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Mögliche InteressenskonfliktePolitik in Rhein-Sieg fordert Prüfung des Vorgangs um Flugplatz-Grundstück

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Die Flugplatzgesellschaft Hangelar will das Grundstück mit der Werft am Flugplatz kaufen. Das hat zu einem politischen Disput geführt.

Die Flugplatzgesellschaft Hangelar will das Grundstück mit der Werft am Flugplatz kaufen. Das hat zu einem politischen Disput geführt.

Die SPD und die Grünen in Rhein-Sieg fordern vollständige Transparenz und eine Erklärung des Landrats zum Grundstück in Hangelar. Ein Überblick.

Ein rund 3000 Quadratmeter großes Grundstück am Flugplatz in Sankt Augustin Hangelar beschäftigt die Politik der Region inzwischen seit Dezember 2025. Dabei geht es eigentlich nur um den möglichen Kauf des Grundstücks und der darauf befindlichen Flugzeugwerft durch die Flugplatzgesellschaft Hangelar. 

Weil Vorwürfe aber wegen möglicher Interessenskonflikte gegen mehrere CDU-Politiker im Raum stehen, unter anderem Rhein-Sieg-Landrat Sebastian Schuster und den Bonner Oberbürgermeister Guido Déus, gibt es inzwischen offizielle Prüfungen zu dem Vorgang sowie Kritik aus dem Bonner Stadtrat und Kreistag. Im Rhein-Sieg-Kreis fordern einige Fraktionen eine Prüfung des Falls.

Worum geht es aber genau bei dem Grundstückskauf? Wer ist im Rhein-Sieg-Kreis involviert? Warum gibt es Vorwürfe und was sagen die Beteiligten? Ein Überblick.

Um welches Grundstück geht es?

Um ein etwa 3000 Quadratmeter großes Grundstück an der Richthofenstraße am Flugplatz in Hangelar. Auf dem Grundstück befindet sich auch die Flugzeugwerft. Beide Immobilien gehören einem Ehepaar, das nun verkaufen möchte, allerdings an Personen oder Gesellschaften, die die Flugzeugwerft weiter betreiben.

Die Flugzeugwerft an der Richthofenstraße.

Die Flugzeugwerft an der Richthofenstraße.

Das geht aus einem Schreiben hervor, dass die Grundstückseigentümer an die Flugplatzgesellschaft gerichtet haben und das dieser Redaktion vorliegt. 

Wer will das Grundstück kaufen?

Zunächst einmal ist da die Flugplatzgesellschaft Hangelar (FGH). Sie besteht aus den Anteilseignern Stadt Bonn (Stadtwerke Bonn), Rhein-Sieg-Kreis, Stadt Sankt Augustin und der Fliegergemeinschaft Hangelar. Und die FGH hat auch ein Ankaufsrecht für das Grundstück.

Ein weiterer Interessent ist nach Informationen dieser Redaktion der Unternehmer und Geschäftsführer des Bonner Bus-Unternehmens „Univers Reisen“ Eberhard Penz. Das Unternehmen veranstaltet Busreisen und unternimmt auch Linienfahrten in Bonn, unter anderem im Auftrag der Stadtwerke Bonn.

Wieso gibt es Diskussionen um den Kauf des Grundstücks?

Bisher ging es noch nicht um einen festen Kaufvertrag, sondern darum, ob die Flugplatzgesellschaft Hangelar von ihrem Ankaufsrecht Gebrauch macht. Mit einer Abstimmung für das Ankaufsrecht wurde ein Prozess angestoßen, um den Wert des Grundstücks zu ermitteln, einen Kaufpreis auszuhandeln und offene Fragen zu klären. Zu einem Kauf muss es dennoch nicht zwingend kommen.

Warum gibt es politischen Streit?

Zum Politikum wurde der Vorgang, weil Vertreter der Gesellschafter-Versammlung der FGH vor der Abstimmung teilweise dazu aufgefordert worden sein sollen, gegen die Ausübung das Ankaufsrechts zu stimmen. In Bonn hatte das ein Compliance-Verfahren der Stadtwerke Bonn (SWB) gegen den Dezernenten des Oberbürgermeisters zur Folge.

Welche Vorwürfe gibt es gegen den Rhein-Sieg-Landrat Sebastian Schuster?

Es gab Hinweise, dass auch Landrat Sebastian Schuster (ebenfalls CDU) dem Kreisvertreter in der Gesellschafter-Versammlung gesagt haben soll, es sei gegen das Ankaufsrecht zu stimmen. 

Hier keimte  der Verdacht auf, dass die nun in der Kritik stehenden CDU-Politiker aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis möglicherweise dem Bus-Unternehmer Eberhard Penz den Weg frei machen wollten. Penz hat nämlich der CDU in den vergangenen fünf Jahren mindestens 60.000 Euro gespendet (vermerkt im Rechenschaftsbericht der CDU für 2020 und 2025). Jedoch ist nicht klar, an welche Ortsverbände genau das Geld ging. Dennoch sehen Kritiker mit Skepsis auf diese Verbindung.

