Egal ob Badewanne, Palette oder Profi-Gefährt: Vor dem Start mussten alle zum „Tüv“. Das Seifenkistenrennen war eine sichere Sache.
MichaelsbergAuch eine Palette startet beim Seifenkistenrennen in Siegburg

Rund 50 Starterinnen und Starter nahmen die 200-Meter-Strecke am Michaelsberg unter die Räder.
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Ida und Pia Lampe quetschten sich in ihre stromlinienförmigen, schick lackierten Gefährte. Vorn prangten Nummern, am Heck die Namen der 18 und 20 Jahre alten Schwestern. Die trugen nicht nur Helm und enganliegende Bobfahrer-Kleidung, sondern auch ihre Meistertitel auf den Shirts. Ihre Elite-Renner mussten vor dem Start genauso auf den Prüfstand wie die Seifenkisten Marke Eigenbau.
Andreas Ricker wollte mit einer handelsüblichen Holz-Palette die abschüssige 200 Meter lange Strecke am Siegburger Michaelsberg hinunterrollen. „Das Richtige für meine Gewichtsklasse“, flachste der 58-Jährige mit dem Genussbauch. Die genaue Kilozahl wollte er nicht preisgeben. Lieber präsentierte Ricker seine feine Vorder- und Hinterachse und das Lenk-Brems-System.
Alle Seifenkisten wurden auf dem Siegburger Mühlentorplatz technisch geprüft
Fachsimpeln stand auch bei den beiden Blechbadewannen hoch im Kurs. Unterm hochgeklappten Chassis steckte ein solides, technisches Innenleben. Denn – Spaß hin oder her – Sicherheit ging vor beim Wettkampf.
Deshalb nahm der „Tüv“ auf dem Mühlentorplatz vor dem Start die Bremsen genau unter die Lupe. Zwar lautet das Seifenkistenrennfahrer-Motto: „Wer bremst, verliert“, doch hinterm Zielbanner mussten die Wägelchen rasch stoppen, um nicht ungewollt abzuheben. Über dem Weg lag eine Kabelbrücke, davor hatten die Helfer sicherheitshalber noch eine Blockade aus weich gefüllten Bremssäcken installiert.

Fachsimpeln an der Badewanne: Unterm Chassis steckt ausgefeilte Technik.
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Fairness spielte eine besonders große Rolle. So gab es Gewichtsgrenzen, mussten Metallplatten entweder herausgenommen (meist vorn) oder hineingelegt (hinten) werden. Tatsächlich hätten leichtere Lenker Vorteile, berichtete Prüferin Lina Lorenz, 35, die bis zur Volljährigkeit selbst bei offiziellen Meisterschaften startete. Erst jetzt dürfte sie wieder mitfahren, ab diesem Jahr seien die Rennen erstmals für Ältere freigegeben.
Auch in Siegburg konnten die Könner Punkte sammeln, für alle anderen war es reine Gaudi. In vier Klassen traten die tollkühnen Fahrerinnen und Fahrer an. Elite mit den breiteren Kisten, Master mit den schmaleren, Rookies unter 18 und in der Open-Gruppe die lustigsten Renner Marke Eigenbau.

Lina Lorenz (r.) prüfte das Gewicht und die Bremsen der Wagen.
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Die rund 50 Teilnehmenden mussten sich vor dem Start warmhalten, der Startschuss fiel mit 50-minütiger Verspätung, wegen technischer Probleme. Die Organisatoren vom Seifenkistenverein Stromberg hatten die elektronische Zeitnahme zum Glück wieder ans Laufen gebracht.
Beim beginnenden Regen feuerten die zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauer an der Strecke, meist mitgereiste Familien und Fans, die Teilnehmenden an, die mit etwa 30 bis 35 Kilometern pro Stunde vorbeirauschten, die Schnellsten in nur 30 Sekunden. Dann hieß es kehrt marsch, gruppenweise mussten sie den Berg wieder hochmarschieren, denn jeder absolvierte fünf Runden.
Schön, dass es das Rennen gibt.
Stärken konnten sich Sportler und Gäste mit Waffeln und Würstchen, die unter anderem der Verein Siegburg Hilft anbot. Das Rote Kreuz stand für die Erste Hilfe bereit, Mitarbeitende der Stadt Siegburg gewährleisteten den reibungslosen Ablauf.
„Schön, dass es das Rennen gibt“, sagte Michael Lampe, Vater von Ida und Pia, mit einer großen Gruppe angereist aus Mettingen, dem Sitz des Landesseifenkistenverbandes. Einen ähnlich weiten Weg nahm der Riesen-Trupp aus der Renn-Hochburg Billerbeck auf sich.
Es war das zweite derartige Spektakel am Michaelsberg. Das „Team Jonas“ erinnerte an den Ideengeber. Der Schüler Jonas, der bei einem Fahrradunfall in Siegburg tödlich verunglückt war, hatte von einem solchen Rennen geträumt. Ihm zu Ehren fand es im Jahr 2025 zum ersten Mal statt.
