Mehr als zwölf Monate ruhten die Abriss- und Erdarbeiten auf dem Haufeld. Ein Vergabe-Nachprüfungsverfahren hatte das Großprojekt ausgebremst. Nun zeichnet sich ab, dass es vorangeht, allerdings in einer schlankeren Form, ohne dass das Ziel eines lebendigen Quartiers aufgegeben wird. Die Stadtbetriebe Siegburg AöR setzen den Masterplan für das Areal rund um die ehemalige Hauptschule Innere Stadt um. Der Plan geht auf eine Studie aus dem Jahr 2019 zurück und sieht ein Quartier mit Wohnungen, viel Grün, sozialer Infrastruktur und einem zentralen Quartiersplatz vor. Für das Grundstück besteht ein Erbpachtvertrag über 99 Jahre.
Planung ohne Tiefgarage wird überprüft
Veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen haben die Stadtbetriebe veranlasst, die Planung zu überprüfen. Das Ergebnis: Auf die Tiefgarage unter dem Haufeld kann verzichtet werden, ohne wesentliche Bestandteile des Konzepts aufzugeben. Die notwendigen Stellplätze sollen in der kürzlich eröffneten Hochgarage an der Industriestraße bereitgestellt werden. Voraussetzung ist, dass die zugesagte Projektförderung des Landes Nordrhein-Westfalen auch ohne den unterirdischen Parkraum erhalten bleibt. Der Verwaltungsrat der Stadtbetriebe hat diese Aufgabe nun beauftragt: Die geänderten Planungen werden weiterverfolgt und die endgültige Klärung mit dem Fördergeber herbeigeführt. Erst danach können die Abbrucharbeiten beginnen, was zeitnah geschehen soll.
Die Verzögerung geht auf die Vergabe des Schulabrisses und des Baus einer Anlage für betreutes Wohnen zurück. Gegen die Vergabe im Auftragswert von rund 2,5 Millionen Euro war eine Klage eingegangen. Die Stadtbetriebe hatten dadurch mehr als ein Jahr verloren.

Zwölf Monate lag die Arbeit brach.
Copyright: Stadtbetriebe Siegburg
Geplant sind in drei Baukörpern 141 Wohnungen. Rund die Hälfte davon wird als förderfähiger Wohnraum errichtet, aufgeteilt auf die Förderwege A und B. Eine Trennung zwischen freifinanziertem und gefördertem Wohnungsbau gibt es nicht: Alle Gebäude entstehen in gleich hoher Qualität und barrierefrei. Der Wohnungsmix reicht von 67 Einzimmerwohnungen über 52 Zweizimmer- und 17 Dreizimmerwohnungen bis zu wenigen großen Wohnungen mit vier und fünf Zimmern.
Zwischen den Gebäuden entstehen begrünte Bereiche mit Bäumen, Hecken, Blumenbeeten und Spielplätzen, dazu ein Nachbarschaftsgarten mit Gemüse- und Obstanbau. Die sogenannte Grüne Spange führt Richtung Süden, wo eine Fuß- und Radverbindung mitgedacht ist. Herzstück ist der Quartiersplatz im Südosten. Dort soll das Büdchen mit Kaffee, regionalen Produkten und dem täglichen Bedarf entstehen, außerdem ein Quartiersraum für rund 30 Sitzplätze und eine Servicestelle für Pflege- und Sozialberatung. Die DRK-Kita Schatzinsel hat bereits den Betrieb aufgenommen.
Erdwärme und Photovoltaik für die Energieversorgung
Die Wärmeversorgung soll auf erneuerbare Energien setzen. Beim Aushub werden Erdwärmesonden eingelegt, ergänzt durch Photovoltaik auf den Dächern. Rechnerisch wird die Energie- und Wärmeversorgung des Plangebiets dadurch CO2-neutral. Die Erdwärme könnte zudem Gebäude im Umfeld mitversorgen, ein örtliches Nahwärmenetz ist denkbar.
Das Verkehrskonzept aus dem Mai 2024 kommt zu dem Ergebnis, dass das Vorhaben verkehrlich umsetzbar ist. Die Wilhelmstraße soll nicht zusätzlich belastet werden, da das Gebiet vor allem über die Industriestraße und die Von-Stephan-Straße erschlossen wird. Rund 2.400 zusätzliche Kfz-Fahrten pro Tag werden prognostiziert. Die Berechnungen beruhen allerdings noch auf der ursprünglichen Planung mit Tiefgarage. (tis)

