Regisseur Phillip Schwellenbach und sein Team drehten einen Spielfilm über ein ziemlich gefährliches Liebespaar.
Dreharbeiten in der RegionKnallharter US-Thriller made in Siegburg

Faster, Hollywood: Die! Die!, Actionfilm von Phillip Schwellenbach (Vorne) Dreharbeiten
Copyright: Phillip Schwellenbach
Lang ist die Liste mordlustiger Pärchen, die ihr Unwesen im Film treiben: Warren Beatty und Faye Dunaway als Bonnie und Clyde im gleichnamigen Klassiker von Arthur Penn (1967), Martin Sheen und Sissy Spacek in „Badlands“ von Terrence Malick (1973), Woody Harrelson und Juliette Lewis in „Natural Born Killers“ von Oliver Stone (1994).
Die Liste ließe sich fortsetzen – seit Kurzem auch mit Faster, Hollywood Die! Die! des Siegburger Regisseurs Phillip Schwellenbach (2026), dessen Spielfilm sich allerdings in einigen Punkten deutlich von den US-Vorbildern abhebt: Was bei Schwellenbach nach Wüste und New Mexico aussieht, sind Kiesgruben in Wesseling und Kerpen-Buir. Eine im Kino spielende Szene entstand im Siegburger Cineplex, Barszenen wurden im Kubana gedreht.
Eigenständiger Genrebeitrag
Wer das alles nicht weiß, kommt nicht ohne Weiteres darauf. Denn der 26-jährige Regisseur, der auch das Drehbuch schrieb, liebt das Metier Genre und legt eine packende Hommage an die US-Actionfilme der 1960er- und 1970er-Jahre vor. Eine bloße Imitation ist sein Film allerdings nicht, sondern ein eigenständiger Genrebeitrag.
Seine Helden Billy und Gilly (gespielt von Dominik Penschek und Merle Peters-Moorhouse) sind als Kriminelle bereits durch spektakuläre Raubüberfälle berühmt geworden und wollen mit ihrer Vergangenheit brechen. Doch sie geraten in den Besitz einer Schatzkarte, die zu einem Ort führt, an dem ein Sack mit Drogengeld vergraben wurde – und das bleibt auch einem korrupten Cop nicht verborgen, der sich an die Fersen des Pärchens heftet.

Billy Robinson (Dominik Penschek) schießt zurück. Was im Hintergrund nach Wüste aussieht, ist eine rheinische Kiesgrube.
Copyright: Phillip Schwellenbach
Detective Detweiler scheut nicht einmal davor zurück, seinen Deputy umzubringen, um an das Geld zu kommen. Mit allen anderen Protagonisten verbindet ihn allerdings, dass er keinerlei Skrupel kennt. Niemandem ist zu trauen: Verfolger und Verfolgte lügen und täuschen, was das Zeug hält, wissen allesamt mit Handfeuerwaffen umzugehen und sorgen über 92 Minuten für beste Unterhaltung und immer neue Wendungen.
Gleichzeitig hat Schwellenbach einen Film über das Kino gedreht. Eine ruhige Szene zeigt Billy und Gilly, die sich in einer Rückblende bei ihrem ersten Date in einem Kinosaal über ihre Lieblingsfilme unterhalten. Dass Gilly keine Amerikanerin, sondern Britin ist, kann als Anspielung auf Godards „Außer Atem“ mit Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg verstanden werden, in dem ein Franzose und eine US-Amerikanerin das Liebespaar sind. „Die beiden wussten von Anfang an genau, was sie da spielen“, sagt Schwellenbach über seine Darsteller. Nur zwei oder drei Takes hätten sie für die Szene gebraucht. „Jeder hat gesessen.“
„Ich fand den Titel ziemlich catchy.“
Schwellenbach, der an der Macromedia Akademie in Köln Regie studierte, arbeitete sechs Jahre an seinem Film. Aktuell dreht er einen Film über den Siegburger Boxclub. Der Titel „Faster, Hollywood Die! Die! “spielt auf „Faster, Pussycat! Kill! Kill!“ von Kultregisseur Russ Meyer an. „Ich fand den Titel ziemlich catchy.“
Zu Beginn seiner Arbeit an dem Film sei Quentin Tarantino „das Nonplusultra“ für ihn gewesen. „Aber ich glaube, wenn man älter wird, geht man ein bisschen davon weg.“ Klaren Regeln und Linien müsse man bei der Arbeit nicht immer folgen. Aber: „Mir war klar, dass ich einen amerikanischen Film machen will.“

