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Herzkranker JungeElias Blum aus Sankt Augustin spielt zum Abschied gegen Borussia Dortmund

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Elias Blum und sein Vater Jean-Marie Blum vor dem letzten Spiel des Sohnes am Samstag. Zu seinem Geburtstag darf er mit der U11 des FC Sankt Augustin gegen die U10 von Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund kicken. Aus gesundheitlichen Gründen muss der Zehnjährige, der mit einem Herzfehler lebt, frühzeitig seine Karriere beenden.

Elias Blum und sein Vater Jean-Marie Blum vor dem letzten Spiel des Sohnes am Samstag. Zu seinem Geburtstag darf er mit der U11 des FC Sankt Augustin gegen die U10 von Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund kicken. Aus gesundheitlichen Gründen muss der Zehnjährige, der mit einem Herzfehler lebt, frühzeitig seine Karriere beenden.

Mit der U11 des FC Sankt Augustin darf der Junge gegen die U10-Team von Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund spielen. 

Wenn Fußball-Profis das Alter von 30 Jahren überschritten haben, beginnen sie damit, sich ernsthalft Gedanken über ihr Karriereende zu machen. Die meisten Kicker hängen dann ein paar Jahre später die Fußballschuhe an den Nagel. Bei den Amateuren gibt es auch immer wieder Beispiele, dass  fitte Spieler bis 50 Jahre und älter noch dem runden Leder hinterherjagen.

Fünf Herzoperationen in den ersten drei Lebensjahren

Bei Elias Blum sieht die Sachlage da etwas anders aus. Der Zehnjährige aus Sankt Augustin wird am kommenden Wochenende zwar seine kurze Fußball-Laufbahn nicht direkt beenden. Aber es gibt ein vorgezogenes Abschiedsspiel. Dabei darf er sich auf ein besonders Erlebnis freuen. Denn mit seiner U11-Mannschaft des FC Sankt Augustin trägt er gegen den jeweiligen U10-Nachwuchs von Bayer 04 Leverkusen und Borussia Dortmund im Leverkusener Leistungszentrum eine kleines Turnier aus.

„Elias hat das hypoplastische Linksherzsyndrom. Das bedeutet, dass er nur eine funktionierende Herzkammer hat“, erklärt sein Vater Jean-Marie Blum. Der 37-Jährige berichtet von einer langen Leidenszeit seines Sohnes in der Kinderklinik in Sankt Augustin.

Der angeborene Herzfehler wurde schon direkt nach der Geburt operativ behandelt, bis zu seinem dritten Lebensjahr musste Elias insgesamt fünf Herzoperationen über sich ergehen lassen. „Elias ist in den ersten Jahren intensiv in der Kinderklinik behandelt worden. Mit Höhen und Tiefen. Es ist auch der Grund, weswegen wir vor zehn Jahren hierhin gezogen sind“, berichtet der Vater. Immerhin habe man seine Sauerstoffsättigung durch die Operationen von 75 auf 92 Prozent erhöhen können. „Mehr geht aber nicht.“

Luiz Dias von Bayern München ist der Lieblingsspielervon Elias Blum

Damit konnte Elias' Gesundheitszustand stabilisiert werden. Blum senior ist seit 20 Jahren Mitglied bei Bayer Leverkusen und besitzt seit vier Jahren eine Dauerkarte. Durch den Großvater beeinflusst hat sich Elias hingegen für Bayern München entschieden. „Luiz Dias ist mein Lieblingsspieler“, sagt der Zehnjährige.

Mit acht Jahren hatte Elias dann den großen Wunsch, selbst Fußball zu spielen. Weil sein Klassenkamerad auf der Gutenberg-Förderschule beim FC Sankt Augustin spielte, begann auch Elias dort zu kicken. Seit zwei Jahren ist sein Vater auch sein Trainer, zudem engagiert sich Jean-Marie Blum im Verein als Jugendleiter.

