Schon fünf Tage vor Weiberfastnacht haben die Karnevalisten in der Kreisstadt Siegburg die Macht übernommen. Bürgermeister Stefan Rosemann kapitulierte.
RathauserstürmungSiegburgs Bürgermeister kapituliert vor der jecken Übermacht

Zufrieden präsentiert das Siegburger Prinzenpaar den Schlüssel für das Rathaus der Kreisstadt.
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Der Junggesellenverein Rosenhügel (JGV) stellt mit Prinz Helmut IV. und Siegburgia Elke I. nicht nur das diesjährige Siegburger Prinzenpaar, er drückte auch der Rathauserstürmung auf dem Marktplatz seinen Stempel auf – sehr zum Verdruss von Bürgermeister Stefan Rosemann: „Die Jecken haben sich doch bestimmt einen Trick ausgedacht“, argwöhnte das Stadtoberhaupt beim karnevalistischen Schaulaufen vor dem Stadtmuseum. „Das haben wir uns von den Politikern abgeguckt“, konterte Komitee-Präsident Jörg Sola Schröder. Das Oberhaupt aller organisierten Siegburger Karnevalisten machte klar: So gewiss wie Trump Grönland will, so sicher wollten die Jecken ins Rathaus.
Siegburgs Bürgermeister als etwas hüftsteifer Fahnenschwenker
Dafür hatten sie sich zwei Herausforderungen ausgedacht, die aus den Mai-Traditionen kommen, welche auch beim JGV gepflegt werden. So mussten Rosemann und sein Stellvertreter Oliver Schmidt als erstes einen Birkenstamm durchsägen, mit einer ebenso imponierenden wie verrosteten Säge. „Die stammt wohl noch aus dem Gründungsjahr des JVR“, mutmaßte Rosemann, ehe er dem Baumstamm zu Leibe rückte. Nach jecken 1.11 Minuten war das Holzstück schließlich kamintauglich zerkleinert, eine Aufgabe, die das Prinzenpaar anschließend im besten Einvernehmen in nur 20 Sekunden absolvierte – was bestimmt nichts damit zu tun hatte, dass ihr Baumstamm dünner und die verwendete Säge deutlich besser war.

Prinz Helmut IV. und Siegburgia Elke I. durchtrennen einen Baumstamm als wäre es Butter.
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Anschließend musste sich das Stadtoberhaupt beim kunstvollen Fahnenschwenken beweisen. Hier präsentierte sich Rosemann zwar als etwas hüftsteif, aber ohne größere Patzer. Prinz Helmut IV. schwächelte hingegen, erst haderte er mit seinem jecken Kopfschmuck, dann drohte ihm die Flagge zu entgleiten. Dennoch, das Publikumsvoting auf dem gut gefüllten Marktplatz war eindeutig: Auch diese Runde ging an ihn.
Damit war der Coup der Jecken gelungen, Bürgermeister Rosemann fügte sich ins Unvermeidliche, übergab den Stadtschlüssel an den Prinzen und das Stadtsäckel („Viel ist ja nicht drin“) an die Siegburga. Anschließend gab es als Bonus noch eine Kür der Fahnenschwenker der Siegburger Vereine. Die 16 Mitgliedsgesellschaften des Siegburger Karnevalskomitees sorgten für ein festliches Bild auf dem Marktplatz, eindrucksvoll ergänzt von den stolzen Mitgliedern des Junggesellenvereins Rosenhügel, deren jecke Aushängeschilder unter dem Motto „Stück för Stück, ob jroß ob klein – Jemeinschaft un Jlöck finde mer im Verein“ nun dem Höhepunkt ihrer Regentschaft entgegenstreben.

