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Neue NutzungKaufhof: Was in Trier geht, soll auch in Siegburg gehen

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Kaufhofgebäude an der Kaiserstraße in Siegburg

Kaufhofgebäude an der Kaiserstraße in Siegburg.

Die Architekten und Projektentwickler Maas und Partner aus Münster wollen nach übereinstimmenden Berichten das Kaufhofgebäude umbauen und neu nutzen – so wie auch in Trier. 

Was in Trier geht, soll auch in Siegburg möglich sein: Mehrere voneinander unabhängige Quellen bestätigen, dass das Architekturbüro Maas und Partner aus Münster in den ehemaligen Kaufhof an der Kaiserstraße investieren will.  Bereits im Juli 2025 war von einem Investor die Rede gewesen, ein Name aber noch nicht genannt worden. In Trier ist ein entsprechendes Vorhaben weit fortgeschritten: Im Sommer solle der Umbau des ehemaligen Horten-/Kaufhof-Gebäudes beginnen, berichtet der Trierische Volksfreund.

Vorgesehen ist die Ansiedlung von Geschäften, einem medizinischen Versorgungszentrum und 150 Wohnungen, das Angebot richtet sich insbesondere an Studierende und Young Professionals. Auf dem Dach ist eine „Rooftop-Bar“ vorgesehen – ein Begriff, der auch im Zusammenhang mit Siegburg fiel. Die Kosten für das Trierer Projekt werden auf 60 bis 70 Millionen Euro geschätzt.

Das ehemalige Horten-/Kaufhofgebäude an der Fleischstraße in Trier.

Das ehemalige Horten-/Kaufhofgebäude an der Fleischstraße in Trier.

Die Parallelen drängen sich auf. Das Gebäude in der Moselstadt wurde 1973 eröffnet, damals noch als Horten-Kaufhaus, 1994 folgte die Übernahme durch Kaufhof.  Siegburg eröffnete 1974. In beiden Städten, Trier wie Siegburg, prägten die Kaufhäuser als riesige Klötze die Innenstadt, in einem Stil, der sich wohl am ehesten als Brutalismus einordnen lässt.

Schandfleck im Zentrum Triers

Bei der Schließung an der Trierer Fleischstraße im August 2024 verloren 80 Beschäftigte ihre Arbeit. In Siegburg waren es bereits im Januar 47 Mitarbeitende, nachdem sich allerdings einige schon neue Anstellungen gesucht hatten. In beiden Städten bereiteten die Schließungen von Galeria Kaufhof und anschließende Leerstände den Stadtverantwortlichen Kopfschmerzen. In Siegburg fanden sich mit Tedi und dem Theater Studiobühne Nachnutzungen, so dass das prominent an der Kaiserstraße gelegene Gebäude wenigstens nicht unbelebt blieb. Auch das Parkhaus wurde weiterbetrieben, in Regie der Stadtbetriebe Siegburg.

Galeria Kaufhof an der Siegburger Kaiserstraße schließt

Die großzügigen Flächen im ehemaligen Siegburger Kaufhof lassen ein großes Spektrum an Nutzungen zu.

Eine Computer-Animation von Maas und Partner, abgebildet im Trierischen Volksfreund, zeigt ein Gebäude, dass man sich so ohne weiteres auch in Siegburg vorstellen kann: Es bietet fünf Etagen mit großen Glasflächen als entscheidendem Gestaltungsmerkmal, wobei die vierte Etage leicht zurückspringt und Raum für Balkone bietet. Für die fünfte Etage sind Dachschrägen vorgesehen, nicht unähnlich der Marktpassage in Siegburg. Ein weiteres Detail ist ein Innenhof, um von der Straßenseite abgelegene Wohnungen mit natürlichem Licht zu versorgen – in einer Machbarkeitsstudie für Siegburg wurde dies ebenfalls vorgesehen.

Rooftop-Bars mit Blick auf Siegburg und Trier

In Trier hatten Michael Maas und sein Sohn Lennard die Pläne gemeinsam vorgestellt: „Wir wollen Städte nicht neu bauen, wir wollen sie neu erfinden“, hieß es bei einem Pressetermin. Drei Unternehmen arbeiten zusammen: das Architekturbüro mit Michael Maas als geschäftsführendem Partner, das Projektentwicklungsunternehmen Redevelop von Lennard Maas und die gemeinsame Investmentfirma MRE.

Kaufhof Monopoly, Inszenierung der Studiobühne Siegburg im keerstehenden Kaufhof, mit Christoph Wolff als René Benko

„Kaufhof Monopoly“ hieß die erste Inszenierung der Studiobühne Siegburg im leerstehenden Kaufhof, mit Christoph Wolff als René Benko.

Erste Mietverträge schon unterschrieben

Das Unternehmen tritt selbstbewusst auf. „Wir stehen für zukunftsfähige Architektur, die früher ansetzt als andere: Wir identifizieren Orte, an denen effiziente und innovative Räume entstehen können“, heißt es auf der Homepage. „Wir entwerfen auf der Basis jahrzehntelanger Expertise Bauvorhaben, die ihre Funktion perfekt erfüllen und echten Mehrwert für Nutzende, Auftraggebende, Kommunen und den Planeten liefern.“ Zum Investment in Siegburg äußerten sich Maas und Partner am Montag auf Anfrage der Redaktion nicht.

Der letzte in Siegburg offiziell von der Stadt verlautbarte Sachstand besagt, dass sich der Investor um die Finanzierung kümmert und bereits erste Mietverträge unterschrieben hat. „Das unterstreicht nicht nur das ernsthafte Interesse, sondern auch die fortgeschrittene Planungstiefe des Investors“, sagte im vergangenen November dazu Martin Rosorius, der für die Wirtschaftsförderung der Stadt verantwortliche Dezernent. Im Juli vergangenen Jahres wurde eine Bauvoranfrage gestellt. Damals fiel auch der Begriff „Rooftop-Bar“.

Im November 2024 hatte eine Machbarkeitsstudie des Beratungsbüros Drees und Sommer dem Siegburger Kaufhofgebäude ein gutes Potenzial für eine Nachnutzzug bescheinigt, insbesondere dank der großen Flächen im Inneren. Problematisch sei allerdings die Ansiedlung der Haustechnik im vierten Obergeschoss, die man wohl nach unten werde verlegen müssen.

Bei einer Nutzung mit den Schwerpunkten Wohnen und Pflege/Betreuung, Einzelhandel, Fitness/Rehabilitation, Kultur/Freizeit und Büros sei ein Lichthof unerlässlich, wegen der Tiefe des Gebäudes. Einzelhandel sei lediglich im Erdgeschoss erfolgversprechend. Die Rentabilität sei entscheidend von Kosten für Grunderwerb und Finanzierung abhängig. Für den Umbau wurde die Summe von 33 Millionen Euro genannt.