Gleß macht einen Ausflug in die 1980er und 1990er Jahre im Rheinland mit politischem Hintergrund.
Lesungen von „Was wir glaubten“Zweites Buch von Rainer Gleß aus Sankt Augustin

Rainer Gleß auf der Mewasseret-Zion-Brücke in Sankt Augustin.
Copyright: Stefan Villinger
„Ich hätte nicht gedacht, dass mein erstes Buch so nachgefragt wird,“ berichtet Rainer Gleß. Sein im Frühjahr 2026 veröffentlichtes Werk mit dem Titel „Hermano Blanco - Ein Leben zwischen Rathaus, Ramones und Reha“ gefiel vielen Menschen in der Region. Unter dem Pseudonym Hugo Chaves wurde es damals veröffentlicht. Der ehemalige Technische Beigeordnete der Stadt Sankt Augustin hatte die Zeit nach seiner Pensionierung genutzt, um „einen Blick hinter die Kulissen eines Lebens zu werfen, das nicht perfekt sein will, sondern echt“ - wie er es selbst formuliert.
Dieser Erfolg hat ihn motiviert. Nun ist sein zweites Buch erschienen. In „Was wir glaubten“ erzählt er ebenfalls unter seinem Pseudonym Hugo Chaves die Geschichte eines jungen Musikers, der in den 1980er- und 1990er-Jahren im Rheinland zwischen Kirche, Bandproben, Familie und politischen Umbrüchen erwachsen wird. Mit seiner Rockband erlebt er erste Erfolge, Auftritte vor wachsendem Publikum und schließlich eine kräftezehrende Tour quer durch Deutschland, so Gleß über den Inhalt.
Rainer Gleß stellt sein Werk zweimal in Sankt Augustin in einer Lesung vor
Musik bedeutet für ihn Freiheit und Selbstverwirklichung – doch der Preis ist hoch. Der Druck steigt, die Erschöpfung wächst, und langsam gerät sein Leben aus dem Gleichgewicht. Parallel dazu gerät er in den Einflussbereich einer politischen Bewegung, die einfache Antworten auf komplexe Fragen verspricht. Im Zentrum steht ein charismatischer Anführer, der Hoffnung, Ordnung und Orientierung verkörpert – und immer mehr Menschen in seinen Bann zieht.
Der Roman verbindet persönliche Entwicklung von Gleß mit Musik- und Zeitgeschichte und entfaltet dabei eine Reflexion über Verantwortung, Manipulation und demokratische Werte. Im Zentrum steht die Frage, wie viel Einfluss ein einzelner Mensch wirklich hat – und was es bedeutet, Haltung zu zeigen, auch wenn der Ausgang ungewiss bleibt.
Gleß stellt sein neues Werk nun am Freitag, 9. Oktober, erstmals öffentlich um 20 Uhr in der Katholischen Bücherei in Menden in der Kirchstraße vor. „Ich bin schon ein wenig nervös“, verrät er im Gespräch mit der Redaktion. Vorträge von großem Publikum sei er als Städteplaner gewohnt, aber „einen Vortag in eigener Sache zu machen“, sei für ihn Neuland. Am Donnerstag, 12. November, folgt dann die zweite öffentliche Lesung um 19 Uhr in der Stadtbibliothek neben dem Rathaus in Sankt Augustin.
Das Buch: Hugo Chaves, Was wir glaubten, Gabriele Schäfer Verlag, 524 Seiten, 25 Euro, ISBN 978-3-910594-54-8