Mit dem Sport ist es für Elias jetzt allerdings erst einmal vorbei: „Die Verletzungsgefahr aufgrund seiner Medikation mit blutverdünnenden Medikamenten ist zu riskant“, erläutert Blum. Mit höherem Alter werde das Spiel bei den Jugendlichen immer körperbetonter, und da wolle man nichts riskieren.

Auf ein tolles Erlebnis darf sich der zehnjährige Elias Blum ausgerechnet an seinem Geburtstag freuen.

Auf ein tolles Erlebnis darf sich der zehnjährige Elias Blum ausgerechnet an seinem Geburtstag freuen.

„Wir sind ärztlich auch immer betreut gewesen.“ Elias liebe das Fußball-Spiel, man habe mittels eines Langzeit-EKG während einer Begegnung die Werte überprüft. „Wir waren sogar verwundert, wie toll sein Herz arbeitet und es sich wieder erholt, nachdem er Leistung bringt“, erinnert sich der Vater. Es war aber dann irgendwann klar, dass man ab Sommer in der D-Jugend das Risiko nicht mehr eingehen kann.

Für das Ende der kurzen Karriere hat sich der Vater einen besonderen Tag ausgedacht. Elias wird am 28. Februar elf Jahre alt, und als Jean-Marie Blum sich mit der Geschichte an seinen Lieblingsverein Bayer Leverkusen wendete, bekam er schnell eine Antwort. „Was will sich ein Junge zum Geburtstag denn mehr wünschen, als gegen die Stars von morgen zu spielen?“, schildert Jean-Marie Blum seine Beweggründe.  

Anton Sandmann, Leverkusens U11-Trainer und Koordinator Future-Kids bei Bayer 04, meldete sich prompt und hörte sich in einem längeren Telefongespräch das Schicksal von Elias an. 

Er schießt dank der tollen Zuspiele seiner Mitspieler verdammt viele Tore. Deutlich mehr als ich früher
Jean-Marie Blum, Vater von Elias Blum

„Er hat dann angeboten, mit unserer U11 gegen die U10 von Bayer Leverkusen zu spielen. Die Leverkusener Jungs sind in jungen Jahren schon so gut, dass wir gegen die ein Jahr jüngere Mannschaft spielen“, schildert Blum. Zusätzlich organiserte Sandmann dann noch die U10 von Borussia Dortmund zum Kurzturnier. 

Gespielt wird am Samstag im Leverkusener Leistungszentrum Kurtekotten. Dabei treten die Mannschaften auf zwei Kleinspielfeldern mit fünf Spielern plus Torwart gegeneinander an. Vier Spiele à 20 Minuten sind geplant, so dass die Kinder rund 80 Minuten aktiv sein werden.

„Wir dürfen mit zwei Mannschaften antreten“, erklärt der Vater. Mit Freunden, Familie und den anderen Eltern rechnet Jean-Marie Blum mit bis zu 50 Fans, die die FCA-Mannschaften begleiten und unterstützen. Elias wird natürlich in seiner Stammposition als Stürmer auflaufen. „Er schießt dank der tollen Zuspiele seiner Mitspieler verdammt viele Tore. Deutlich mehr als ich früher“, berichtet sein Vater. 

Im Anschluss geht es zurück ins Clubheim des FC Sankt Augustin, wo ein Fifa-Turnier an der Playstation mit der Mannschaft geplant ist. Und es wird Pizza geben. „Beides hat er sich gewünscht. Wir werden noch mehrere Fernseher im Clubheim aufstellen“, kündigt Jean-Marie Blum an.   

Als Trainer der U11 will der Vater auf jeden Fall weitermachen und hat mit seinen Sohn Elias einen der jüngsten Co-Trainer. Ein Einsatz im Sommer sei nicht ausschließen. Das kommt auf den Gegner an: „Wenn ich das Gefühl habe, dass es sicher ist, ihn spielen zu lassen, dann wird er sicher auch nochmal mitspielen dürfen.“