Staunen, lachen, zeichnen, töpfern: Beim Museumstag in Siegburg zeigte nicht nur das sprechende Sofa, dass die Geschichte voller Geschichten steckt.
Reif fürs MuseumDas sprechende Sofa sorgt in Siegburg für beste Laune – Internationaler Museumstag

Gute Laune garantiert: Das sprechende Sofa war am Museumstag dicht umlagert. Siegburg Stadtmuseum
Copyright: Cordula Orphal
Wem beim Wort Museum nur das Adjektiv verstaubt einfällt, der sollte einmal auf dem sprechenden Sofa Platz nehmen. Dort werden die beiden güldenen Figurinen auf der Lehne plötzlich lebendig, zücken Staubwedel, singen Kinderlieder und führen Dialoge mit den Besuchern, die im Foyer des Siegburger Stadtmuseums - eigentlich - nur kurz verschnaufen wollten.
„Rechts“ und „Links“ heißen die Herren passenderweise. Ihre Gesichter, ihre Rokoko-Frisuren - wie aus Holz geschnitzt, ihr Talent: der witzige Smalltalk. „Wie hast du geschlafen?“, fragt der eine. Und holt bei der Antwort („Nicht gut“) einen Massageroller heraus, mit dem er den Rücken der sitzenden Damenbearbeitet. Das Eis ist gebrochen, die Siegburgerin kichert und turtelt mit ihrer Sofaseite.
Zum Siegburger Sammelsonntag brachten Besucher eigene Exponate mit
Neben ihr nimmt ein kleiner Junge Platz. „Warst du schon einmal im Museum?“, möchte der andere wissen und zählt auf, was an diesem Tag alles so geboten wird auf den drei Etagen des Kulturtempels: Live-Zeichnen, Führungen und eine Töpferwerkstatt.
Das sprechende Sofa ist weit herumgekommen, nicht immer gab's erfreuliche Erfahrungen, das erzählt „Rechts“. „In Gent wurden wir in den Keller getragen, dabei sollten wir doch in den dritten Stock.“ Eine Stunde habe es gedauert, bis der Irrtum bemerkt wurde, „weißt du noch?“ Doch „Links“ verneint, der Erzähler hebt die Hand und murmelt bedauernd: „Er hat den Holzwurm.“

Reif fürs Museum: In diesen Trikots spielte das Team der Siegburgerin Andrea Krieger, die SSG 09 Bergisch Gladbach, die Weltmeister und Deutscher Meister wurden.
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Lachen und Applaus. Um das Sofa hat sich eine dicke Traube gebildet. Einen anderen Zugang zur Geschichte, das soll dieser Tag der offenen Tür bieten. Dazu dient auch der Sammelsonntag, an dem die Besucher Exponate und die dazu gehörigen Geschichten mitbringen sollten.
Hintergrund: Die nordrhein-westfälische Landesgeschichte soll 80 Jahre nach Gründung des Bindestrich-Bundeslandes ein eigenes Museum bekommen. Zehn Tage stand das Museumsmobil auf dem Siegburger Markt, die 32. Station von 53, die wissenschaftlichen Mitarbeiter vom Haus der Geschichte besuchen alle Kreise und kreisfreien Städte in NRW.
Krawatten, Lesebücher, Nähmaschinen werden für das NRW-Landesgeschichtsmuseum abgegeben
Mindestens zehn Kilo wiegt die Adler-Nähmaschine, die Ute Werner angeschleppt hat. Sie ist aus den 50er Jahren,„ ich habe darauf Nähen gelernt“. Andere Besucher in der Warteschlange haben alte Bibeln dabei, einen Tischkicker, ein Poesiealbum der Tante: Ob das was fürs Museum ist?
Abgegeben wurden schon Krawatten mit dem Emblem der Ruhr-Universität Bochum, ein Stück Bildungsgeschichte. Wie auch das Lesebuch aus der Grundschule Much, das Elias Nüse zeigt, abgegeben von einem älteren Herrn aus Neunkirchen-Seelscheid. In den 1950er-Jahren gab es Extra-Klassen für die protestantischen Flüchtlingskinder aus Schlesien, die getrennt von den Katholiken unterrichtet wurden.
Die Siegburgerin Andrea Krieger, die einst Fußballweltmeisterin wurde, hat zwei Trikots ihres Ex-Clubs SSG 09 Bergisch Gladbach mitgebracht. Und ihr Tagebuch, das die junge Kickerin seit 1977 füllte. Fein säuberlich mit der Schreibmaschine listete sie alle Geschehnisse rund um den Fußball auf, Trainingszeiten, Spiele, Ergebnisse. Mit zehn schon spielte sie bei den Damen von TSV Seelscheid, weil der Vater sie nicht mit den Jungs kicken lassen wollte - das kleinere Übel.
Später, mit 15, gründete sie die Mädchenmannschaft mit, war Co-Trainerin. Stand da schon als Torhüterin im Tor des Bundesligateams, erzählt die 60-Jährige. Im roten Trikot aus dem Jahr 1988 holte die SSG den deutschen Meistertitel, es war tailliert, „wir hatten einen Vertrag mit adidas“. Das Blaue, Ältere, war ein Herrenmodell, „das hat die zweite Damen aufgetragen“. Dr. Jürgen Peter Schmied nimmt die Sachen gern entgegen. Diese Geschichte ist museumsreif.