Im Mai 2025 hatte Christian Siegberg (damals noch Mitglied im Kreistag) zudem ein Treffen zwischen Landrat Sebastian Schuster, den Geschäftsführern der Flugplatzgesellschaft und Eberhard Penz initiiert, bei dem es um dessen Kaufinteresse ging. 

Wie reagiert Landrat Sebastian Schuster auf die Vorwürfe?

Landrat Sebastian Schuster dementiert die Vorwürfe, einen Parteispender begünstigen zu wollen. Er sei aus rein wirtschaftlichen Erwägungen gegen die Ausübung des Ankaufsrechts gewesen, sagte er. Das betonte er mehrfach, sowohl auf Anfrage der Redaktion als auch im Kreisausschuss im Januar. Demnach sei zum Zeitpunkt der Beschlussfassung nicht klar gewesen, „ob sich eine Ausübung des Ankaufsrechts nur auf das Grundstück bezieht, oder auch das dort aufstehende Werftgebäude einschließen würde.“

Landrat Sebastian Schuster bei einem Gespräch.

Landrat Sebastian Schuster bei einem Gespräch.

Bei einem Ankaufsrecht (und darum geht es beim Grundstück in Hangelar) handele es sich um ein vertraglich vereinbartes Recht, das es einer Person ermöglicht, einen bestimmten Gegenstand (zum Beispiel eine Immobilie oder ein Grundstück) zu kaufen. „Bei dieser Konstellation gibt es immer zwei Parteien. Einen Dritten – wie beim Vorkaufsrecht – mit dem Preis und Konditionen bereits verhandelt sind, gibt es hier nicht.“

Schuster betonte, dass bei Ausübung des Ankaufsrechts eine dritte Person nicht unmittelbar begünstigt wäre, sie hätte ausschließlich anderen Interessenten den Weg frei gemacht, mit den Eigentümern in Verkaufsverhandlungen einzutreten.

Was sagen Politikerinnen und Politiker aus dem Kreis?

Für Sara Zorlu, Kreistagsfraktionsvorsitzende der SPD, wirkten die wirtschaftlichen Bedenken Schusters vorgeschoben. „Es sprachen sachliche Gründe dafür, das Ankaufsrecht wahrzunehmen“, sagte Zorlu der Redaktion. Und es sei eben nicht direkt um einen Kauf gegangen, sondern nur um das Ankaufsrecht. Alle wirtschaftlichen Sorgen, auf die Schuster sich in seiner Argumentation berufen habe, könnten nach wie vor noch geklärt werden. Fraglich sei deshalb, „warum offenbar von vorneherein bewusst darauf verzichtet werden solte“, betont Sara Zorlu.

Sara Zorlu, Kreistagsfraktionsvorsitzende der SPD.

Sara Zorlu, Kreistagsfraktionsvorsitzende der SPD.

Auch andere Fraktionen im Kreis fordern Aufklärung und Offenheit bei dem Thema. So erklärte Ingo Steiner von den Grünen (Koalitionspartner der CDU im Kreis) gegenüber der Redaktion, dass er Schuster geraten habe, in die Offensive zu gehen sollte und den Vorgang vorbehaltlos aufklären solle.

Wie geht es weiter?

Am Montag, 9. März, kommt im Kreishaus der Kreisausschuss zusammen, auch hier steht die Hangelar-Affäre wieder auf der Tagesordnung. So beantragt die SPD erneut „vollständige Transparenz“ zu dem Grundstücksgeschäft, da der Vorgang zu einem „Vertrauensverlust in die Institutionen des Kreises“ führen könne. „Um weiteren schwerwiegenden Schaden vom Kreis und betroffenen Personen abzuwenden“, beantragt die SPD-Kreistagsfraktion eine unabhängige Prüfung durch das Rechnungsprüfungsamt des Rhein-Sieg-Kreises.

Es darf in der Politik niemals der Eindruck entstehen, dass eine Hand die andere wäscht.
Moritz Wächter, Kreisvorsitzender der Grünen Rhein-Sieg

Auch die Grünen im Rhein-Sieg-Kreis fordern eine „lückenlose Aufklärung“. „Die im Raum stehenden Vorwürfe sind gavierend“, so Maria Koch, Kreisvorsitzende. „Wir fordern eine zeitnahe, lückenlose Aufklärung und absolute Transparenz in dieser Angelegenheit.“

Sie und ihr Kollege, der Kreisvorsitzende Moritz Wächter, begrüßten den Vorschlag, dass unabhängige Instanzen wie die Bundestagsverwaltung oder die Gemeindeprüfungsanstalt den Fall untersuchen sollten. „Es darf in der Politik niemals der Eindruck entstehen, dass eine Hand die andere wäscht“, so Moritz Wächter in einer Mitteilung der Grünen.