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Keramikausstellung im StadtmuseumIn Siegburg treffen Erdklumpen und Madonnen aufeinander

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Keramikausstellung im Stadtmuseum Siegburg: Mattia Vernocchi erklärt seine Arbeitsprozesse.

Keramikausstellung im Stadtmuseum Siegburg: Mattia Vernocchi erklärt seine Arbeitsprozesse.

Bis 30. August sind Keramiken zweier italienischer Künstler zu sehen.

Italien ist der Schwerpunkt der Ausstellung mit größeren und kleineren keramischen Plastiken von Paolo Porelli und Mattia Vernocchi im Stadtmuseum Siegburg. Direktorin Dr. Gundula Caspari hat sich in Absprache mit dem Internationalen Keramikmarkt in diesem Jahr dafür entschienen und dabei zwei gegensätzliche Positionen gegenübergestellt. In unterschiedlichen Zyklen interpretieren die beiden Keramiker das Feld „Zwischen Materie, Geschichte und Natur“, wie der Untertitel der Ausstellung lautet.

Werkreihe knüpf an die Gestalten der Antike an

Die Materie ist sicherlich das (einzige) Verbindende, wenn es sich dabei wohl um das Grundmaterial Ton oder Porzellan handelt. Bei Porelli ist es bei einem Erstbrand noch ohne Glasur, dann aber wird es in einem zweiten Brand durch die Glasuren zum Leuchten gebracht. Vernocchi legt durch den Brand erst die Form frei.

Der 1966 in Rom geborene Paolo Porelli arbeitet figurativ und knüpft in einer Werkreihe an die Gestalten der Antike an. Der edle antike Faltenwurf einer antiken Minerva  bildet einen verlängerten Sockel, auf dem skurril geformte Oberkörper voller Verzerrungen, Hohlräume mit fadenähnlichen Verläufen in ansonsten gesichtslosen Plastiken ihren Ausdruck suchen. Es ist die Welt, wie der Künstler sie sieht, wenn er in die Zukunft blickt. Rätselhaft bleibt der kryptische Ausdruck einer Sibylle aus Delphi.

In seiner blau glasierten Reihe der „Blauen Idole des Consums“ gibt es keinen Ausgleich zwischen dem, was da trotz prägnant geformter Zahlen und Buchstaben ineinandergelaufen ist. Manches hat ein Rückgrat aus einer Thermometerskala, anderes zeigt statt eines Kopfes Aufsätze mit vielen Nullen.

Keramikausstellung im Stadtmuseum Siegburg. Paolo Porelli.

Keramikausstellung im Stadtmuseum Siegburg. Paolo Porelli arbeitet mit Hohlräumen und Verzerrungen und spielt mit der Verwirrung.

Porelli arbeitet gern dort, wo er sich gerade aufhält, und das war auch in den Niederlanden der Fall. So ist eine kleine Madonnenreihe (ebenso kopflos) aus der Begegnung mit der Kultur Oraniens in Orange entstanden. Er bezeichnet sie als seine „protestantischen Madonnen“.

Doch Porelli war auch in China und ließ sich dort von den edlen grün schimmernden Seladonglasuren und der chinesischen Porzellanherstellung mit goldenen Glasuren begeistern. Auch hier geht es ihm nie um Individualität, sondern um das Typische in den Erscheinungen.

Die Arbeiten sind so empfindlich, dass einige Stücke einfach nicht transportiert werden konnten

Der 1980 in Cesena geborene Mattia Vernocchi, der heute in Gambettola lebt, schöpft seine Arbeiten mit hauchdünnen Blättchen, kleinen Spitzen und Schründen aus einer ungebrochenen Experimentierfreude. Er kann alles brauchen, was ihm irgendwie unter die Finger kommt: Schnüre, Äste, malerisch zerknüllte Pappe oder sogar Metallisches, und er beobachtet, was passiert, wenn er seine Fundstücke mit raffiniert klebendem Tonbrei überzieht und dann ausbrennen lässt. Der hauchdünne Überzug wird zu einer fragilen, abstrakten Plastik.  

Die Arbeiten tragen Titel wie „Erdklumpen“ oder „Splitter“. Dabei geht es dem Künstler vor allem darum, durch diese Auflösungsprozesse die Gesetze der Natur zu demonstrieren. Die Arbeiten sind so empfindlich, dass einige Stücke einfach nicht transportiert werden konnten. Bloß nicht anfassen ist daher auch die Devise für die Betrachtenden.


Die Ausstellung ist bis zum 30. August im Stadtmuseum Siegburg, Markt 46, zu sehen, geöffnet Dienstag bis Samstag 10  bis 17 Uhr, Sonntag 10 bis 18 Uhr.