Siegbert Perstl kam 1984 aus Österreich nach Sankt Augustin als Restaurantchef im Hotel Regina.
Sigi ist in Rente gegangenNeuer Pächter für die Ratsstube in Sankt Augustin gesucht

Die Ratsstuben in Sankt Augustin sind seit Januar 2026 geschlossen. Ein neuer Pächter wird gesucht.
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Eine Institution ist seit dem 1. Januar geschlossen. „Ich bin jetzt 66 Jahre alt und irgendwann muss ich in Rente gehen“, sagt Siegbert Perstl, inzwischen ehemaliger Wirt der Ratsstube am Karl-Gatzweiler-Platz. Gekündigt hatte der Wirt, der von seinen Stammkunden Sigi genannt wird, seinen Pachtvertrag schon im Oktober 2024, mindestens ein Jahr betrug die Frist, wie er berichtet.
Eigentümer der Ratsstube, die sich im Gebädekomplex des Rathauses befinden, ist die Stadt. Sie hatte also über ein Jahr Zeit, einen neuen Pächter zu finden. Perstl berichtet im Gespräch mit der Redaktion, dass es den einen oder anderen Interessenten gegeben habe. Konkret wisse er allerdings nicht, wie der Stand der Dinge sei. „Ich habe den Schlüssel zur Gaststätte abgegeben, damit bin ich raus und komme auch nicht mehr in den Schankraum rein“, so Perstl.
Die Ratsstuben in Sankt Augustin sind eien Hiemat für rund 70 Vereine und Ogranisationen in der Stadt
Rainer Gleß, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung der Stadt, bestätigt, dass es inzwischen „konkrete Verhandlungen mit einem Interessenten gibt.“ Gespräche mit anderen seien nie in die entscheidende Phase gekommen. Die Ratsstuben mitten in der City stünden auch wegen ihres Namens ein wenig für die Identität mit der Stadt und ihren Bürgern. Der neue Betreiber müsse den rund 70 Vereinen und Organisationen eine Möglichkeit geben, dort zu weiter zu tagen oder sich zu treffen.

Den Charme der 1970er Jahre hat die Inneneinrichtung der Ratstube in Sankt Augustin.
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Auch Politiker haben das gemütliche Beisammensein in der Ratsstube vor und nach den Sitzungen im Rathaus direkt nebenan geschätzt, deren Inneneinrichtung den Charme der 1970er Jahre hatte. An der Eingangstüre befinden sich die Infoblätter der Skatfreunde Sankt Augustin, des Bridge-Treffs, des Segel-Cubs Rhein-Sieg oder des Auto- und Reiseclubs Deutschland. Natürlich waren auch die Karnevalisten anzutreffen. So verabschiedete die Ehrengarde Hangelar im Dezember ihren Ehrenrittmeister und Wirt Sigi. Die Rente sei Ihm nach vielen arbeitsreichen und nicht immer einfachen Jahren in der Gastronomie von Herzen gegönnt. Da sehen auch die Skatfreunde so, die zurzeit wie andere Vereine der Ratsstube die Glocke als Ausweichquartier nutzen.
Sigi Prestl stand in der Küche der Ratsstube selber am Herd, servierte Österreichische Spezialitäten
In der Küche des Restaurants stand der Chef selber am Herd. 1984 wechselte er von aus der Gastronomie von Österreich nach Deutschland. Prestl wollte damals etwas Neues in seinem Leben machen. Deutsch-österreichische Gerichte waren deshalb die Stärke des Hauses. Vom Backhändel über ein Schnitzel bis hin zum Tafelspitz. „Angefangen hatte alles im Hotel Regina“, erinnert er sich. Christa Holl war damals die Chefin, Prestl der Restaurantleiter dort. Holl pachtete im Jahr 2007 neben dem Hotel die Ratsstuben. Perstl wurde dort Geschäftsführer und bekam im Jahr 201o die Möglichkeit das Restaurant zu übernehmen. 2011 war der offizielle Geschäftsübergang.

Beim Neujahrsempfang für das Siegburger Kinderheim Pauline von Mallinckrodt stieß Siegbert Perstl mit seinen Gästen gleich zu Beginn an.
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Ein Termin in den Ratsstuben zum Beginn des Jahres war immer ganz besonders. Das Siegburger Kinderheim Pauline von Mallinckrodt wurde zum Neujahrsempfang eingeladen. Unterstützung bekam das Restaurantteam bei der Bewirtung der Gäste stets von einigen Stammgästen. Da kamen schon mal 19 Kilogramm Pommes, sieben Kilogramm Spaghetti, zehn Kilo Chicken-Nuggets und fünf Kilo Würstchen aufs Buffet. Nicht zu vergessen die acht Liter Bolognese-Sauce. Die Veranstaltung wurde immer mit einem alkoholfreien Cocktail eröffnet. Perstl prostete zu Beginn seinen Gästen zu.
Gleß hofft, dass „vielleicht schon ab April“ die Ratsstube wieder geöffnet ist. Ob der Namen beibehalten werde, wisse er nicht. Das Lokal hätte jedoch gutes Ausbaupotential direkt gegenüber Huma. So könne es zum Beispiel bei den Veranstaltungen auf dem Karl-Gatzweiler-Platz mit seiner Außenterrasse punkten. Auch die Veranstaltungsräume böten gute Möglichkeiten. Gleß ist zuversichtlich, dass der neue Pächter durchstarten werde und die Bürger der Stadt dass auch bemerken würden.
