Die Unternehmensinsolvenzen im Rhein-Sieg-Kreis sind erheblich gestiegen, bei der Zunahme liegt der Kreis klar über dem Landesdurchschnitt.
Höchster Stand seit 2016 in NRWZahl der Unternehmensinsolvenzen in Rhein-sieg steigt stark an

Die Kodi-Filialen in Siegburg (Foto) und in Königswinter werden geschlossen,
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Die Unternehmensinsolvenzen sind im Rhein-Sieg-Kreis im ersten Halbjahr 2026 deutlich stärker gestiegen als im Regierungsbezirk Köln oder in Nordrhein-Westfalen insgesamt. Nach den von IT.NRW veröffentlichten Daten stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen von 86 im ersten Halbjahr 2025 auf 105 im ersten Halbjahr 2026. Das sind 19 Insolvenzen mehr, was einem Anstieg von 22,1 Prozent entspricht. Im Regierungsbezirk Köln stieg die Zahl dagegen nur um 8,8 Prozent auf jetzt 789, im Land Nordrhein-Westfalen um 7,5 Prozent auf 3428.
Im Rhein-Sieg-Kreis verstärkte sich der Anstieg im zweiten Quartal: Nach sieben zusätzlichen Fällen im ersten Quartal kamen im zweiten Quartal zwölf zusätzliche Fälle gegenüber dem jeweiligen Vorjahresquartal hinzu. Landesweit erreichte die Zahl der Unternehmensinsolvenzen laut IT.NRW im 1. Halbjahr 2026 den höchsten Stand seit dem ersten Halbjahr 2016. Damals hatte es 3427 Insolvenzen gegeben.
21 Unternehmensinsolvenzen allein in der Stadt Troisdorf
Innerhalb des Kreises verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 die Stadt Troisdorf mit 21 Fällen die meisten Unternehmensinsolvenzen. Dahinter folgten Hennef, Sankt Augustin und Siegburg mit jeweils neun Fällen sowie Bornheim mit acht. In elf der 19 Kommunen nahm die Zahl zu, in vier blieb sie unverändert und in vier ging sie zurück.
Bei den Verbraucherinsolvenzen zeigt sich im Rhein-Sieg-Kreis ein anderes Bild als bei den Unternehmensinsolvenzen: Im ersten Halbjahr 2026 ging ihre Zahl deutlich zurück, nämlich von 254 auf 221 (minus 13 Prozent). Dagegen stieg die Zahl der Privatinsolvenzen im Regierungsbezirk um 2,5 Prozent auf 2436 und im Land NRW sogar um 10,1 Prozent auf 10.322.
Discounter Kodi wird Filialnetz weiter verkleinern
Innerhalb des Kreises gingen die Verbraucherinsolvenzen in 13 der 19 Kommunen zurück, in fünf Kommunen stiegen sie an, in einer blieb ihre Zahl unverändert. Die höchsten Fallzahlen im ersten Halbjahr 2026 hatten Troisdorf mit 31, Siegburg mit 30 und Sankt Augustin mit 24 Fällen. Siegburg verzeichnete mit sieben zusätzlichen Fällen den größten absoluten Anstieg. Den stärksten absoluten Rückgang gab es in Niederkassel, und zwar von 24 auf zwölf Fälle. Deutliche Rückgänge gab es außerdem in Eitorf, Sankt Augustin und Troisdorf.
Auch der angeschlagene Non-Food-Discounter Kodi wird sein Filialnetz weiter verkleinern. Wie das Unternehmen mitteilte, werden 19 der 144 Geschäfte aufgegeben, darunter auch die in Siegburg und Königswinter. Wie die dpa berichtet, laufen bei 56 Filialen noch Verhandlungen über eine Fortführung. 69 Filialen sollen dagegen in jedem Fall erhalten bleiben. Die Kodi Handels GmbH hatte im Juli die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt.
Keine wirtschaftlich tragfähige Perspektive für betroffene Filialen
Diese Filialen müssen schließen: Ahaus, Alpen, Bochum-Drehscheibe, Duisburg-Rumeln, Düsseldorf-Oberbilk, Emmerich, Essen-Kupferdreh, Essen-Steele, Gelsenkirchen-Buer, Jülich, Kleve Herzogstraße, Königswinter, Mönchengladbach-Wickrath, Selfkant-Tüddern, Siegburg, Solingen Kirchstraße, Wuppertal-Vohwinkel, eine in Wuppertal-Barmen, Zülpich.
Für die Filialen, die sich allesamt in Nordrhein-Westfalen befinden, gibt es nach Unternehmensangaben keine wirtschaftlich tragfähige Perspektive. Der Räumungsverkauf soll jetzt beginnen. Den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern müsse nach der für Anfang Oktober erwarteten Eröffnung des Insolvenzverfahrens gekündigt werden, heißt es. Bis wann die Geschäfte schließen und wie viele Beschäftigte betroffen sind, wurde nicht mitgeteilt. In einer Filiale arbeiten im Schnitt sechs Menschen. Kodi hat nach eigenen Angaben knapp 1.200 Beschäftigte.
Kodi hatte bereits 2024 ein Schutzschirmverfahren beantragt
Der Discounter hatte den Insolvenzantrag im Juli mit der schwierigen Lage im Einzelhandel begründet. Löhne und Gehälter waren nach Unternehmensangaben bis September durch Insolvenzgeld gesichert. Bei einer Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt und leitet die Sanierung selbst.
Kodi hatte 2024 bereits ein Schutzschirmverfahren beantragt. Von etwa 240 Filialen blieben anschließend nur 150 übrig, die meisten in Nordrhein-Westfalen. Mehr als 500 Beschäftigten wurde gekündigt. Das 1981 gegründete Einzelhandelsunternehmen verkauft vor allem Haushaltswaren und Drogerieartikel. Firmensitz ist in Oberhausen, der Sitz der Gesellschaft in Landsberg in Sachsen-Anhalt.
Im Einzelhandel gab es zuletzt weitere prominente Fälle. So traf es unter anderem die Deko-Kette Depot, die in Siegburg und in Sankt Augustin Filialen schloss. Das dahinterstehende Unternehmen stellt Ende September den Geschäftsbetrieb ein, Arbeitsverhältnisse und Mietverträge wurden gekündigt. Die Baumarktkette Hellweg (eine Filiale in Sankt Augustin ist betroffen) und die BayWa Bau- & Gartenmärkte beantragten im Juni ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung. Die Unternehmen sollen abgewickelt und ihre Marken aufgegeben werden.
