In Niederkassel überfielen und bedrohten die Täter ein Ehepaar, in Neuss beraubten sie eine 95-Jährige.
„Geldgier“Drei Männer wegen brutaler Raubüberfälle auf Senioren vor dem Bonner Landgericht

Das Landgericht in Bonn.
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„Geldgier“, sagte Verteidiger Nikolaus Roth-Walraf, habe seinen Mandanten angetrieben, mit zwei Komplizen Raubüberfälle zu begehen. Erst in der Untersuchungshaft sei dem 28-Jährigen klar geworden, was er angerichtet habe. Das waren nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bonn heftige Taten, bei denen die Opfer nicht nur beraubt, sondern auch erheblich verletzt wurden. Die Angeklagten haben zum Prozessauftakt vor der 8. Großen Strafkammer des Bonner Landgerichts die Vorwürfe im Wesentlichen eingeräumt.
Laut Anklage schlossen sich im Herbst 2025 die drei Männer, 28, 25 und 20 Jahre alt und alle vom Niederrhein, zu einer Bande zusammen, um durch Verbrechen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Der Plan sei gewesen, ältere Menschen zu bedrohen und so zur Herausgabe von Geld und Wertsachen zu zwingen.
Angeklagte sollen 95-Jährige zu Boden gestoßen haben – die Seniorin brach sich einen Lendenwirbel
Erstes Opfer war nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine 95-Jährige in Neuss. Sie ging am 25. Oktober gegen 22.10 Uhr auf die Terrasse ihres Wohnhauses, um nach einer Igeltränke zu sehen, als plötzlich zwei der Angeklagten aus dem Dunkeln hervorsprangen, „Rein!“ brüllten und die Frau brutal ins Haus stießen. Die Seniorin fiel auf den Fliesenboden und brach sich dabei einen Lendenwirbel. Die mutmaßlichen Täter hielten der Rentnerin wortlos eine Schreckschusswaffe vors Gesicht, damit sie die Kombination des Tresors verriet; sie nahmen daraus 1500 Euro und ihr Portemonnaie mit weiteren 500 Euro sowie Schmuck im Wert von 2000 Euro an sich.
Einer der Eindringlinge durchsuchte inzwischen das Haus, entdeckte die Pflegerin der 95-Jährigen in ihrem Zimmer im Obergeschoss und dirigierte sie nach unten. Die Verdächtigen drohten den beiden Frauen, sie kämen wieder, wenn sie innerhalb der nächsten halben Stunde die Polizei riefen, nahmen den Hausschlüssel und verriegelten die Tür von außen.
Währenddessen passte der Jüngste des Trios draußen auf. Er war nach seinen Angaben von dem 28-Jährigen angerufen worden, um Wache zu halten, und mit dem Fahrrad zum Tatort gefahren. Mit dem eigentlichen Überfall habe er nichts zu tun gehabt, sagte der 20-Jährige.
73-Jährige mit Pistole bedroht und Münzsammlung im Wert von 50.000 Euro geraubt
Er gestand jedoch, bei der nächsten Tat von Anfang an dabei gewesen zu sein. Ende November nahm der Älteste, der laut Anklage offenbar der Anführer der Bande war, die Waffe und ein Auto besaß, Kontakt zu einem Münzsammler aus Niederkassel auf, der über ein Internetportal seine Sammlung zum Verkauf angeboten hatte. Der 28-Jährige und der 20-Jährige täuschten bei einem ersten Besuch im Haus des Numismatikers am 2. Dezember Kaufinteresse vor, sahen sich dort unauffällig um und verabredeten einen Übergabetermin am 9. Dezember.
Am Mittag dieses Tages sollen die drei geklingelt haben, dann soll der 25-Jährige den Hausbesitzer am Kopf gepackt und zu Boden gedrückt haben. Da sich der 85-Jährige gewehrt habe, sei er geschlagen, mit Panzertape an den Händen gefesselt und auch geknebelt worden. Als dessen Frau (73) herbeieilte, soll der Anführer sie mit der Pistole bedroht haben. Die Bande raubte laut Anklage die Münzsammlung des Niederkasselers im Wert von 50.000 Euro, dazu Schmuckstücke, die sie in einen Wäschekorb warfen. Als die Räuber, die ihre Beute noch am selben Tag bei Juwelieren in Düsseldorf und Neuss zu Geld machten, verschwunden waren, kletterte die 73-Jährige durch ein Fenster nach draußen und alarmierte die Polizei.
Der Prozess ist bis Ende Juli terminiert. Die 95-jährige Frau aus Neuss leidet noch immer an den Folgen des Wirbelbruchs und kann deshalb als Zeugin vom Gericht nicht vernommen werden.