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Die fiesesten MaschenVor diesen Betrugstricks warnt die Polizei im Rhein-Sieg-Kreis

6 min
Ein Senior hält einen Telefonhörer in der Hand.

 Ein Senior hält einen Telefonhörer in der Hand.

Betrugsmethoden wie Schockanrufe, falsche Polizisten oder Handwerker werden immer wieder abgeändert. So können sich Betroffene schützen.

„Hallo Mama, ich hatte einen schlimmen Unfall“ – wer das hört, bei dem schrillen vermutlich die Alarmglocken. Aber nicht, weil unbedingt etwas passiert sein muss, sondern weil es sich um einen Betrugsversuch handeln dürfte. Regelmäßig erstatten Betroffene Anzeige bei der Polizei. „Betrugsmethoden treten meist über das Jahr verteilt auf“, sagt Stefan Birk von der Polizei im Rhein-Sieg-Kreis. „Es gibt über ein, zwei Monate Häufungen in verschiedenen Städten, dann tritt eine andere Methode auf. Das führt dazu, dass die Leute die Tricks vergessen.“ Die Polizei klärt über die häufigsten Methoden auf und zeigt, was zu tun ist.

Schockanrufe

Die Situation: Jemand ruft mit weinerlicher Stimme an und gibt sich als Sohn oder Tochter aus. Die Person erzählt eine erfundene Notlage, nach der sie einen schweren Unfall verursacht habe oder dringend Geld für eine lebensrettende Operation benötige. Häufig erfolgt der Schockanruf über einen falschen Polizeibeamten oder Arzt, oder sie übernehmen das Gespräch, um noch mehr Druck aufzubauen. Die Täter verlangen Geld, Schmuck oder andere Wertsachen, um den Angehörigen vor dem Gefängnis zu bewahren oder ihr Leben zu retten.

Die richtige Reaktion: Der Anruf stellt Betroffene sofort unter Stress. Die Betrüger versuchen, ihre Opfer die gesamte Zeit am Telefon zu halten. Deshalb sollte man sofort auflegen, um sich aus der Situation zu befreien. Auf keinen Fall sollten die Betroffenen das Gespräch fortführen, sondern eine vertraute Person über die eingespeicherte Telefonnummer kontaktieren, um die Schilderung zu überprüfen.

Der beste Schutz: niemals persönliche oder finanzielle Informationen preisgeben und Unbekannten weder Geld noch Wertgegenstände überlassen. Innerhalb einer Familie kann ein Kennwort zur Identifikation am Telefon vereinbart werden. Möglich ist es, sich gedanklich auf solche Anrufe vorzubereiten, um in der Situation ruhig zu bleiben. Selbst korrekte Angaben der Täter, etwa, dass der Sohn im Italien-Urlaub ist, können Zufallstreffer sein.

Wenn es zu spät ist: Betrugsopfer sollten sofort die Polizei anrufen und Anzeige erstatten. Dazu müssen alle relevanten Details zum Anruf dokumentiert werden, um den Ermittlungen zu helfen.

Online-Verkäufe

Die Situation: Auf eine Verkaufsanzeige in einem Kleinanzeigenportal meldet sich ein vermeintlicher Interessent. Betrüger versuchen meist, die Kommunikation auf WhatsApp oder SMS zu verlagern. Anschließend senden sie gefälschte Links oder QR-Codes, die auf täuschend echt gestaltete Webseiten führen. Dort werden die Verkäufer aufgefordert, Kreditkarteninformationen oder Zugangsdaten für das Online-Banking einzugeben, angeblich, um eine Zahlung zu bestätigen. Teilweise werden falsche Zahlungsbestätigungen oder Überzahlungen vorgetäuscht. Mit den gestohlenen Daten buchen die Betrüger Geld vom Konto der Betroffenen ab.

Die richtige Reaktion: den Kontakt sofort abbrechen, wenn ein Käufer woanders weiterschreiben möchte. Niemals auf unbekannte Links oder QR-Codes klicken und Aufforderungen zur Eingabe sensibler Daten außerhalb der offiziellen Bezahlfunktion ignorieren. Das Kaufinteresse ist nur vorgetäuscht.

Der beste Schutz: Nutzer von Kleinanzeigenportalen sollten ausschließlich deren Zahlungs- und Kommunikationsfunktionen nutzen, keine Kontaktdaten wie Telefonnummer oder E-Mail-Adresse beziehungsweise Daten zu Kreditkarten oder Online-Banking herausgeben. Besonderes Misstrauen ist ratsam bei ungewöhnlichen Zahlungsabläufen, etwa angeblichen Überzahlungen oder externen Bestätigungsseiten.

Wenn es zu spät ist: Betroffene sollten sofort ihre Bank informieren und die Karte sperren lassen, etwa über die Sperrhotline 116 116. Außer der Anzeige bei der Polizei ist es auch wichtig, den Nutzer bei der Plattform zu melden, um weitere Betrugsversuche zu verhindern.

Falscher Polizist

Die Situation: Ein Polizist, ein Handwerker oder ein Mitarbeiter der Stadtwerke klingeln an der Haustür. Möglicherweise gab es zuvor einen merkwürdigen Anruf, in dem sich jemand nach Wertgegenständen in der Wohnung erkundigte. Die Täter täuschen angebliche Ermittlungen, Sicherheitsprüfungen von Bargeld und Schmuck oder dringende Reparaturen vor. Dabei zeigen sie oft gefälschte Dienstausweise oder manipulieren die Anzeige der Telefonnummer, sodass sie wie seriöse Anrufer aus der Region erscheinen.

