60 Wohnungen sollen im neuen Bamberg-Quartier entstehen. Zu viele, meinen viele Anwohner. Sie kritisieren das Projekt.
Parkraum und LautstärkeAnwohner äußern Befürchtungen zum Siegburger Bamberg-Quartier

Zur Bürgerbefragung über das Bamberg-Quartier im Rhein-Sieg-Forum sind viele Interessierte gekommen.
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Schon richtig ins Detail gehen sollte die Planung für das Bamberg-Quartier auf dem alten Sportplatz des Siegburger SV 04, Weichen für den Bau der fünf Wohnhäuser und rund um die Grundschule gestellt werden. Doch einigen Anwohnern ging das im Rhein-Sieg-Forum zu schnell: Wie berichtet, fürchten sie einen Verkehrskollaps im Viertel. Die bereits existierende Parkraumnot könnte noch verschärft werden. Die Anwohner halten 35 statt der geplanten 60 Wohnungen für verträglich.
Ralf Krutwig fragte in Richtung der Grünen, ob man das Problem Wohnungsnot allein in Siegburg lösen wolle. „Ich fände es gut, wenn die Planung nicht einfach vorgesetzt wird, sondern die Bürger wirklich beteiligt würden.“ Klaus Oberbörsch wollte zunächst grundsätzliches klären, da die Politik eine Petition mit mehr als 400 Unterschriften „überhaupt nicht zur Kenntnis genommen“ habe. Die geplante Wohnbebauung komme viel zu nah an die anderen Grundstücke heran. Stephan Marks, der als Technischer Beigeordneter die Veranstaltung moderierte, bremste die Diskussion aus und mahnte, sich nicht in Dialogen zu verlieren.
Planung für das Bamberg-Quartier: Hol- und Bringzone für Eltern gefordert
Vor vier Pinnwänden wurden dann die Themen Kita und Schule, Freiraum, Modellquartier und Mobilität bearbeitet und die Ergebnisse auf Pinnzetteln festgehalten. In der Fülle der Anregungen fand sich ein guter Schallschutz für die Turnhalle, die nicht zu nahe an die benachbarten Gebäude gebaut werden sollte, die Berücksichtigung von zusätzlichen Parkplätzen für Turnhalle und Schule sowie eine Hol- und Bringzone für Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto fahren.
Bereits jetzt sind die fast schon sprichwörtlichen SUVs, die sich morgens vor der Schule drängeln, ein Problem. Die derzeitigen Spielstraßen müssten vor Durchgangsverkehr geschützt werden. Gefragt wurde auch, wie die künftigen Bewohner der Wohnhäuser schwere Einkäufe nach Hause bringen sollen, wenn sie in der zentralen Hochgarage geparkt haben. Grundlage waren zwei Planvarianten, die sich etwa im Standort der neuen Turnhalle und dem Außenbereich sowie der Erweiterung der Schule unterscheiden.
Kommunalpolitiker Becker (CDU) kritisiert Veranstaltungsformat
Unter den rund 100 Teilnehmern waren viele Kommunalpolitiker, darunter Jürgen Becker, Fraktionschef der CDU. Im persönlichen Gespräch erläuterte er noch einmal, warum die CDU ihre ursprüngliche Vorstellung von einer unbebauten Frischluftschneise auf dem Sportplatz aufgegeben hatte: Das sei ein Zugeständnis an den neuen grünen Partner gewesen und entspreche „dem Wesen einer Kooperation“. Überdies seien im wohnungsbaupolitischen Konzept der Kreisstadt für die Fläche sogar 100 Wohnungen vorgesehen und die SPD habe sich für 80 Einheiten eingesetzt.
Mit dem Veranstaltungsformat sei er nicht zufrieden, ihm wäre ein „Diskussion im Plenum“ lieber gewesen. Der Befürchtung, das Ganze sei nur eine Showveranstaltung, trat er entgegen: „Über den Einfluss der Bürgeranhörung kann man noch diskutieren“, betonte er, auch über den Abstand der neuen Wohnhäuser zu den Nachbargrundstücken. Achten werde die CDU auf die Einhaltung der Dreigeschossigkeit.
Dieter Thiel (Die Grünen) hob hervor, dass man eine sozialpolitische Verantwortung habe und ein Quartier nicht für Autos, sondern für Menschen plane. „Ich gehe davon aus, dass die Zahl der Autos künftig abnehmen wird.“ Zudem seien auch kleinere Wohnungen vorgesehen. „Das ist keine willkürliche, sondern eine gewachsene Lösung.“
Auch Stephan Marks zeigte sich zuversichtlich. Er gehe davon aus, dass die neuen 60 Stellplätze in der Quartiersgarage ausreichen. „Haben Sie ein bisschen Vertrauen.“ Hinzu kommen sollen ein Car-Sharing -Angebot und Lastenräder. Klaus Strack, Kämmerer in Eitorf, der an der Hansenstraße wohnt, sieht das Vorhaben kritisch und fragt: „Wie soll man das bei den heutigen Baupreisen finanzieren? Mir fehlt der Glaube, dass das in der heutigen Zeit funktionieren wird.“ Bauherrin werden wohl die Stadtbetriebe, und Strack fürchtet, dass der Steuerzahler am Ende draufzahlen muss.

