Siegburg/Bonn – Es war Kommissar Zufall, der eine versteckte und anscheinend ertragreiche Marihuanaplantage in Siegburg auffliegen ließ: Ein Brand, vermutlich ausgelöst durch einen Defekt oder eine Überlastung der elektronischen Anlage der Drogenplantage, hatte zu einem großen Feuerwehreinsatz in einer Lagerhalle in der Industriestraße geführt.
Bei den Löscharbeiten war der abgetrennte Bereich mit 732 Cannabispflanzen entdeckt worden. Seit Montag nun steht ein 44-Jähriger aus Alfter vor dem Bonner Landgericht. Der Mann, der bereits wegen Gewaltdelikten im Gefängnis gesessen hat, muss sich für das Handeltreiben mit Betäubungsmitteln verantworten. Sein 21 Jahre alter Sohn und zwei weitere Angeklagte – ein 23-Jähriger aus Bonn und ein 71-Jähriger aus Hürth – sitzen mit auf der Anklagebank: Dem Trio wird Beihilfe zum Drogenhandel vorgeworfen. Das Verfahren gegen einen fünften Angeklagten – den mutmaßlichen Elektriker der Gruppe, der den Brand möglicherweise verursacht hat – wird gesondert verhandelt.
Am ersten Verhandlungstag schwiegen die Angeklagten zu den Vorwürfen. Zum Teil wollen sie sich laut ihren Anwälten später äußern. Der Anwalt des Sohnes des mutmaßlichen Haupttäters erklärte, sein Ziel sei ein Freispruch für seinen Mandanten.
732 Cannabispflanzen
Über das kollektive Schweigen erstaunt zeigten sich die Staatsanwältin und das Gericht: Im Ermittlungsverfahren hatte der 71 Jahre alte Rentner, der sogar in der Lagerhalle gewohnt und als eine Art Hausmeister fungiert haben soll, noch munter geplaudert. Auf diesen Angaben scheint die Anklage aufgebaut zu sein.
Demnach wurde in der Siegburger Lagerhalle spätestens im Januar 2012 eine Trennwand hochgezogen. Dahinter soll die Plantage mit 732 Cannabispflanzen errichtet worden und im Mai erstmals von dem 44-Jährigen sowie mehreren unbekannten Helfern abgeerntet worden sein. Der Ertrag: Mindestens 18,3 Kilogramm Marihuana, so die Staatsanwaltschaft. Die gleiche Menge soll dann im August geerntet worden sein. Laut Anklage hat der 44-Jährige mit zwei unbekannten Mittätern aus den Niederlanden insgesamt gut 25 Kilogramm Marihuana verkauft. Straßenverkaufswert: Etwa 250 000 Euro. Im August sollen dann mit Hilfe des Sohnes und des 23-Jährigen zum dritten Mal Cannabispflanzen herangezogen worden sein.
Nach den Löscharbeiten am 3. Oktober 2012 hatten die Ermittler nicht nur die versteckten Pflanzen entdeckt sondern auch noch die restlichen elf Kilogramm Marihuana bester Qualität aus der zweiten Ernte gefunden. Der Prozess wird fortgesetzt.