Die richtige Reaktion: niemals unbekannte Personen in die Wohnung lassen. Angebliche Amtspersonen sollten ihren Dienstausweis zeigen. Auch bei geringsten Zweifeln sollte die jeweilige Behörde oder das Unternehmen kontaktiert werden. Die Telefonnummer steht auf deren Internetseite oder im Telefonbuch. Die angeblichen Mitarbeiter sollten derweil draußen warten.

Der beste Schutz: am Telefon niemals Details zu finanziellen Verhältnissen preisgeben. Wenn Menschen vor der Tür stehen, sollten die Angesprochenen darauf bestehen, die Identität zu überprüfen. Echte Polizisten oder Handwerker sind davon nicht brüskiert, sondern auf solche Situationen vorbereitet.

Wenn es zu spät ist: Anzeige erstatten, alle relevanten Details zu Personen, Zeitpunkt und Vorgehensweise notieren, um den Ermittlungen zu helfen. Wenn Vermögenswerte betroffen sind, sollte die Bank kontaktiert werden.

Werbeanrufe

Die Situation: Jemand ruft an und verkündet eine Gewinnauszahlung oder möchte einen Anbieterwechsel vornehmen. Häufig wird behauptet, es bestehe ein Vertrag, dessen finanzielle Belastung man abmildern könne. Ziel ist es, persönliche Daten abzufragen oder Vertragsabschlüsse zu erreichen, etwa für Gewinnspiele, Zeitschriftenabonnements oder Anbieterwechsel. Doch Werbeanrufe, die ohne ausdrückliche Zustimmung erfolgen, sind verboten.

Die richtige Reaktion: nicht auf Gespräche einlassen, zumindest Datum, Uhrzeit, Namen des Anrufers, das Unternehmen und die angezeigte Rufnummer notieren. Mit diesen Angaben kann die Bundesnetzagentur die Telefonnummer sperren.

Der beste Schutz: keine Kontodaten an Unbekannte herausgeben, eine einmal erteilte Zustimmung zur Nutzung der Telefonnummer für Werbezwecke widerrufen. Es gibt Apps, die Spam-Nummern erkennen können und sie blockieren.

Wenn es zu spät ist: Telefonisch abgeschlossene Verträge sind gültig. Reichen Sie binnen 14 Tagen Widerruf ein, am besten schriftlich per Einschreiben oder E-Mail. Informieren Sie Ihre Bank, falls Kontodaten betroffen sind. Wenden Sie sich außerdem an die Verbraucherzentrale, um weitere Schritte zu besprechen und mögliche Folgen zu begrenzen.

Gewinnspiele

Die Situation: In einer E-Mail, einer WhatsApp-Nachricht oder einem Brief wird ein hoher Gewinn versprochen. Bedingung dafür sind allerdings Gegenleistungen wie Bearbeitungsgebühren, kostenpflichtige Telefonnummern oder die Teilnahme an Verkaufsveranstaltungen. Oft geben sich die Täter als Rechtsanwälte, Notare, Polizisten oder Staatsbeamte aus und manipulieren dafür Telefonnummernanzeige, sodass sie seriös erscheinen.

Die richtige Reaktion: skeptisch bleiben, vor allem, wenn eine Vorauszahlung oder ein weiterer Aufwand verlangt wird. Auflegen, nicht zurückrufen und keinen Anweisungen zur Überweisung von Geld oder zum Erwerb von Gutscheinen wie Paysafecard folgen.

Der beste Schutz: Skepsis. Auch amtlich wirkende Schreiben und Telefonanrufen, die angebliche Gewinnansprüche betreffen, können gefälscht sein. Wer an keinem Gewinnspiel teilgenommen hat, kann auch nichts gewonnen haben.

Wenn es zu spät ist: Anzeige erstatten, relevante Informationen dokumentieren und gegebenenfalls die Bank informieren, falls finanzielle Transfers erfolgt sind.

Faule Kredite

Die Situation: Man erhält eine Mail oder stößt im Internet auf ein lukratives Kreditangebot. Jemand wirbt mit scheinbar risikolosen „Sofortkrediten ohne Schufa“ oder garantiert Darlehen auch bei negativer Bonität. Die Betrüger versprechen schnelle Auszahlung und fordern häufig Gebühren oder Vorauszahlungen, teilweise sogar für Hausbesuche oder angeblich notwendige Unterlagen, ohne dass ein Kredit tatsächlich genehmigt wird.

Wie reagieren: Prüfen Sie jedes Kreditangebot kritisch und lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Echte Bankmitarbeiter würden immer über Risiken aufklären. Lesen Sie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen und vertrauen sie keinen Angeboten mit traumhaft hoher Rendite.

So können Sie sich schützen: Nutzen Sie nur seriöse Banken oder offiziell registrierte Kreditvermittler. Lassen Sie sich im Zweifel bei der Verbraucherzentrale beraten und ziehen Sie bei finanziellen Problemen Schuldnerberatungsstellen hinzu. Überweisen Sie keine Gebühren im Voraus und geben Sie keine sensiblen persönlichen Daten wie die Bankverbindung weiter.

Wenn es zu spät ist: Kontaktieren Sie die Polizei und erstatten Sie Anzeige. Informieren Sie Ihre Bank über den Vorfall, um möglichen Schaden zu begrenzen, und bewahren Sie alle Unterlagen zu dem Betrugsversuch auf, um den Ermittlungen zu helfen.