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Stadt will neue VerträgeSankt Augustin verhandelt mit freien Trägern in den Schulen

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Seit 20 Jahren kümmert sich der Vereien Betreute Schulen in der Offenen Ganztagsschule Sankt Martin um die Kinder.

Seit 20 Jahren kümmert sich der Vereien Betreute Schulen in der Offenen Ganztagsschule Sankt Martin um die Kinder.

Stadt möchte neu verhandeln und „tragbare Lösung für alle beteiligten finden“.

Vor einigen Tagen flatterte den vier Trägern der Offenen Ganztagsschulen (OGS) in Sankt Augustin ein Brief ins Haus. Absender des Schreibens war die Stadtverwaltung. Es wurde mitgeteilt, dass geplant ist, die „künftige Finanzierung der Betreuung zu betrachten“. Dazu müsse eine „neue Kooperationsvereinbarung“ aufgesetzt werden. Das bedeutet: Der Vertrag mit den freien Trägern wird nicht so weitergeführt wie bisher. Wenn es keine Einigung auf Basis der neuen Finanzierungsvorgaben der Stadt  gibt, muss die Kommune mit einer Ausschreibung auf die Suche nach anderen Anbietern gehen. So weit ist es allerdings noch nicht.

„Die Verwaltung hat keine Kündigung gegenüber einem OGS-Träger ausgesprochen. Es wurde lediglich als in den Kooperationsvereinbarungen vorgesehener formaler Schritt die Absicht einer möglichen Kündigung zum Schuljahr 2027/2028 angekündigt, was keine Kündigung darstellt“, teilt Pressesprecher Benedikt Bungarten mit. Sofern eine Kündigung erforderlich werden sollte, müsse diese gesondert bis zum 31. Dezember des jeweiligen Vorjahres erklärt werden. Mit allen Beteiligten würden Gespräche geführt mit dem Ziel, im konstruktiven Dialog zu bleiben. 

Sankt Augustin fordert Einsparvorschläge von den freien Trägern der OGS

Bürgermeister Max Leitterstorf möchte den Zuschuss der Stadt für die Betreuung pro Kind in der OGS um sechs Prozent kürzen. Für die Eltern ändert sich dadurch nichts. Betroffen sind rund 2300 Kinder an den acht Grundschulen im Stadtgebiet. 6,7 Millionen Euro zahlt die Stadt jedes Jahr an die Träger, 400.000 Euro sollen nun eingespart werden. Allerdings gibt es ab August 2026 einen Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz. Deswegen hatte die Kommune in den vergangenen fünf Jahren rund 16,2 Millionen Euro in entsprechende Räume an den Grundschulen investiert.

Im Januar 2026 hatte die Stadt darauf hingewiesen, dass sie mit dem Zuschuss des Landes zusammen mit den OGS-Beiträgen der Eltern keine Träger für die Betreuung an den Schulen fände. Sie müsse deswegen den Betrag aus eigenen Mitteln aufstocken. Die Haushaltslage sei jedoch nicht einfach. Es wurden deswegen Einsparvorschläge von den freien Trägern gefordert, damit die Kosten der Betreuung gesenkt werden könnten. Diese zeigten Gesprächsbereitschaft. Doch nichts passierte.  

Nun legte Dr. Martin Eßer als zuständiger Erster Beigeordneter mit dem Schreiben am 25. Juni nach. Darin betont er, die Stadt sei daran interessiert, eine „dauerhafte, auch finanziell tragbare Lösung für die OGS in Sankt Augustin für alle Beteiligten zu finden“. Einen ersten Gesprächstermin dazu mit dem größten Träger, Betreute Schulen (BS), hat es am Montag, 30. Juni, gegeben. Termine mit den anderen drei Trägern sollen folgen.

Dass nun noch eine weitere Abwärtsspirale erfolgen soll, kann nur zu Lasten der Kinder gehen
Britta Busch, Geschäftsführerein des Vereines Betreute Schulen

BS-Geschäftsführerin Britta Busch zeigte sich auf Anfrage sehr „überrascht über die beabsichtigte Kündigung durch die Stadt. Seit über 20 Jahren leisten wir erfolgreiche Arbeit, feiern in diesem Monat zum Beispiel an der Grundschule Sankt Martin ein Fest zur 20-jährigen Zusammenarbeit und bekommen dann plötzlich aus heiterem Himmel so einen Brief“.

Die Offene Ganztagschule Sankt Martin hat ein eigenes Gebäude an der Schule.

Die Offene Ganztagschule Sankt Martin hat ein eigenes Gebäude an der Schule.

Schon für das kommende Schuljahr gebe es statt der vereinbarten jährlichen 1,5 Prozent Erhöhung der Zuschüsse lediglich eine „Nullrunde“. „Dass nun noch eine weitere Abwärtsspirale erfolgen soll, kann nur zu Lasten der Kinder gehen“, stellte sie fest. „Es ist nicht so, dass wir als Jugendhilfeträger mit unserem gemeinnützigen Verein Gewinne erwirtschaften“, betont sie. Bei Sachmitteln sehe sie kaum Einsparmöglichkeiten. In größeren Gruppen, die weniger Personal beanspruchten, könne das einzelne Kind weniger gefördert werden.

Sibylle Friedhofen, Vorsitzende des Kinderschutzbundes in Sankt Augustin, hatte schon im Januar argumentiert: „Wenn wir allen Kindern und Jugendlichen dieselbe Chancengleichheit geben wollen, dann müssen sämtliche Betreuungsmöglichkeiten in allen Bereichen kostenfrei sein.“ Die Bereitstellung der erforderlichen Mittel dazu sei jedoch nicht Sache der Kommunen, die schon für Gebäude und Ausstattung sorgten, sondern die des Landes. Die Politik sei aufgefordert, dies so umzusetzen.

Die SPD in Sankt Augustin reagiert mit Unverständnis auf die Ankündigung

Die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Sankt Augustin reagiert „mit Unverständnis auf die Ankündigung von Bürgermeister Max Leitterstorf, die Kooperationsvereinbarung zum Offenen Ganztag in Sankt Augustin zum Schuljahr 2027/2028 kündigen zu wollen“, teilt Pressesprecher Sascha Bäsch mit. Aus ihrer Sicht sollte nun alles darangesetzt werden, die „bewährte Zusammenarbeit mit den Trägern im Interesse von Kindern, Eltern und Schulen verlässlich fortzusetzen.“ Es dürfe keinerlei qualitative Verluste oder reduzierte Betreuungsangebote beim Offenen Ganztag geben. Die vier Träger der Offenen Ganztagsschule, Betreute Schulen, Kinderwerk Baronsky, die Katholische Jugendagentur Bonn sowie die Jugendfarm Bonn, leisteten seit Jahren hervorragende Arbeit.

„Die OGS in Sankt Augustin ist nicht nur verlässlich und pädagogisch stark. Sie ist auch bei vielen Eltern hoch angesehen“, formuliert SPD-Fraktionsvorsitzende Heike Borowski. „Genau deshalb darf eine erfolgreiche Struktur jetzt nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Entscheidend ist, dass die Zusammenarbeit mit den Trägern fortgesetzt wird und es keinerlei qualitative Verluste gibt.“

SPD-Ratsmitglied Michael Richter, Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Sport und Kultur, hat veranlasst, dass das Thema auf die Tagesordnung des Schulausschusses am 14. Juli gesetzt wird. Dort soll aus Sicht der SPD offen darüber beraten werden, wie die Zusammenarbeit mit den Trägern fortgeführt und die OGS in Sankt Augustin langfristig verlässlich und qualitativ hochwertig aufgestellt werden kann.