Berufsimker Klaus Maresch entfernt die Nester der Asiatischen Hornisse. Der Einsatz in Sankt Augustin ist kein Einzelfall.
Nest in rund acht Metern HöheGefährlicher Einsatz: Asiatische Hornisse in Sankt Augustin

Der Einsatz am Lidl in Sankt Augustin war brandgefährlich.
Copyright: Klaus Maresch
Es ist ein Einsatz, der schnell zum Risiko für alle Beteiligten werden kann: Vor einem Lidl-Markt an der Heinrich-Busch-Straße in Sankt Augustin hängt ein Nest der Asiatischen Hornisse in rund acht Metern Höhe. Das Nest ist etwa 70 Zentimeter lang und hat einen Umfang von rund 1,20 Metern. Unter ihm liegt ein viel benutzter Parkplatz, in der Nähe stehen Menschen und Kinder und verfolgen das Geschehen.
Das Ordnungsamt will kein Risiko eingehen und lässt den Parkplatz vorübergehend sperren. Eine Drehleiter der Freiwilligen Feuerwehr wird organisiert. Klaus Maresch, Berufsimker und seit 2017 offizieller Berater, Umsiedler und Vernichter im Raum Bonn, im Rhein-Sieg-Kreis und im südlichen Rheinland, fährt gemeinsam mit seinem Auszubildenden im Korb nach oben.
„Dann haben wir das Nest mit Rasierschaum verschlossen, aus dem Gebüsch herausgeschnitten, in einen Müllsack gepackt – und heute wandert es in die Müllverbrennungsanlage“, berichtet Maresch. Die Maßnahme ist notwendig, weil ein solches Nest nicht nur groß, sondern auch schwer und instabil sein kann. „Auch mir kann das Nest theoretisch aus der Hand fallen. Wir sind immer zu zweit da, um das abzusichern.“
Gerade im Herbst kann die Lage gefährlich werden
In einem mittelgroßen Nest leben nach Mareschs Einschätzung 1.500 bis 2.000 Hornissen. Gerade im Herbst kann die Lage gefährlich werden. Wenn die Bäume ihr Laub verlieren, sind die Nester dem Wind stärker ausgesetzt. „Es passiert nicht selten, dass solche Nester abreißen, auf den Boden fallen und die Hornissen aus dem Nest herauskommen und über alles herfallen, was in der Umgebung ist. Das wäre an der Stelle eine Katastrophe gewesen.“
Einsatz kein Einzelfall
Der Einsatz in Sankt Augustin ist kein Einzelfall. Maresch arbeitet derzeit beinahe ohne Pause. „Wir haben mit meinen Kollegen zusammen in den vergangenen Wochen 900 Fälle abgearbeitet“, sagt er. Täglich erreichen ihn mindestens zehn bis 15 neue Meldungen. Allein vor dem Einsatz in Sankt Augustin bearbeitete er in Meerbusch an einem Tag sechs zugewiesene Fälle. Während der Fahrt entdeckte er mit einem Baumkontrolleur zwei weitere Nester – nur beim Vorbeifahren.
Wie stark sich die Asiatische Hornisse ausbreitet, zeigen die Zahlen aus dem Rhein-Sieg-Kreis. „Wir haben eine Verfünffachung. Der Rhein-Sieg-Kreis hatte letztes Jahr im Mai 18 Meldungen und hat dieses Jahr 95.“ Für eine abschließende Bilanz sei es zwar noch zu früh, sagt Maresch. Seine Einschätzung fällt dennoch eindeutig aus: „Das wird heftig werden dieses Jahr.“
Maresch appelliert an die Bevölkerung, jedes Nest zu melden und fachgerecht bekämpfen zu lassen
Die Hochphase beginnt nach seinen Angaben gerade erst. Wenn die Bäume ihr Laub verlieren, werden die Nester auffällig. Gleichzeitig entstehen neue Königinnen. „Alles, was wir jetzt an Nestern erledigen, hat keine Chance, sich zu vermehren und im kommenden Jahr für 30 bis 50 neue Nester zu sorgen.“ Deshalb appelliert Maresch an die Bevölkerung, jedes Nest zu melden und fachgerecht bekämpfen zu lassen.
Die Asiatische Hornisse gilt inzwischen als etablierte invasive Art. Eine vollständige Ausrottung hält Maresch nicht für möglich: „Die ist da und die bleibt. Wir werden sie auch nicht ausrotten können. Wir können sie nur an Punkten bekämpfen, an denen sie gefährlich werden.“ Das betrifft vor allem Nester an Wegen, Häusern, Spielplätzen, Straßen und Bäumen, bei denen eine Gefahr für Menschen oder den Verkehr besteht.
Auf Privatgrundstücken müssen Eigentümer und gegebenenfalls Vermieter handeln. Für Hausbesitzer kann das auch finanziell relevant werden, insbesondere wenn ein Nest in großer Höhe entfernt werden muss. Maresch rät deshalb, die eigene Versicherung zu prüfen. Je nach Vertrag könne ein erweiterter Schutzbrief die Kosten für Nester am Haus oder auf dem Grundstück abdecken.
