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180 Kilo Mariuhana angeliefertGestank verrät Siegburger Drogenhändler – Fast fünf Jahre Haft

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180 Kilogramm Mariuhana fand man beim Angeklagten. (Symbolbild)

180 Kilogramm Mariuhana fand man beim Angeklagten. (Symbolbild)

Die Mitarbeitenden einer benachbarten Arztpraxis bemerkten den Mariuhana-Geruch bei der Anlieferung und erwischten den Siegburger.

Wäre der Geruch nicht gewesen, vielleicht wäre der Siegburger Drogendealer nicht erwischt worden. So aber verriet ihn der Gestank aus Marihuana-Behältern, er wurde verhaftet und muss nun für fast fünf Jahre ins Gefängnis.

Der Angeklagte, Vater von drei Kindern und Gelegenheitsjobber auf dem Bau, hatte Geldnot, weil seine Lebensgefährtin schwer krank war. In dieser misslichen Lage nahte scheinbare Rettung durch einen Kumpel aus gemeinsamer krimineller Vergangenheit, der ihm eine Beteiligung an einem Drogengeschäft anbot.

Bauarbeiter sollte eine Lagerhalle für geschmuggeltes Mariuhana besorgen

Der Bauarbeiter sollte eine Halle zum Lagern von geschmuggeltem Marihuana besorgen, sie verwalten, den Stoff dorthin transportieren und dann weiterverteilen. 3000 Euro pro Monat versprach ihm der Kumpel, der nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mitglied einer Bande war. Beide wurden sich handelseinig, der Angeklagte erhielt ein verschlüsseltes Krypto-Handy, über das er unter dem Decknamen „Kaiser“ mit dem Auftraggeber kommunizierte.

Die Halle war in Siegburg bei einem ehemaligen Fliesenhändler schnell gefunden. Als der Verwalter dort ein paar Tage später nach dem Rechten sah, stieß er in einem Schrank auf harte Drogen wie beispielsweise Kokain. „Das geht dich nichts an“, habe der Kumpel auf Nachfrage kurz und bündig erklärt – und der Angeklagte beließ es dabei.

Gestank verrät den Angeklagten: 180 Kilogramm Mariuhana gefunden

Am 31. Oktober 2022 traf der erste Transport mit Marihuana aus Spanien ein. Der Lieferant hatte rund 180 Kilogramm davon unter Pflanzenerde in vier 1000-Liter-Containern versteckt und zusätzlich mit einem Duftstoff präpariert, um Rauschgiftspürhunde an der Grenze abzulenken. Der Verwalter holte die Schmuggelware gegen ein Extra-Honorar von 2000 Euro in zwei Fuhren in Köln ab und brachte sie in die Halle nach Siegburg. Beim Auspacken entströmte den Plastiktonnen jedoch ein so entsetzlicher Gestank, dass Mitarbeiterinnen einer benachbarten Arztpraxis aufmerksam wurden, den Lagerraum betraten, um nachzuschauen – und dabei den Angeklagten inmitten von Päckchen mit verdächtigen Aufschriften antrafen.

Der Angeklagte ergriff die Flucht, und die Arzthelferinnen alarmierten die Polizei. Sie fand nicht nur die 180 Kilogramm Marihuana, sondern auch 1,6 Kilo Kokain, 1,3 Kilo Haschisch, 36 Ecstasy-Pillen und 39 Gramm MDMA, dem Grundstoff von Ecstasy. Zusätzlich wurde die DNA des Angeklagten gesichert.

Angeklagter flüchtete nach Spanien – wo er schließlich verhaftet wurde

Der war noch am gleichen Tag mit Hilfe der Bande nach Maastricht geflohen, wo ihm bis Anfang 2023 ein Apartment zur Verfügung gestellt wurde; anschließend kümmerte sich die Organisation nach Erkenntnissen des Gerichts um seinen Weiterflug nach Alicante. Zusätzlich unterstützte sie ihn und seine Lebensgefährtin mit je 1500 Euro sowie „Cannabis soviel er haben wollte“.

Das süße Leben in Spanien endete Anfang 2024: Verdeckte Ermittler hatten die Freundin observiert, die nach Malaga geflogen war, um ihn zu besuchen. Als er sie am Flughafen abholte, klickten die Handschellen. Der Angeklagte kam über ein Jahr in Auslieferungshaft, bevor er am 1. April 2025 nach Deutschland überstellt wurde.

Die 11. Große Strafkammer des Bonner Landgerichts verurteilte den 15 Mal, auch einschlägig Vorbestraften jetzt wegen bandenmäßigen Handels mit Cannabis, Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln sowie Drogenbesitzes zu vier Jahre und neun Monaten Haft. Der Mann hatte dennoch Glück: Der Haftbefehl wurde unter strengen Auflagen außer Vollzug gesetzt, so dass er nach Ende der Verhandlung zu seiner Familie fahren konnte.