Abo

„Gravierende Folgen“Grüne warnen vor jahrelanger Belastung durch Provisorium an Bonner Nordbrücke

4 min
Es wird noch Jahre dauern, bis auf der Nordbrücke wieder Verkehr fließen kann. Der Ersatzneubau der Vorlandbrücke ist inzwischen ausgeschrieben.

Es wird noch Jahre dauern, bis auf der Nordbrücke wieder Verkehr fließen kann. Der Ersatzneubau der Vorlandbrücke ist inzwischen ausgeschrieben.

Die Ausschreibung für den Ersatzneubau an der Nordbrücke sieht vor, die Vorlandbrücke zunächst schmaler zu machen. Das halten die Grünen für fatal.

Ein jahrelanges, sogar jahrzehntelanges Provisorium beim Ersatzneubau der Nordbrücke in Bonn befürchten die Grünen im Landtag NRW – und warnen angesichts der aktuellen Planung vor gravierenden Folgen, die die Menschen in der Region und den Verkehr noch mehr belasten könnten.

Der Grund: Die jüngst veröffentlichte Ausschreibung für den Ersatzneubau der linksrheinischen Vorlandbrücke sehe weiterhin eine Verbreiterung vor, obwohl, so die Grünen, die Hoffnung bestanden habe, die Autobahn werde von diesen Plänen aus Abstand nehmen. Die Grünen fordern das Bundesverkehrsministerium auf, „keine ideologisch motivierte Ausbaupolitik auf Kosten der Region zu betreiben“. Stattdessen müssten die ausgeschriebenen Leistungen darauf ausgerichtet werden, schnellstmöglich einen leistungsfähigen, schlanken Ersatzneubau der Vorlandbrücke aus einem Guss zu realisieren.

Baustelle mit verengten Fahrstreifen könnte bis 2040 andauern

„Die nun am 24. Juli 2026 veröffentlichte Ausschreibung zeigt jedoch, dass dies nicht der Fall ist. Statt einer schnellen und funktionalen Lösung setzt die Autobahn GmbH weiterhin auf ein überdimensioniertes Ausbauprojekt – und nimmt dafür ein jahrelanges Provisorium in Kauf“, teilen die Grünen mit. Demnach sehe die Ausschreibung vor, die Vorlandbrücke nicht wie bisher angekündigt als Eins-zu-Eins-Ersatzneubau, sondern zunächst schmaler zu errichten.

Die Vorlandbrücke würde dann lediglich die erste Hälfte eines späteren Gesamtausbaus bilden. Bis zum endgültigen Ausbau wäre damit eine Baustelle nötig, mit verengten Fahrstreifen, die voraussichtlich bis etwa 2040 bestehen bleiben könnte, bis die gesamte Brücke neu gebaut wurde. Das hätte gravierende Folgen für die Region, warnen die Grünen: „Eine dauerhafte Engstelle mit erhöhtem Unfall- und Staurisiko, die jahrelange Nichtnutzbarkeit der Auffahrt Auerberg zunächst in Richtung Beuel, dann aus Beuel, doppelte Baustellenbelastung an Graurheindorfer Straße und Römerstraße sowie erhebliche Risiken durch die bestehende Strombrücke, die die schlechteste Traglast-Note aufweist.“ 

Die jetzt ausgeschrieben Lösung der Autobahn GmbH ist ein Jahrzehnte-Provisorium, das die Region massiv belasten würde.
Martin Metz, Grünen-Abgeordneter im NRW Landtag für den Rhein-Sieg-Kreis

Hinzu kämen zudem rechtliche Unsicherheiten, denn die aktuelle Ausschreibung nehme faktisch einen späteren Ausbau mit Abriss von Wohnhäusern vorweg. Mögliche Klagen könnten den gesamten Bauablauf verzögern. „Die Menschen in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis brauchen eine funktionierende Nordbrücke – und zwar nicht erst 2040“, betont Martin Metz, Landtagsabgeordneter für die Grünen aus dem Rhein-Sieg-Kreis und Mitglied im parlamentarischen Untersuchungsausschuss für Straßenbrücken im Landtag. „Die jetzt ausgeschrieben Lösung der Autobahn GmbH ist ein Jahrzehnte-Provisorium, das die Region massiv belasten würde.“

Martin Metz, Sankt Augustiner und Mitglied im parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Landtags für marode Brücken in NRW

Martin Metz, Sankt Augustiner und Mitglied im parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Landtags für marode Brücken in NRW. (Archivfoto)

„Was dort gebaut werden soll, ist schmaler als das, was jetzt da ist“, sagt Martin Metz im Gespräch mit der Redaktion. Dann solle später nach Planfeststellung die zweite Hälfte dazukommen. „Aber wenn man diese Hälfte so laut Ausschreibung baut, ist nachher die Erweiterung der Brücke mit dem Abriss von Wohngebäuden eine Zwangsfolge. Gleichzeitig bleibt unklar, wann die zweite Ausbaustufe kommt, das ist ja noch Gegenstand des Verfahrens.“ Baue man zunächst kleiner, produziere man also über Jahre hinweg eine künstliche Engstelle.

i

Die laut Ausschreibung geplante Verschmälerung der Vorlandbrücke ist auf einem Vorabzug des Lageplans in den Unterlagen deutlich zu erkennen. Dort soll es ein schmaleres Anschlussprovisorium an der Graurheindorfer Straße geben und ein weiteres kurz vor dem Leinpfad am Rheinufer, wo die Fahrbahn dann wieder verbreitert wird.

Die Grünen Abgeordneten der Region Bonn/Rhein-Sieg sprechen sich für eine alternative Lösung aus: Die Vorlandbrücke solle vollständig im bestehenden Baufeld neu errichtet werden, „ohne Standstreifen, mit stadtautobahntypischer, schlankerer Breite“. Auch so könnten die vom Bund geplanten drei durchgehenden Fahrstreifen pro Richtung geschaffen werden. Eine solche Lösung wäre demnach auch ohne neues Planfeststellungsverfahren möglich und könnte bereits einen fertigen Anschluss an den späteren Neubau der südlichen Strombrücke vorsehen. 

So könne auch die Auffahrt Auerberg Richtung Beuel schon Ende 2028 wieder geöffnet und ein Engpass mit Staurisiko zumindest über mehr als ein Jahrzehnt vermieden werden. Die Gesamtbauzeit könne um ein bis zwei Jahre verkürzt werden, planungsrechtliche Risiken könnten reduziert werden, da keine Wohnbauflächen beansprucht würden.

„Die Menschen vor Ort zahlen seit Jahren den Preis für politische Fehlentscheidungen. Jetzt braucht es aber schnelle und nachhaltige Lösungen, keine Ideologie“, sagt Julia Höller, Landtagsabgeordnete für die Grünen aus Bonn.

Die Redaktion bat die Autobahn GmbH um eine Stellungnahme, erhielt jedoch bis Redaktionsschluss keine Antwort.