Bei Gartenarbeiten aufpassen
Auch beim Heckenschneiden ist Vorsicht geboten. In Köln und im Rhein-Sieg-Kreis mussten bereits zwei Mitarbeiter ins Krankenhaus, nachdem sie beim Schneiden einer Hecke einem Nest zu nahe gekommen waren. In dichtem Efeu oder Gebüsch können sich große Sekundärnester verbergen.
Maresch warnt davor, in Panik irgendeinen Schädlingsbekämpfer aus dem Internet oder den Gelben Seiten zu beauftragen. „Die Leute sollen in ihrer Panik um Himmels willen nicht irgendwo in die Gelben Seiten gucken.“ Er berichtet von Fällen, in denen dubiose Anbieter mit Seifenlauge gegen die Nester vorgingen und anschließend bis zu 800 Euro verlangten.
So können Nester gemeldet werden
Sein Rat an Bürgerinnen und Bürger ist deshalb, zunächst ein Foto zu machen und das Nest von einem Experten bestimmen zu lassen. „Wenn die Leute unsicher sind, was sie da haben, sollen sie ein Foto machen und mir per WhatsApp zuschicken. Dann bekommen sie von mir auch zu hören, was zu tun ist – und was nicht.“ Für die Meldung eines Nestes sollten Bürgerinnen und Bürger die jeweils zuständige Kommune, das Ordnungsamt oder ein seriöses Fachnetzwerk kontaktieren.
Jedes gemeldete Nest kann die Ausbreitung begrenzen
Die Folgen für das ökologische Gleichgewicht können erheblich sein. „Elf Kilo pro Nest – das ist für die Biodiversität natürlich eine Katastrophe, was den Futterbedarf betrifft. Vögel, die auf Insekten als Futter angewiesen sind, kommen dann wiederum zu kurz.“ Besonders die Imker fürchten, dass die Asiatische Hornisse Bienenvölker dauerhaft schwächt oder ganze Völker vernichtet. Für Maresch ist deshalb klar: Die Entwicklung muss aufmerksam beobachtet werden. Jedes gemeldete Nest, das an einer kritischen Stelle fachgerecht entfernt wird, kann zugleich dazu beitragen, die weitere Ausbreitung der Art zu begrenzen.
Die Hornisse erbeutet nach Mareschs Angaben neben Insekten auch andere Tiere. „Die Asiatische Hornisse nimmt alles, was sie kriegen kann: von überfahrenen Tieren wie Ratten, Igeln oder Tauben am Straßenrand bis hin zur Brut spät brütender Vogelarten und Insekten.“
Berufsimker Roman Karsten erlebt die Folgen der Asiatischen Hornisse
Während Klaus Maresch im südlichen Rheinland nahezu pausenlos Nester der Asiatischen Hornisse aufspürt und beseitigt, erlebt Berufsimker Roman Karsten aus Troisdorf die Folgen unmittelbar an seinen Bienenstöcken. Seit 2015 hält er in der Region Bienen. In Hennef hatte er nach eigenen Angaben rund 40 Völker, weitere Völker standen in Sankt Augustin und Troisdorf. Inzwischen sind in Hennef rund 80 Prozent der Völker verschwunden.
Zunächst suchte Karsten nach anderen Ursachen. Vielleicht, so vermutete er, könnten Milben oder eine Vergiftung seine Bienenvölker geschädigt haben. Der Vergleich mit seinem Standort in Dierdorf führte ihn jedoch auf eine andere Spur. Dort arbeitet er mit rund 300 Bienenstöcken nach dem gleichen Prinzip – und die Völker sind unversehrt. In Hennef beobachtete er schließlich die Asiatische Hornisse bei der Jagd.
„Da waren ungefähr sieben Hornissen. Die haben in einer halben Stunde ungefähr 25 Bienen geholt“, berichtet er. Besonders dramatisch ist die Situation im Herbst. Die Bienen fliegen noch, solange die Temperaturen es zulassen, doch die Brut nimmt ab. Gleichzeitig benötigen die Hornissen Eiweiß, um sich auf den Winter vorzubereiten. Für die Bienen bedeutet das einen immer höheren Druck an den Fluglöchern.
Umsiedelung seiner Bienenstöcke
Der Imker hat bereits 20 Bienenstöcke abtransportiert. Weitere zehn stehen noch am Standort, zwei davon sind nach seiner Einschätzung noch voll. Die Angriffe lassen sich dort unmittelbar beobachten. „Man kann dort eine Kamera hinstellen und sehen, wie die Hornissen eine Biene nach der anderen wegnehmen.“
Seine Sorge reicht weit über die aktuelle Saison hinaus. „Nächstes Jahr kann ich dort keine Bienen hinstellen, die werden einfach gefressen.“ Die wirtschaftliche Existenz des Berufsimkers ist damit unmittelbar berührt. In Dierdorf verfügt er über 300 Bienenstöcke und betreibt die Imkerei professionell. Für ihn ist der Standort Hennef jedoch inzwischen kaum noch nutzbar. „Feierabend bei mir. Ich kann da nichts mehr machen. Ich hatte dort 40 Bienenstöcke, alle F1-Linien, alle stark – und alle sind weg.“ Für den Imker ist die Beseitigung der Nester deshalb keine abstrakte Naturschutzfrage, sondern eine Voraussetzung dafür, überhaupt weiterarbeiten zu können. (jv)
