Stefan, Christina, Theo und Paula wühlen sich durch die Berge an Kostümen, die im Pfarrer-Rupprecht-Saal in Siegburg-Stallberg bereitliegen. Versuchsweise wird ein Hut ausprobiert oder in eine Jacke geschlüpft. Für ein Kostüm entschieden hat sich aber noch niemand von ihnen.
Familie auf der Suche nach Inspiration
„Wir sind eigentlich jedes Jahr hier und suchen nach neuen Kostümen“, erzählt Vater Stefan. Einen konkreten Kostümwunsch haben sie dabei nicht unbedingt. „Eigentlich suchen wir hier nach Inspiration“, erklärt Mutter Christina. Gerade wenn es um die Kostümideen gehe, könne man sich auf dem Basar inspirieren lassen. „Und wir finden jedes Jahr einen neuen Schatz“, so Stefan weiter. Bei der großen Auswahl könne man auch einfach schauen, was man findet. „Wir kommen auch her, um uns überraschen zu lassen.“
Nur Sohn Theo hat einen heimlichen Favoriten. Eigentlich suche er nach Darth Vader, verrät er. Bislang hat er ihn noch nicht gefunden. Aber die Aussicht, das Kostüm hier beim Kostümbasar der Ehrengarde zu finden, ist hoch. „Eigentlich findet man zu allen Themen etwas. Auch wenn man schon ein Kostüm hat und noch nach Accessoires sucht, wird man oft fündig“, so Christina.
„Es ist mittlerweile eine Institution“
Die vierköpfige Familie aus Stallberg ist nicht die Einzige, die am vergangenen Sonntag den Weg zum Karnevalsbasar gefunden hat. Als die Türen zum Saal um 11 Uhr geöffnet wurden, ging es schnell: Die Besucherinnen und Besucher strömten zu den Tischen und Kleiderständern. „Wir wurden hier regelrecht gestürmt“, sagt Farid Wagner, Präsident und Geschäftsführer der Siegburger Ehrengarde. Einen solchen Andrang habe er beim inzwischen 19. Karnevalsbasar noch nicht erlebt. „Man merkt wirklich: Es ist mittlerweile eine Institution.“
Schon vor der Öffnung des Saals waren die ersten Gäste im Foyer des Pfarrer-Rupprecht-Saals. Dort konnten sie Kaffee trinken, belegte Brötchen oder Waffeln mit heißen Kirschen essen. Als der Verkauf begann, standen die Interessierten laut Wagner zeitweise in Zweierreihen an den Tischen. Einige Kleiderbügel waren bereits am Mittag leer.

Wagner (r.) mit Wietelmann.
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Das Angebot besteht komplett aus Spenden
Das Angebot besteht vollständig aus Spenden: Die Ehrengarde verkauft Kostüme, Hüte, Perücken und Orden, die Privatleute im Laufe des Jahres abgeben. „Wir kaufen nichts zu. Das würde dem Zweck und Sinn eines Basars widersprechen“, sagte Wagner. Die Spenden würden entweder zu ihm nach Hause gebracht oder bei einem vereinbarten Übergabetermin abgeholt und anschließend in einer Lagerhalle aufbewahrt.
Mehrere Tausend Orden in der Sammlung
Besonders groß sei das Spendenaufkommen in diesem Jahr gewesen. Rund 250 bis 300 seien allein bei Karnevalsorden neu dazugekommen, bei den Kostümen noch mehr – teils in großen Koffern und Kartons. Insgesamt umfasst die Sammlung nach Wagners Einschätzung mehrere Tausend Orden. Manche Besucher suchten gezielt nach einem bestimmten Verein oder einer bestimmten Stadt, andere ließen sich vom Motiv überzeugen. Eine passionierte Reiterin habe sich etwa für Orden mit Pferden und Hufeisen interessiert.
Der Basar ist ein jährlicher Kraftakt
Der Basar ist für die Ehrengarde ein ehrenamtlicher Kraftakt. Rund 20 Aktive halfen vor Ort beim Verkauf, bei der Beratung und am Imbiss. Der Aufbau begann bereits am Freitag; am Samstag wurden die Kostüme vorbereitet und glatt gebügelt. Alle Einnahmen, auch die aus dem Imbiss, fließen nach Wagners Angaben an die Altenhilfe. (jv)

