Schnellen und unkomplizierten Kontakt will die Agentur für Arbeit für Jugendliche auf Jobsuche direkt am Campus Neuenhof ermöglichen.
Tischtennis, Berufe-Pong, VR-BrillenNeue Jugendberufsagentur in Siegburg will Hürden für Beratung verringern

Beim Berufe-Pong sollen die Jugendlichen ihre Stärken und Schwächen entdecken.
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In Siegburg wurde die Jugendberufsagentur eröffnet. Dahinter stecken die Agentur für Arbeit, das Jobcenter Rhein-Sieg und das evangelische Zeithwerk zur sozialpädagogischen Begleitung. Sie wollen Jugendliche und junge Menschen zwischen 15 und 27 Jahren gewinnen, die noch keine Ideen für ihre berufliche Zukunft haben oder Unterstützung bei Bewerbungen benötigen.
Zentral am Bildungscampus Neuenhof gelegen, lockt die „JuBA“ mit offenen Angeboten wie Sofas, einer Tischtennisplatte und VR-Brillen – um schnellen Kontakt mit den Expertinnen und Spezialisten für orientierungslose Jugendliche herzustellen.
Wir hoffen, dass sie hierhin finden, wo die Hürden niedriger sind.
Zwar biete das Jobcenter bereits eine Beratungsstelle für unter 25-Jährige, ebenso gebe es die Jugendberufshilfe, listet Beate Zacharias, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit, auf. „Viele erreichen wir trotzdem nicht. Bisher haben wir gedacht, was wir machen, ist ausreichend: Wir gehen ja in die Schulen, sodass die Schülerinnen und Schüler die Berufsberatung kennen müssten“, sagt sie.
„Unser größtes Problem ist, dass wir eine Behörde sind. Da gehen diejenigen, die sowieso nur sporadisch in die Schule kommen, erst recht nicht hin. Deswegen hoffen wir, dass sie hierhin finden, wo die Hürden niedriger sind.“

Beate Zacharias ist Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit und möchte die Jugendlichen unterstützen.
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Die Jugendberufsagentur befindet sich im oberen Stockwerk des Containerbauwerks auf dem Schulcampus Neuenhof, der gerade renoviert wird. „Der Standort hat eine andere Wirkung als unsere Büros, man kann hier hereinkommen wie in einen Jugendtreff: Die Jugendlichen können ihr Handy aufladen oder Tischtennis spielen, das Wort Kicker geistert auch noch durch die Bestellliste“, sagt Zacharias. Haben die Jugendlichen erst einmal den Weg vom Sofa zu Hause aufs Sofa in der „JuBA“ gefunden, wollen Zacharias und ihre Kolleginnen und Kollegen sich ihrer annehmen.
VR-Brillen sollen helfen, virtuell durch Berufe zu schnuppern
„Ich frage sie dann, was sie zu Hause machen. Da höre ich oft: Ich sitze am PC. Wenn ich frage, was sie da genau machen, schauen sie mich mit großen Augen an, denn das hat sie noch nie jemand gefragt.“ Oft komme dabei heraus, dass die Jugendlichen Teamspiele auf Englisch spielten oder Kapitän einer Fußballmannschaft seien. „Ihnen ist gar nicht bewusst, was man aus ihrer Teamfähigkeit und ihrer vorhandenen Frustrationstoleranz herausholen kann.“
Dabei sollen auch VR-Brillen helfen, in denen man virtuell durch Berufe schnuppern kann. Viele Jugendliche haben auch schon einmal „Bier-Pong“ gespielt, ein Trinkspiel, bei dem Tischtennisbälle in Becher geworfen werden müssen.

VR-Brillen bieten einen virtuellen Einblick in verschiedene Berufsfelder.
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Beim „Berufe-Pong“ sind kleine Zettel statt Obergärigem in den Bechern, es soll dabei helfen, die Stärken der Jugendlichen herauszukristallisieren. Nach Berufsarten sortierte Karten in mehreren Sprachen stellen dabei verschiedene Tätigkeiten vor.
Interessierte können vor Ort Bewerbungen schreiben und passende Stellen suchen
Ist das Eis dann gebrochen, können sie direkt vor Ort Bewerbungen schreiben und abschicken oder nach passenden Stellen suchen. „Im Gegensatz zu früher sind Computerprogramme, die Tipps für passende Berufe geben, heute deutlich verbessert“, sagt Zacharias. Sie und ihr Team kennen die Probleme, die Jugendliche häufig aus dem Elternhaus mitbringen.
„Wir beraten deswegen auch, was man tun kann, wenn die Eltern verlangen, dass man arbeiten soll statt zu studieren.“ Bei Bedarf können die Beraterinnen und Berater auch bei der Wohnungssuche helfen, Kontakte zu Ausbildern herstellen, Workshops und Messen vorstellen oder Bewerbungsunterlagen überprüfen.
Social Media-Präsens – für Jugendliche nicht unwichtig – oder eine Webseite hat die Jugendberufsagentur bisher nicht. „Daran arbeiten wir“, sagt Beate Zacharias. „Bis dahin wollen wir Flyer dort auslegen, wo Jugendliche zusammenkommen: In Schulen sowieso, aber auch in Jugendtreffs.“
Simon Skibitzki hat einige Flyer für seine Schülerinnen und Schüler mitgenommen. Er ist Lehrer an der Fritz-Bauer-Gesamtschule in Sankt Augustin – und lobt die Gründung der Jugendberufsagentur. „Wir erleben häufig, dass die Schüler in der siebten und achten Klasse ein Praktikum machen, aber immer wieder ratlos sind, was sie tun sollen. Häufig machen sie später sogar etwas ganz anderes. Deswegen ist es sinnvoll, dass es diese pädagogisch niedrigschwelligen Angebote gibt“, sagt er. Besonders hebt er die spielerischen Aspekte hervor, die die Stärken der Jungen und Mädchen aufzeigen. „Einfacher kommt man nicht an professionelle Beratung heran“, findet Skibitzki.

