Siegburg – Polizei und Rettungskräfte werben mit einer Kampagne für „Respekt“ – eine Reaktion auf vermehrte Übergriffe aus der Bevölkerung. Diese Taten werden häufiger als früher zur Anzeige gebracht, so landete auch ein 59-jähriger Leiter einer Baufirma auf der Anklagebank. Doch sein Fall, resümierte das Gericht, sei nicht gerade typisch.
Er war mit seiner Ehefrau im Februar bei einer Karnevalsfeier, hatte reichlich getrunken und Medikamente genommen. Zuhause hämmerte er seinen Kopf gegen Schränke und Wände und verletzte sich damit so massiv, dass seine Frau den Rettungsdienst rief. Der Mann schlug um sich, traf einen der Sanitäter leicht an der Lippe, die Helfer alarmierten die Polizei. Beim Versuch der Beamten, den kleinen und schmächtigen Mann zu fesseln, setzte dieser sich zur Wehr und trat dabei einen der Beamten gegen das Bein.
„Ich hatte einen Filmriss“
„Ich hatte einen Filmriss, bin am nächsten Morgen in der Klinik mit Handschellen aufgewacht“, schilderte der Angeklagte in der Hauptverhandlung. Aus dem Krankenbett telefonierte er mit seiner Frau, erfuhr, dass gegen ihn ein einwöchiges Rückkehrverbot ausgesprochen worden war. Das wurde später auf drei Tage verkürzt. Der Mann, der sich unter anderem einen Nasenbeinbruch selbst beigebracht hatte, zog wieder ein und bat nicht nur seine Frau, sondern auch die Einsatzkräfte direkt danach förmlich um Verzeihung.
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Dass jemand nach einem solchen Vorfall sowohl persönlich in der Wache und der Leitstelle vorspricht als auch eine schriftliche Entschuldigung formuliert, das sei nach seiner Erfahrung die absolute Ausnahme, sagte Amtsrichter Jan Peters. Er stellte mit Einverständnis der Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den bislang unbescholtenen 59-Jährigen gegen Zahlung einer Geldbuße von 1000 Euro, zahlbar an den Rettungsdienst, ein. Dem Angeklagten fiel sichtlich ein Stein vom Herzen: „Ich bin noch nie gewalttätig geworden. Ich engagiere mich vielfältig ehrenamtlich und versuche immer, anderen zu helfen.“ Eines seiner Ehrenämter hat er direkt nach der Tat ruhen lassen: Der Mann war seit Jahren als Schöffe im Einsatz.


