Der Tankrabatt ist in der Nacht zum Donnerstag gestartet. Die Menschen im Rhein-Sieg-Kreis sind geteilter Meinung.
„Veräppeln uns alle“Erleichterung und Zweifel – wie der Tankrabatt in Rhein-Sieg ankommt

Blick auf die Star-Tankstelle in Siegburg am Donnerstag (1. Oktober) zum Start des Tankrabatts.
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Seit der Nacht zum Donnerstag (1. Oktober) gilt der neue Tankrabatt – wir haben Autofahrerinnen und Autofahrer an Tankstellen in der Kreisstadt Siegburg gefragt, was der Rabatt für ihren Alltag bedeutet und wo eventuell seine Grenzen liegen.
An der Zapfsäule der Aral-Tankstelle in Siegburg war es an diesem Donnerstagmorgen zur Rushhour unerwartet leer – trotz des gerade erst gestarteten Tankrabatts. Wer erwartet hatte, dass sich an der Tankstelle lange Schlangen bilden, wurde überrascht. Nur vereinzelt fuhren Autos vor. Der Grund für den Rabatt: Seit dem 1. Oktober senkt der Bund die Energiesteuer auf Benzin und Diesel erneut um 14,04 Cent pro Liter – inklusive des Mehrwertsteuereffekts ergibt sich laut Angaben des Bundeskartellamts eine rechnerische Entlastung von bis zu 16,7 Cent je Liter. Der sogenannte Tankrabatt gilt bis zum 31. Dezember und kostet Bund und Länder, die sich die Kosten je zur Hälfte teilen, zusammen rund 2,5 Milliarden Euro.
Geteilte Meinungen zum Tankrabatt in Rhein-Sieg
Wir haben an diesem Morgen mehrere Autofahrerinnen und Autofahrer befragt, wie sie die Einführung des neuen Tankrabatts sehen. Frau Nussbaumer, 65 Jahre alt, ist eigenen Angaben zufolge gezielt zur Tankstelle gefahren. „Auf jeden Fall“, erklärt sie auf die Frage, ob sie wegen des Tankrabatts gekommen sei. Den Preisverlauf habe sie „die ganze Zeit“ beobachtet, auch den Vergleich zum Vortag habe sie sich am Morgen noch angeschaut. „Es ist deutlich günstiger geworden“, so ihre Bilanz am Morgen.

Frau Nussbaumer an der Aral-Tankstelle in Siegburg.
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Nussbaumer ist nach eigener Aussage jeden Tag mit dem Auto unterwegs. Die vergangenen Wochen mit den hohen Spritpreisen seien angespannt gewesen – „für alle, denke ich“. Aus dem Radio habe sie gehört, dass die Preisreduzierung in Rheinland-Pfalz bereits komplett bei den Endverbrauchern angekommen sei; wie es in Nordrhein-Westfalen aussehe, habe sie noch nicht geprüft. Den Rabatt findet sie grundsätzlich richtig: „Es ist schon schön, wenn mal was beim Endverbraucher ankommt.“ Auf das Deutschlandticket umsteigen wolle sie trotzdem nicht – auch wenn sie eigenen Angaben zufolge versucht, das Auto weniger zu nutzen. Aber manche Dinge könne sie ohne Auto einfach nicht erledigen. Ihre Mutter lebe im Pflegeheim und sei mit Bus und Bahn nicht zu erreichen.
18-jährige Autofahrerin skeptisch: „Trotzdem zu teuer“
Auch die 18-jährige Mia hat an diesem Morgen getankt – allerdings nach eigener Aussage nicht ausschließlich wegen des Rabatts. Der Tank sei bald leer gewesen, sie hätte „so oder so tanken müssen“, aber womöglich hätte sie bei den alten Preisen nicht ganz voll getankt. Den Preis, den sie an diesem Morgen gezahlt hat – nach eigenen Angaben 2,08 Euro pro Liter E10 –, empfindet sie als „auf jeden Fall günstiger als sonst“. Sie achte wegen des ohnehin nötigen Tankens „nicht so gerne“ auf den genauen Vergleich.

Blick auf die Aral-Tankstelle in Siegburg. Trotz des neuen Tankrabatts kam es am Donnerstagmorgen zu keinen langen Schlangen.
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Insgesamt sei die Lage aber „schon entspannter“ am Donnerstagmorgen. Zweimal die Woche müsse sie nach Bonn pendeln und sei beruflich auf das Auto angewiesen, zumal auch Bahnen zuletzt immer wieder ausgefallen seien, so die 18-Jährige weiter. Die Höhe des Rabatts beurteilt sie unterdessen skeptisch: „Also natürlich ist es irgendwo gut, aber es ist trotzdem zu teuer. Ob die 17 Cent jetzt wirklich was ausmachen, ist halt dann so die Frage.“
Deutlich mehr Betrieb zum Mittag an Tankstellen in Rhein-Sieg
Zwei Stunden später, gegen 11 Uhr, war an der Star-Tankstelle in Siegburg am Donnerstag schon deutlich mehr los als am Morgen an der Aral. Das hat einen handfesten Grund: Erfahrungsgemäß ist der Spritpreis kurz vor 12 Uhr am niedrigsten – ab Mittag dürfen die Tankstellen die Preise wieder anheben. Wer also erst kurz nach 12 Uhr zur Zapfsäule kommt, zahlt nach Daten des Portals Tankerkönig häufig rund 20 Cent pro Liter mehr. Entsprechend nutzten an diesem Vormittag mehr Menschen das Zeitfenster kurz vor dem Preisanstieg.

