Wolfgang Niedecken gehört mit Sicherheit zu den bedeutendsten deutschsprachigen Künstlern – nicht nur wegen seiner musikalischen Leistungen, sondern auch wegen seines gesellschaftlichen Engagements. Doch sollte ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt Rheinbach angetragen werden?
Auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung des Rheinbacher Stadtrats befand sich ein Bürgerantrag auf Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Wolfgang Niedecken. Da Bürgeranträge in der Regel anonymisiert veröffentlicht werden, ist zwar nichts über die Person dahinter bekannt, wohl aber über ihre Intention.
Niedeckens prägende Jugendjahre
Der Antragstellende listet auf, dass Niedecken prägende Jugendjahre in Rheinbach hatte, ebenso wie seine musikalischen Anfänge. Zudem habe sich der Kölner offen mit seinen Erlebnissen in Rheinbach auseinandergesetzt. Darüber hinaus führt der Antragstellende Niedeckens Lebensleistung als Gründer und Kopf von Bap an sowie sein Engagement für Demokratie und soziale Gerechtigkeit.
„Die Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Wolfgang Niedecken wäre ein gebührendes Zeichen der Anerkennung für eine der bedeutendsten Musikerpersönlichkeiten Deutschlands, deren Wurzeln und erste künstlerische Schritte unanfechtbar mit der Stadt Rheinbach verwoben sind“, heißt es in dem Antrag.

Der junge Niedecken.
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Niedecken, mittlerweile 75 Jahre alt, lebte von 1961 bis 1970 im Konvikt Sankt Albert der Pallottiner und besuchte das Städtische Gymnasium. Er spielte in Schülerbands wie „The Convikts“ und „The Troop“. In seiner Autobiografie „Auskunft“ berichtet er auch von Misshandlungen und Missbrauch durch einen Pallottinerpater. In den Folgejahren hat Niedecken wiederholt darüber gesprochen. Ebenso hat er das Thema Missbrauch in mehreren Liedern aufgegriffen.
Sicher war die Zeit in Rheinbach für Niedecken von Bedeutung. Aber reicht das für eine Ehrenbürgerschaft? Die Stadtverwaltung hatte einen Beschluss vorgelegt, der zwei Alternativen vorsah: das Ehrenbürgerrecht an Niedecken zu verleihen oder es nicht zu verleihen. Auf Antrag der SPD wurde die Angelegenheit aber einstimmig zur weiteren Beratung in die Fraktionen verwiesen. „Der Hintergrund ist, dass wir die Verdienste von Wolfgang Niedecken für unsere Gesellschaft, Deutschland und unsere Region ausdrücklich würdigen“, erläuterte SPD-Fraktionsvorsitzender Arne Ritter auf Nachfrage. Weiter führte er aus, dass sich die Verleihung der Ehrenbürgerschaft in Rheinbach bislang an besonderen Verdiensten für die Stadt orientiere. In diese Richtung argumentiert auch die Stadtverwaltung. „Aus unserer Sicht bietet der Bürgerantrag durchaus Anlass, diese bisherige Praxis und die zugrunde liegenden Kriterien grundsätzlich zu diskutieren“, so Ritter weiter. „Sowohl die Entscheidung über den konkreten Antrag als auch die Frage, ob die bisherigen Maßstäbe künftig erweitert werden sollten, verdienen eine ausführlichere Beratung. Aus unserer Sicht hätte das den Rahmen der Ratssitzung überschritten“, führte er aus.
So bleibt abzuwarten, wie die Meinungsbildung ausfällt. Für die FDP teilte Fraktionsvorsitzender Marc Frings mit, dass seine Partei keinen hinreichenden Bezug von Niedecken zur Stadt Rheinbach sehe, der aus ihrer Sicht die Verleihung der Ehrenbürgerschaft rechtfertigen würde. Ähnliches teilen die Grünen mit. Fraktionsvorsitzende Deborah Rupprecht hebt vor allem das Engagement Niedeckens gegen Rechtsextremismus hervor, sieht jedoch keinen ausreichenden Bezug zu Rheinbach.

