Die Ausstellung „Unruhe“ – mit gesellschaftspolitischem HIntergrund – ist noch bis Juli im Siegburger Pumpwerk zu sehen.
Subtilität, Unbehagen und FarbenKunstverein präsentiert neue Ausstellung im Siegburger Pumpwerk

Der Vernissage im Pumpwerk Siegburg war gut besucht.
Copyright: Markus Peters
Man kann nicht sagen, dass der Kunstverein für den Rhein-Sieg-Kreis bei seiner Mitgliederausstellung im Pumpwerk ein Übermaß an Lebensfreude verbreitet. „Wird am Ende alles gut?“, fragt dort Irmtraud Büttner-Hachmeister besorgt in ihrer Collage und gibt damit den Takt für eine Ausstellung vor, die sich selbst das Thema „Unruhe“ gegeben hat.

Eine Collage von Irmtraud Büttner-Hachmeister.
Copyright: Markus Peters
„Unruhe hat nachvollziehbar einen gesellschaftspolitischen und weltpolitischen Hintergrund“, sagte Kunstvereins-Vorsitzender Reinhard Lättgen, doch damit allein ist es nicht getan: „Auch die bildnerische Arbeit selbst trägt immer eine gewisse Unruhe in sich – und das ist nicht negativ. Vielmehr ist es immer ein Risiko, ein Wagnis.“
Kunstverein setzt sich mit Vergänglichkeit auseinander
Eine Herausforderung, der sich Lättgen in der Schau auf zwei unterschiedliche Weisen angenommen hat: mit einer raumgreifenden Arbeit an der dominierenden Wand im Erdgeschoss und dem Rolltext „Tempvs fvgit“, der sich über alle Etagen des Pumpwerks erstreckt – die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit.
„Unruhe“ bündelt Arbeiten, die mit dunklen Wirbeln das allgegenwärtige Unbehagen thematisieren, markant verdeutlicht an einer zerfledderten Europa-Flagge, umgeben von tosender See. Passend wie naheliegend sind auch die garstigen Männerportraits von Georg Schnitzler, denen seit jeher jedes Schmeicheln fremd ist.
Grundlage ist die ehemalige Terrassenplane meines Nachbarn, die ich dann besprayed habe.
Man kann das Thema „Unruhe“ aber auch subtil angehen: So bedarf es bei den ikonischen Ampelmännchen von Bernhard Schröder nur einer minimalen Verschiebung, um die perfekte Ordnung eines Karo-Musters unrettbar durcheinander zu bringen. Und es gibt Werke wie von Rainer Geyer, die sich mit ihrer großzügigen Farbigkeit nahezu trotzig der Unruhe entgegenstemmen.
Darunter fällt auch die großformatige und raumgreifende Arbeit von Sandra Eisenbarth, die sich nicht nur durch ihre knallgelbe Grundfarbe abhebt: „Grundlage ist die ehemalige Terrassenplane meines Nachbarn, die ich dann besprayed habe“, verriet die Künstlerin.

Ein markantes Werk von Sandra Eisenbarth
Copyright: Markus Peters
Jetzt finden zwei Liebende, durch das Kreuz verbunden, zueinander. Zu den zahlreichen Hinguckern der gelungenen und abwechslungsreichen Schau zählt auch die Installation schwebender, dreiblättriger Rotoren, mit der Christoph Steeger die Besucher gekonnt auf Distanz hält.
Von den rund 80 Mitgliedern des Kunstvereins haben sich gut die Hälfte auf das Thema der Ausstellung eingelassen und so erneut belegt, wie vielseitig und facettenreich die Kunstszene im Rhein-Sieg-Kreis ist. Gleichzeitig handelt es sich um ein Jubiläum, denn vor genau 25 Jahren hat der Kunstverein das Pumpwerk in Beschlag genommen. Für Reinhard Lättgen ein Anlass, der Handvoll Ehrenamtler zu danken, die regelmäßig dafür sorgen, dass die eingereichten Bilder dann auch tatsächlich an die Wände kommen.
Die Ausstellung „Unruhe“ wird noch bis zum 21. Juli im Pumpwerk an der Bonner Straße 65 in Siegburg gezeigt. Öffnungszeiten sind Montag und Sonntag von 15.00 bis 18.00 Uhr sowie Freitag von 11.00 bis 13:00 Uhr, an Feiertagen ist geschlossen.
