt es in einer Stellungnahme der Stadtverwaltung.

Sie hatte den auf sechs Monate angelegten Verkehrsversuch Ende April gestartet und im Umfeld der Kreuzung Berliner Straße/Porzer Straße eine Reihe von Einbahnstraßen eingerichtet. Erklärtes Ziel ist es, die Verkehrssicherheit in diesem Gebiet zu erhöhen und vor allem rund um die Drei-Linden-Gemeinschaftsgrundschule, deren beide Standorte durch die Porzer Straße getrennt werden, die Verkehrsbelastung zu verringern. Zudem solle der Durchgangsverkehr aus dem Gebiet heraus verlagert werden, und wolle man „Flächen für die Gestaltung der Gehwege in ausreichendem Umfang“ erhalten, heißt es aus dem Rathaus.

Geschäftsleute in Ranzel beklagen Kundenschwund

Zur Einbahnstraße umgewandelt wurden sechs Straßenzüge: die Porzer Straße von der Schulstraße bis zur Berliner Straße, die Schulstraße von der Strundener Straße bis zur Porzer Straße, die Wahner Straße von der Porzer Straße bis zur Strundener Straße, die Berliner Straße von der Porzer Straße bis zur Markusstraße, die Markusstraße von der Berline Straße bis zur Porzer Straße sowie die Marie-Curie-Straße von der Markusstraße bis zur Gierslinger Straße.

Kritiker des Verkehrsversuchs beklagen unter anderem, dass sie Umwege fahren müssen und auf die veränderte Verkehrsführung nur unzureichend durch eine entsprechende Beschilderung hingewiesen wird. Auch mehrere Unfälle, die sich seit Monatsbeginn in Ranzel ereignet haben, werden von Kritikern auf die veränderte Verkehrsführung zurückgeführt. Geschäftsleute berichten von ausbleibenden Kunden, die Umwege nicht in Kauf nehmen wollten.

Geschäftsleute beklagen ausbleibende Kunden wegen Einbahnstraßenregelung

Zu den Leidtragenden gehört nach eigenen Angaben Jan Müller, der an der Berliner Straße eine Bäckerei betreibt. Auf Facebook schildert er, dass Kunden mitunter nicht bereit seien, die durch den Verkehrsversuch erzwungenen Umwege auf sich zu nehmen. „Das spüren wir momentan sehr deutlich“, schreibt Müller. „Die derzeitige Verkehrsregelung bringt leider spürbare wirtschaftliche Einbußen mit sich.“

Im Internet wurde inzwischen eine Petition mit dem Titel „Gegen die Einbahnstraßenregelung und das Sterben unserer Ortsgeschäfte“ gestartet, die mittlerweile mehr als 900 Menschen unterzeichnet haben. Die Initiatoren der Petition fordern unter anderem die sofortige Überprüfung und Rücknahme der aktuellen Einbahnstraßenregelung, eine „offene Bürgerbeteiligung mit Anwohnern und Gewerbetreibenden“, eine „ernsthafte“ Prüfung der Unfall- und Verkehrssituation, sowie Lösungen, die Sicherheit und Erreichbarkeit in Ranzel ermöglichen.

Wähler-Initiative Niederkassel fordert sofortige Ende des Versuchs

Die Wähler-Initiative Niederkassel (WIN), die noch nicht im Stadtrat vertreten war, als dieser den Verkehrsversuch billigte, will dessen Ende nach sechs Monaten nicht abwarten. Die WIN hat für die nächste Sitzung des Ausschusses für Bauen und Verkehr einen Antrag gestellt, in dem sie fordert, den Verkehrsversuch sofort zu beenden und zur ursprünglichen Verkehrsführung zurückzukehren. Zudem verlangt die WIN-Fraktion „vollständige Transparenz“ über die durch den Versuch entstandenen Kosten. Die Ausschusssitzung beginnt an diesem Dienstag, 19. Mai, um 18 Uhr im großen Sitzungssal des Rathauses.

Die Stadtverwaltung wirbt derweil weiter um Verständnis. Der Versuch werde eng durch Mitarbeiter der Verwaltung und das beteiligte Planungsbüro begleitet. Im weiteren Verlauf würden Verkehrszählungen durchgeführt, um die Wirkung des Versuchs im Vergleich zu im Vorfeld erhobenen Daten objektiv bewerten zu können. „Beobachtungen und Eingaben aus Bürgerschaft und Politik“, die offenbar in größerem Umfang bei der Stadt eingehen, würden „gesammelt, dokumentiert, geprüft und fließen in die Auswertung des Versuchs mit ein“.

In den ersten Tagen nach Einrichtung des Versuchs seien bei der Stadt zur neuen Verkehrsführung „sowohl kritische als auch positive Rückmeldungen“ eingegangen, heißt es in einer Pressemitteilung. Mit Gewerbetreibenden habe es bereits Gespräche gegeben, und „natürlich“ werde auch das Unfallgeschehen beobachtet und analysiert.

Die Stadt hat nach eigenen Angaben inzwischen die Beschilderung „nachjustiert“, wo diese nicht eindeutig gewesen sei. Zudem habe man die Einbahnstraßenregelung in der Marie-Curie-Straße umgekehrt. So habe man die Verkehrssicherheit im Knotenpunkt Porzer Straße/Markusstraße/Schulstraße nochmals steigern können. „Der Verkehrsversuch soll dazu beitragen, die bestehenden Probleme sachlich, datenbasiert und mit Augenmaß anzugehen. Ziel bleibt eine spürbare Verbesserung der Verkehrssituation, für alle Beteiligten“, teilt die Stadtverwaltung mit. Sie hat für Kritik und Anregungen aus der Bürgerschaft mittlerweile eigens die E-Mail-Adresse verkehrsversuch-ranzel@niederkassel.de geschaltet.