Detective Detweiler (Jeff Zach) und sein Deputy (Gerrit Schaetzing).
Copyright: Phillip Schwellenbach
Von einem Low-Budget-Film will Schwellenbach nicht sprechen, eher fast von einem No-Budget-Film. Mehr als 20.000 Euro habe die Produktion wohl nicht gekostet. Die professionellen Schauspieler, die er über ein Internetportal fand, verlangten keine hohen Gagen. Der bekannte Siegburger Hörspielproduzent Andy Muhlack, den Schwellenbachs Vater kannte, übernahm Musikkomposition, Tonproduktion und Tonschnitt, was durch Nachdrehs und Nachsynchronisationen besonders knifflig wurde. Auch das Cineplex, das Kubana, Kiesgrubenbetreiber und viele andere hätten bestens mitgespielt. „Alle fanden das cool“, so der Regisseur und Poduzmnet Schwellenbach.
Wichtig war der Genretyp des Police-Detectives
Wichtig sei ihm der Genretyp des Detectives gewesen. „Der musste Amerikaner sein“, sagt Schwellenbach, dem es gelang, Jeff Zach zu verpflichten, einen US-amerikanisch-österreichischen Film- und Theaterschauspieler. Den harten Cop nimmt man ihm von der ersten Einstellung an ab. „Man hat beim Schreiben immer ein Bild der Rolle vor Augen“, schildert der Regisseur. „Aber sobald man einen Schauspieler vor sich hat, ist das weg.“ Der Schauspieler müsse sich seine Rolle formen können.

Phillip Schwellenbach (hinten) mit Dominik Penschek und Merle Peters-Moorhouse im Siegburger Cineplex
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„Je weniger Dialog, umso besser“, sei die Devise von Zach gewesen, der sofort mit einem roten Marker seinen Text zusammengestrichen habe. Anfangs habe Schwellenbach für die Rolle an eine Art Christoph Waltz mit sehr viel Text gedacht. Doch Zach steuerte eine eher an Clint Eastwoods Dirty Harry erinnernde Abgebrühtheit zu dem Film bei.
„Das Vertrauen in den Prozess ist wichtig“, sagt Schwellenbach mit Blick auf die lange Produktionszeit. „Wir drehen nur einen Film – was kann schon schiefgehen?“ Tatsächlich einiges: Die erste Kiesgrube in Wesseling, in der das Team schon Wüstenszenen gedreht hatte, wurde später geflutet, eine andere Kiesgrube wurde in Kerpen-Buir gefunden. Sogar auf einem Schotterplatz im Siegburger Haufeld wurde nachgedreht. Ein Motorrad, das für Nachdreharbeiten im Oktober benötigt wurde, war nicht zugelassen, sodass eine Zwangspause fällig wurde.
Digitale Technik, analoger Filmlook
Schwellenbach filmte digital, ihm war aber wichtig, dass Faster, Hollywood Die! Die! einen analogen Zelluloid-Filmlook erhielt. „Wir haben viel mit der Farbkorrektur gearbeitet, an der Körnung und an den Kontrasten. Viele Filme leiden darunter, dass sie sehr kontrastarm sind und wenig gesättigte Farben haben.“ Kräftige Hauttöne etwa habe er in der Wüste zeigen wollen. In vielen der sehr dunklen Szenen sei er bis an den Grenzwert gegangen, an dem ein Bild überhaupt noch funktioniere. „Ein leichter Streaming-Look, der keinem wehtut, aber auch keinen Eindruck hinterlässt – das ist nicht mein Ding.“
„Wir hatten alle Möglichkeiten und kein Studio im Nacken.“ Das habe er ausgenutzt und die meisten Drehorte in einem Umkreis von 30 Kilometern gefunden – sogar ein American Diner in Bornheim. Von Reisen in die USA brachten er und sein Team lediglich einige wenige Aufnahmen von Trucks auf einem Highway, Verkehrsschildern und dem Hollywood Boulevard mit.
Von Anfang an habe er auf Englisch drehen wollen. „Deutsche Filme sehe er einfach nicht so gerne“, so Schwellenbach „Faster, Hollywood Die! Die!“ sei für ihn persönlich zu einer zweiten Ausbildung nach dem Studium geworden, bei der er viel gelernt habe. Der Schnitt sei im Nachhinein zu seiner zweiten großen Liebe geworden. Besonders wichtig sei ihm, den Film auf einer großen Leinwand zu zeigen. Festivals könnten folgen, auch um einen Verleih werde er sich bemühen. „Im Idealfall sehe ich mich langfristig in Amerika. Aber es werden auch sehr viele englischsprachige Filme in Deutschland gedreht.“
Im Cineplex am Siegburger IC-Bahnhof ist für Mittwoch, 13. August, um 19 Uhr der große Saal 1 für eine Vorführung reserviert.