Vor dem erwarteten Preisanstieg um 12 Uhr mittags nutzten einige Autofahrerinnen und Autofahrer die Gelegenheit zum günstigeren Tanken an der Star-Tankstelle in Siegburg.
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Jochen Weyer, 74, ist nach eigener Auskunft „gezielt“ zur Star-Tankstelle gefahren und hat die Preisentwicklung der vergangenen Tage beobachtet. Seine Bilanz ist durchwachsen: „Ich wundere mich. Es ist also nicht in dem Umfang preiswerter geworden, wie ich es erwartet habe. Gestern Abend war es bei 2.339 Euro. Jetzt bin ich beim Diesel bei 2.279 Euro. Das sind mal gerade sechs oder sieben Cent.“ Er befürchte zudem, dass die Mineralölkonzerne die Preisschraube wieder anziehen werden.
Dass die Entlastung nicht sofort vollständig ankommt, nimmt der 74-Jährige verständnisvoll auf: Beim Anheben der Preise gehe es schneller als beim Absenken, habe er gehört. Den Tankrabatt an sich hält er trotzdem für sinnvoll: „Also, wenn die 17 Cent ankommen, finde ich es in Ordnung, weil es schnell wirkt. Alle anderen Maßnahmen wären ja mit einer Verzögerung wirksam.“ Sein eigenes Verhalten habe er seinen Angaben zufolge in den vergangenen Wochen rekordverdächtig hoher Preise bereits angepasst – er sei einfach weniger gefahren. Auf das Deutschlandticket umsteigen will er trotzdem nicht: Er bewege sich überwiegend im nahen Umfeld, vieles erledige er mit dem Fahrrad, und für den anstehenden Urlaub helfe ihm das Ticket ohnehin nicht.
Deutliche Kritik am Tankrabatt: „Die veräppeln uns doch alle“
Deutlich kritischer äußert sich Annegret Berti, 62. Den wiederholten Wechsel von steigenden und wieder gesenkten Preisen empfindet sie als Zumutung für die Autofahrerinnen und Autofahrer. Die Mineralölkonzerne hätten die Preise im Vorfeld der Einführung des Tankrabatts gezielt erhöht, um sie dann wieder abzusenken. „Die veräppeln uns doch alle“, findet die 62-Jährige.

Annegret Berti, hier beim Tanken an der Star-Tankstelle in Siegburg, sieht den Tankrabatt eher kritisch.
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Wegen des Rabatts habe sie die Tankstelle am Donnerstag nicht angefahren – sie habe schlicht nur noch wenige Kilometer Reserve gehabt und die Gelegenheit zum Tanken genutzt. Eine echte Besserung erwarte sie nicht: Ihrer Beobachtung nach werde der Sprit insgesamt immer teurer, während er in Nachbarländern wie Spanien oder Belgien, etwa auf Fuerteventura, deutlich günstiger sei – rund 1,50 Euro pro Liter, wie sie berichtet. Auf öffentliche Verkehrsmittel kann sie nach eigenen Worten nicht umsteigen, selbst wenn das Deutschlandticket nur noch 9 Euro kosten würde: Sie ist beruflich auf das Auto angewiesen, da sie ältere Menschen begleitet und mit ihnen etwa einkaufen fährt. Für kürzere private Strecken nutzt sie dagegen bewusst das Fahrrad – auch aus Protest gegen die hohen Spritpreise, wie sie sagt.
Vier Stimmen, vier unterschiedliche Blicke auf dieselbe Maßnahme: Für Frau Nussbaumer und Jochen Weyer ist der Tankrabatt eine spürbare, wenn auch bislang nicht vollständig bei den Bürgerinnen und Bürgern angekommene Entlastung. Mia und Annegret Berti bleiben skeptisch – für die eine ist der Betrag zu klein, um etwas zu ändern, für die andere ist das ganze Prinzip aus Preiserhöhung und Preissenkung unglaubwürdig. Auffällig ist zudem der Tagesverlauf an den Zapfsäulen selbst: Während es am frühen Morgen überraschend leer war, füllte sich die Star-Tankstelle gegen 11 Uhr merklich – ein Hinweis darauf, dass viele Autofahrerinnen und Autofahrer eher die bekannte Mittags-Regel als den neuen Rabatt in ihre Routine einbauen. Ob und wie stark der Tankrabatt tatsächlich bei den Menschen im Rhein-Sieg-Kreis ankommt, dürfte sich erst in den kommenden Wochen zeigen – belastbare Zahlen für die Region liegen bislang nicht vor.
