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StadtbildSiegburg: Hartmut-de-Corné-Platz statt „Platz der Begegnung“

CDU und SPD wollen den Vorplatz des Rhein-Sieg-Forums nach dem Stadtarchitekten benennen, der ihn mitentwarf. Die Linke schlägt stattdessen eine Politikerin von 1919 vor.

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Der Platz der Begegnung am Rhein-Sieg-Forum.

Gut fünf Jahre nach seinem Tod soll die Kreisstadt den Mann ehren, der die Stadt Siegburg nach dem Zweiten Weltkrieg wie keiner Zweiter geprägt hat. Die Rede ist von Hartmut de Corné (1952 – 2021), dem „Siegburger Stadtarchitekten“.

In einem gemeinsamen Antrag an den Rat fordert die Koalition aus CDU und SPD, den von dem Baumeister mit entworfenen „Platz der Begegnung“ am Rhein-Sieg-Forum nach de Corné zu benennen.

Ein Architekt prägt das Stadtbild

Wer durch Siegburg geht, begegnet dem Werk von Hartmut de Corné immer wieder. Stadtmuseum, Marktpassage, S-Carré und das Empfangsgebäude des ICE-Bahnhofs sind mit seinem Namen verbunden. In mehr als vier Jahrzehnten selbstständiger Arbeit hat der Architekt mit Büro in der Georgstraße das Gesicht seiner Heimatstadt wesentlich mitgestaltet.

Zu seinen herausragenden Leistungen gehörte der Umbau des Humperdinckhauses am Markt zum Stadtmuseum im Jahre 1990. Auch entwarf er das im Jahre 2000 eröffnete heutige Cineplex-Kino am Bahnhof - und das Bahnhofsgebäude selbst, das 2004 eröffnet wurde und allen aktuellen Widrigkeiten zum Trotz die Verbindung der Region Siegburg/Bonn zur großen weiten Welt darstellt. Weitere Landmarken des Architekten: die integrative Kindertagesstätte Veronika Keller, die Marktpassage und die später zum Rhein-Sieg-Forum erweiterte Rhein-Sieg-Halle.

„Auch die Anlage des Vorplatzes des Rhein-Sieg-Forums entstammt seinen Entwürfen“, schreiben die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD, Lars Nottelmann und Lukas Wagner, in ihrem Antrag. Da sich einerseits im März der Todestag zum fünften Mal gejährt habe und andererseits das Rhein-Sieg-Forum sein 20-jähriges Bestehen feiere, wäre dies ein „guter Anlass, Hartmut de Corné diese Ehre zu erweisen“.

Seltene Ehre

Dass Straßen und Plätze nach verdienten Siegburgerinnen und Siegburgern benannt werden, ist eine seltene Ausnahme. SPD-Fraktionschef Lukas Wagner nennt und erläutert einige Beispiele: die nach dem in Siegburg geborenen Komponisten Engelbert Humperdinck benannte Straße ebenso wie die, die nach Isaac Bürger (im 19. Jahrhundert erster jüdischer Stadtrat in Siegburg, Mitinitiator des Synagogenbaus), Anna Reuter (nach der Säkularisierung 1812 Retterin des Servatiusschatzes) und dem Unternehmer Alfred Keller (Siegwerk) benannt wurden.

Auch das Kino-Gebäude.

Besonders charmant ist aus Sicht der Antragsteller die Tatsache, dass mit einer Umbenennung (abgesehen von einem neuen Schild) keine Kosten verbunden sind.

So gibt es an dem für den Autoverkehr gesperrten Platz keine Anlieger, die ihre Briefbögen ändern müssten. CDU-Fraktionschef Nottelmann macht deutlich, dass ihm die Sache auch eine Herzensangelegenheit ist: Er kannte den Architekten persönlich und war als Nicht-Fachmann beeindruckt von dessen Liebe zum Detail. Angesichts der jetzigen Mehrheitsverhältnisse sei es möglich, de Corné diese Ehre zu erweisen.

Den aktuellen Namen finde er ohnehin nicht gelungen: „Begegnung ist doch überall.“ Mit ihrem Gegenvorschlag lenkt die Linke den Blick auf die bislang wenig gewürdigte Rolle von Frauen in der kommunalen Politik.

Die Benennung eines öffentlichen Platzes wäre nicht nur eine Anerkennung persönlicher Verdienste, sondern auch ein Zeichen dafür, welche Persönlichkeiten und Leistungen im heutigen Stadtbild sichtbar sein sollen. Nun muss der Rat entscheiden, welchem Vorschlag er den Vorzug gibt.

Linke schlägt andere Namensgeberinnen vor

Der 44-köpfige Rat wird sich am 5. November mit dem Thema befassen. Da die beiden Fraktionen gemeinsam über 29 Stimmen verfügen, bestehen wenig Zweifel, dass der Antrag verabschiedet wird und die repräsentativ gestaltete Fläche - im Einklang mit den Duden-Regeln hoffentlich mit drei Bindestrichen - „Hartmut-de-Corné-Platz“ heißen wird.

Allerdings fordert die Linke, statt de Corné eine der drei Politikerinnen zu ehren, die 1919 als erste Frauen in die Siegburger Stadtverordnetenversammlung gewählt wurden.

Ob der Platz nach Emma Lose, nach Katharina Zimpel oder nach Elisabeth Schwellenbach benannt werden sollte, lässt die Fraktion offen. Die Entscheidung fällt am 5. November.