Eine Flussreise mit dem Boot lässt sich leicht in die Tat umsetzen. Es gilt aber einige Regeln zu beachten.
FreizeitvergnügenMit dem Bötchen auf der Sieg die Perspektive wechseln

Am Campingplatz in Happach kann man übernachten, aussteigen oder Getränkenachschub besorgen.
Copyright: Marius Fuhrmann
Die Flusslandschaft der Sieg lädt nicht nur zum Radfahren und Baden ein, sondern ist auch zu Wasser ein Erlebnis: Mit einem Kanu oder Paddelboot bietet der 146 Kilometer lange Fluss abwechslungsreiche Idylle. Dabei gibt es aber einige Regeln zu beachten.
Was gibt es unterwegs zu erleben?
Auch ohne Vorkenntnisse können Naturfreundinnen und Naturfreunde die Sieg per Boot entdecken. Eine Flussreise bietet eine völlig andere Perspektive. Nur wenige Meter vom Ufer entfernt herrscht eine angenehme Stille, die nur von parallel verlaufenden Straßen oder Bahnstrecken gestört werden kann. In der Sieg tummeln sich Fische, Wasservögel wie der Eisvogel und Nutrias. Die Säugetiere sind insbesondere in Morgen- und Abendstunden, wenn noch Schatten auf die Ufer fällt, zu sehen. Sie dürfen nicht gestört werden, denn die Flussauen sind ihr Habitat.
Wo kriege ich ein Boot her?
In der Region gibt es verschiedene Anbieter, die Kanus verleihen: Aktiv-Events Bredthauer aus Bonn vermietet Kanadier für drei oder vier Personen ab 75 Euro. Auch geführte Touren, bei denen die Boote wieder abgeholt werden, sind möglich. „Aktive Elemente“ aus Köln vermietet Kanadier für ein oder zwei Personen mit Kind ab 70 Euro pro Tag, die Boote werden abgeholt. Touren sind auch hier möglich. Auch Hunde dürfen je nach Anbieter mit. Glücklich ist, wer ein eigenes Kanu oder Paddelboot besitzt. Diese sind günstiger als man denkt und schon für unter 100 Euro zu haben. Die meisten Modelle halten Kollisionen mit Ästen und Steinen stand, nur Metall sollte man meiden.

Nicht nur mit dem Kanu, auch mit dem Schlauchboot ist das Paddeln auf der Sieg möglich.
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Wo kann ich das Boot zu Wasser lassen?
Kanus und Schlauchboote dürfen nur an offiziellen Einstiegsstellen ins Wasser gesetzt und auch herausgeholt werden. Allein in Windeck gibt es zwischen Au und Stromberg zehn davon, etwa vor dem Siegfall in Schladern oder in Stromberg hinter der Brücke. In Eitorf ist der Ein- und Ausstieg an der Brückenstraße und dem Campingplatz Happach möglich, in Hennef bei Haus Attenbach, vor der Autobahnbrücke in Allner und dem Lokal Sieglinde. In Siegburg liegt die Stelle hinter der B56-Brücke in Zange, in Sankt Augustin auf Höhe des Sportplatzes in Meindorf und in Troisdorf an der Siegfähre. Eine vollständige Liste ist auf www.naturregion-sieg.de zu finden. Es empfiehlt sich, eine Stelle in der Nähe eines Bahnhofs zu wählen, was die Abreise erleichtert.
Wie tief muss das Wasser sein?
Ob Kanus und Boote zu Wasser gelassen werden dürfen, hängt vom Pegel der Sieg ab. Stellenweise reicht die Sieg nicht mal bis zu den Knien, anderswo ist sie dagegen mehrere Meter tief. In dem Abschnitt zwischen Windeck und Eitorf muss der Pegel 30 Zentimeter betragen, maßgeblich dafür ist die Messstelle in Betzdorf. Für die Strecke von Eitorf bis Siegburg ist der Pegel in Eitorf (02243/7776) zu beachten, er muss mindestens 30 Zentimeter beantragen. Wenn der Wasserstand zu niedrig ist, stoßen die Boote auf Grund und beschädigen ihn damit. Einzusehen sind die Pegel tagesaktuell unter www.hochwasser.rlp.de/flussgebiet/sieg/eitorf.
Was ist nicht erlaubt?
Seit 2005 steht die Sieg zwischen der Landesgrenze und der Mündung in den Rhein unter Naturschutz. Deswegen dürfen nur Boote mit Paddeln genutzt werden, Motoren sind verboten. Die Alt- und Seitenarme dürfen nicht befahren werden. Zelten und Grillen ist entlang des Ufers ebenfalls nicht erlaubt, Übernachtungsmöglichkeiten gibt es auf dem Campingplatz in Eitorf-Happach. Nach Möglichkeit sollte man in der Flussmitte fahren, um Brut- und Laichplätze der Tiere am Ufer nicht zu stören. Selbstverständlich sollte es sein, keine laute Musik abzuspielen und Müll in die Sieg zu werfen.
Gibt es Wehre und Schleusen auf der Sieg?
Stellenweise kommen Paddelnde nicht weiter: Der Siegfall in Schladern ist ein natürliches Hindernis. Hier muss das Boot an Land geholt und mehrere hundert Meter getragen werden. Am Siegwehr in Dattenfeld gibt es eine Bootsrutsche für Kanus, ebenso am Wasserkraftwerk bei Unkelmühle zwischen Herchen und Alzenbach. Mit einem breiteren Boot passt man dort allerdings nicht hindurch. Bis Siegburg ist die Strecke dann frei von Wehren, kleinere Gefälle im Fluss und an Brücken sind locker zu bewältigen. Am Siegwehr zwischen Buisdorf und Deichhaus gibt es wieder eine Bootsrutsche.
Welche Ausrüstung braucht man im Boot?
Je nach Wetterlage empfehlen sich Wechselkleidung oder Badesachen. Stellenweise ist die Sieg mehrere Meter tief, wer nicht schwimmen kann, sollte eine Schwimmweste mitbringen. Für persönliche Gegenstände gibt es wasserdichte Tonnen oder Beutel. Touren-Anbieter verleihen diese meist neben den Booten. Proviant und Getränke passen in kleine Rucksäcke, die Nässe vertragen. Die Sonne scheint je nach Tageszeit prall auf das Boot, deswegen sollte man Sonnencreme und Kopfbedeckungen einpacken.
Welche Strecke eignet sich gut zum Ausprobieren?
Der 13 Kilometer lange Abschnitt zwischen Eitorf und Blankenberg ist für eine erste Tour gut geeignet, weil die Ein- und Ausstiegsstellen leicht zu erreichen sind. Der Rücktransport zum Ausgangspunkt, falls dort das Auto steht, ist mit der S-Bahn zu bewältigen. Der Haltepunkt Blankenberg liegt nur wenige hundert Meter entfernt. Die Strecke bietet eine abwechslungsreiche Tour mit zahllosen Biegungen, Natur und schnellen wie langsamen Abschnitten. Sie dauert mit einem Paddelboot gut fünf Stunden, mit Kanu und Kayak deutlich kürzer. Wie lange eine Tour dauert, hängt immer vom Wasserstand und persönlichem Können ab.
