Die Rhein-Sieg Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG) hatte zum Tag der offenen Tür auf das Gelände in Niederpleis eingeladen.
Tag der offenen TürIn Sankt Augustin werden jährlich aus Grünabfall 25.000 Tonnen Kompost

Die Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft (RSAG) hatte zum Tag der offenen Tür in das Kompostierwerk in Sankt Augustin-Niederpleis eingeladen. Der angelieferte Grünabfall wird in einer großen Halle aufgeschichtet.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
In Scharen zogen die Besucherinnen und Besucher vom Parkplatz zum Kompostierwerk der RSAG in Sankt Augustin-Niederpleis. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Rhein-Sieg-Abfallwirtschaftsgesellschaft empfingen sie auf dem großen Vorplatz neben der imposanten Biogas-Anlage. Wer wollte, konnte sich zu einer Führung durch die rund 40 Millionen Euro teure Anlage anmelden.
Und das wollten viele. Alexandra Falke war eine von denen, die durch die großen Hallen vorbei an riesigen Sieben und steilen Förderbändern, an leeren und gefüllten Rottetunneln vorbeiführte. Als Projektmanagerin hat sie das Kompostierwerk, eines der modernsten seiner Art in Deutschland, mit aufgebaut. Eigentlich sind es sogar vier Anlagen: Kompostierung, Vergärung, Heizung und Gasaufbereitung.

Die Besucherinnen und Besucher strömten in Scharen auf das Gelände.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
Auf einem Schaubild ist der Kreislauf dargestellt. Aus den rund 60.000 Tonnen Grünabfall werden jährlich 20.000 bis 25.000 Tonnen feiner Kompost gewonnen. Der Weg dahin ist ein hochkomplexer Prozess, den sich die Menschen an diesem Tag der offenen Tür in den Einzelschritten anschauen konnten. Allerdings wurde vorab gewarnt: Es riecht ein bisschen streng.
Das bestätigte sich direkt nach dem Eintritt in die erste Halle, dort, wo die Inhalte der Biotonne angeliefert werden. Es war warm, Fliegen summten herum, und tatsächlich hing ein strenger Geruch in der Luft, der sich in den Kleidern festsetzte. Allerdings landet hier nur die Hälfte der Tonnage, die andere geht in den großen Fermenter, in dem der Bioabfall vergoren wird. Dabei bildet sich Methan.
Das hat einen Reinheitsgrad von 57 bis 58 Prozent, wie Falke erklärte. Es wird gereinigt und aufbereitet bis zu Erdgasqualität. Die jährlich produzierte Menge entspricht dem Energiebedarf von rund 1300 Haushalten. Daneben steht ein riesiger Hackschnitzel-Ofen, wie RSAG-Pressesprecher Philip Moll sehr bildlich erklärte, der mit Grünschnitt und Holzresten befeuert wird. Er erwärmt die Luft und liefert den Heißdampf, die für den weiteren Prozess benötigt werden.

Gruppen wurden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch die Anlage geführt.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
Der angelieferte Grünabfall wird durch große Siebe geschüttelt, dabei fällt immer wieder Plastik ab, von kleinen Stücken bis zu großen Plastiktüten. In dem großen Haufen, auf den Falke hinwies, waren einige braune Papiertüten zu sehen. „Diese Tüten sind unproblematisch. Was aber als kompostierbare Plastikbeutel im Handel verkauft wird, müssen wir rausholen, weil sie nicht schnell genug verrotten“, erläuterte Falke.
Nach 30 Tagen ist der Kompost zum Verkauf fertig verrottet
In mehreren Stufen wird das Material immer feiner gekörnt, und bis zum letzten Sieb fällt Plastik an. Die feinste und mittlere Körnung werden mit Wasser und der Biomasse aus dem Fermenter vermischt. Ein an der Decke aufgehängter Greifer schiebt dieses Rohprodukt in einen der 16 Rottetunnel und schichtet sie drei Meter hoch. Innerhalb von 30 Tagen wird daraus der feine Kompost, den die RSAG verkauft.

In so genannten Rottetunneln, hier ein gefüllter, verrottet die Mischung zu Kompost.
Copyright: Ralf Rohrmoser-von Glasow
Durch Lüftungsschlitze wird dieser Vorgang mit Luft beschleunigt, von oben wird regelmäßig gewässert. Die Masse sinkt erheblich zusammen, kurz vor dem Ausräumen ist sie nicht mal mehr zwei Meter hoch. Der Greifer leert den Tunnel, Radlader schaffen das Material in eine Halle nach draußen. Das Endprodukt ist feinkörnig, trocken und frei von unangenehmen Gerüchen. Bis zu 25.000 Tonnen gehen in jedem Jahr hier durch.
„Eine ähnliche Anlage steht linksrheinisch“, sagte Pressesprecher Moll. In Sankt Augustin wird der Grünabfall aus dem rechtsrheinischen Kreisgebiet sowie dem rechtsrheinischen Bonn verarbeitet. „Es ist eine Kreislaufwirtschaft“, schildert Moll, „zentral läuft alles über uns, wir holen es ab, wir setzen es um und wir vertreiben es.“ Im Oktober 2023 ist die Anlage in Betrieb gegangen.
Im Jahr werden 4582 Tonnen CO² durch die Photovoltaik eingespart
Das Datenmaterial darüber hinaus ist beeindruckend. 1,9 MWp gibt die Photovoltaik her, an Sonnentagen läuft das Werk autark. 4582 Tonnen CO2 werden so jährlich eingespart. Die produzierte Energiemenge könnte 500 Haushalte versorgen. Auf dem Hof standen noch Müllfahrzeuge, eines mit Metalldetektor, der sogar Kronkorken erkennt und die Entleerung sofort stoppt. Alle Fahrzeuge aus dem Fuhrpark legen im Jahr zwei Millionen Kilometer zurück, jeder Müllwerker schafft zu Fuß etwa 2700 Kilometer. Dabei entleeren sie 800.000 Mülltonnen.
Es ist schon spannend, wie nachhaltig das funktioniert.
„Das ist gut organisiert“, stellte Besucher Jürgen Orth erfreut fest. „Es ist interessant zu sehen, was aus dem gemacht wird, was andere wegschmeißen und wie viel Aufwand dahinter steckt, wie viele Leute es braucht.“ Silke Wittouck ergänzte:„ Ich finde es positiv, dass die Führungen einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen. Es ist schon spannend, wie nachhaltig das funktioniert.“ Und Tochter Sophie lobte: „Ich finde es cool, dass die das überhaupt anbieten und die Kinder mal auf ein solches Detekteiauto klettern dürfen.“
