Die Messe „Frauen im Fokus“ des Jobcenters brachte Frauen, Arbeitgeber und Beratungsstellen in Troisdorf zusammen.
Zwischen Teilzeit und Care-ArbeitBerufsmesse in Troisdorf stärkt Frauen auf dem Arbeitsmarkt

In der Troisdorfer Zentrale des Jobcenters Rhein-Sieg konnten Frauen mit Arbeitgebern in Kontakt kommen.
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Um die 600 Frauen mit unterschiedlichen Qualifikationen erwartete das Jobcenter Rhein-Sieg in der Troisdorfer Zentrale. Zum vierten Mal fand dort die Messe „Frauen im Fokus“ statt, mit Arbeitgebern aus dem Rhein-Sieg-Kreis, Beratungsstellen und Netzwerkträgern. In Workshops und Vorträgen konnten sich die Besucherinnen beispielsweise zum Wiedereinstieg nach Elternzeit und zu finanzieller Vorsorge beraten lassen, außerdem gab es Informationen zum Berufseinstieg für Geflüchtete.
Minijobs, Teilzeit, Kurzarbeit: „Das ist etwas, wovon man nicht reich werden kann“
„Wir wollen Sichtbarkeit schaffen, Potenziale entdecken und Möglichkeiten schaffen, um gegen die Benachteiligung von Frauen anzugehen, die grundsätzlich herrscht“, sagte Elzbieta Boenigk, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. Generell werde die Messe immer besser angenommen, sowohl von Besucherinnen als auch von Arbeitgebern.
„Besonders wichtig ist, dass Frauen existenzsichernde Beschäftigungen aufnehmen und nachhaltig in den Arbeitsmarkt integriert werden, ohne auf staatliche Leistungen angewiesen zu sein“, erläuterte Elzbieta Boenigk. Häufig seien vor allem Frauen in Minijobs, Teilzeit und Kurzarbeit. „Wir haben in Deutschland eine hohe Frauenerwerbsbeteiligung von fast 78 Prozent, aber jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit. Das ist etwas, wovon man nicht reich werden kann. Durch die Carearbeit, die Frauen leisten, stehen sie dem Arbeitsmarkt begrenzt zur Verfügung, obwohl sie eigentlich arbeiten wollen.“

Elzbieta Boenigk, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, und ihre Stellvertreterin Christin Lenz.
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Eine 36-jährige Troisdorferin, die die Messe besuchte, hoffte, mit potenziellen Arbeitgebern für eine Tätigkeit als Bürokauffrau oder im Gesundheitswesen ins Gespräch zu kommen. „Ich habe sehr jung geheiratet, mit 21, und dann drei Kinder bekommen.“ Die seien jetzt groß genug, und sie wolle wieder im Berufsleben ankommen, aber einfach sei das nicht.
Auch Switlana Foliziuk schaute sich auf der Veranstaltung um, die 45-Jährige ist vor vier Jahren mit ihrer Tochter aus der Ukraine nach Deutschland gekommen. „Seitdem habe ich Deutsch gelernt und habe jetzt seit drei Jahren einen Minijob als Kellnerin in einem Tennisclub. Aber früher habe ich als Großhändlerin gearbeitet, und das fehlt mir.“ Ihr Ziel ist, durch eine Weiterbildung wieder einen Beruf im Marketing zu finden. „Es ist nicht einfach, wenn man hier neu ankommt, aber das Jobcenter bietet gute Unterstützungsmöglichkeiten. Das gibt mir Hoffnung.“

Larissa Schwarz, Vanessa Neubert und Corinna Rehne von der RSAG wollen mit Klischees aufräumen.
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Unter anderem die RSAG war mit einem Stand dabei. Zwei Drittel der Mitarbeitenden hier seien Männer, daher wolle das Unternehmen gezielt Frauen ansprechen, sagte die Gleichstellungsbeauftragte Larissa Schwarz. „Wir möchten mit diesen Klischees aufräumen: Frauen seien zu schwach, die Jobs bei der RSAG zu machen, und in der Müllabfuhr können sowieso nur Männer arbeiten. Das stimmt aber nicht, und außerdem gibt es bei uns viel mehr Berufe.“
In der Kinderklinik Sankt Augustin arbeiten dagegen mehr Frauen als Männer. An der Veranstaltung nehme die Klinik zum ersten Mal teil, sagte Kirsten Bort-Mandt, aber das Interesse sei groß. „Ich denke, es senkt auch die Hemmschwelle, sich zu informieren und auf die Arbeitgeber zuzukommen, wenn man sich nur unter Frauen bewegt.“
Staatssekretär Matthias Heidmeier: noch viel zu Tun in der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf
Auch Matthias Heidmeier, Staatssekretär im Landesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales, besuchte die Veranstaltung. Er sprach die Teilzeitquote an und betonte, Männer und Frauen seien auf dem Arbeitsmarkt de facto nicht gleichgestellt: „Es ist nicht nur die Kinderbetreuung, die viele jüngere Frauen an Vollzeitarbeit hindert, sondern auch in zunehmendem Maße das Thema Pflege.“
In Bezug auf Kinderbetreuung bewege sich in Nordrhein-Westfalen bereits einiges, „aber in Bezug auf die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf haben wir aktuell noch eine riesige Baustelle“. Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steige, aber die damit einhergehenden Herausforderungen für Angehörige würden kaum in der Arbeitswelt thematisiert.
Außerdem sprach er Unterschiede bei der Berufswahl an: „2026 müssten wir eigentlich sagen, egal, was es für Berufe gibt, Handwerk, Industrie, das können Frauen genauso gut.“ In der Gesellschaft sei das aber noch immer nicht angekommen, alte Rollenbilder bestimmten oft die Berufswahl. Es sei entscheidend, dagegen schon in der Erziehung gezielt anzugehen und Mädchen ihre Perspektiven aufzuzeigen.
